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Derevo zeigt in Dresden eine neue Leichtigkeit - und "Herzstück" als Uraufführung

Nicht von dieser Welt Derevo zeigt in Dresden eine neue Leichtigkeit - und "Herzstück" als Uraufführung

Es ist gar nicht so leicht, sich immer wieder neu zu erfinden. Am russisch-deutschen Tanztheater Derevo ist es eine gute Tradition, "Zwischen den Zeiten" als kleines Festival zu apostrophieren und alljährlich Ende Dezember Repertoire, Wiederaufnahme und Neuproduktion gut zu vermischen.

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Ivan Volkov in der Derevo-Aufführung "Herzstück" im Festspielhaus Hellerau.

Quelle: Sebastian Kahnert

Dreden. Auf dass die Schar der Begeisterten und Neugierigen jedes Jahr zu neuerlichen Überraschungen ins Festspielhaus nach Hellerau zieht.

Dieses Mal wurde gleich nach dem aufgefrischten "Harlekin" eine Premiere namens "Herzstück" präsentiert. Es sorgte für ein volles Haus, wie sollte es auch anders sein. Nur eine gute Stunde währte das Spektakel, das mit erstaunlicher Leichtigkeit daherkam, lediglich ein Quartett zweier Darstellerinnen und zweier Darsteller auf die Bühne brachte, dessen künstlerische Leitung neben Derevo-Gründer Anton Adasinskiy (wie er sich nunmehr auf dem aktuellen Programmzettel schreiben lässt) auch Elena Yarovaya oblag.

Zur wieder sehr suggestiven Musik von Daniel Williams werden Szenen um Szenen geboten, die nur locker mit-einander verbunden sind, sich aber sehr herz-lich und herz-haft um Herzens-Angelegenheiten bewegen. Ob es eine Dame mit Hund ist, deren Köter sich selbstständig macht, ob es Paare sind, in denen kein Eigenleben entsteht - stets ist das Herz (nicht) am entscheidenden Fleck. Derevo erfindet dazu immer wieder neue Bewegungsformen, Geschichtchen und Darstellungsweisen, da wird mal nahezu kabarettistisch geschritten, geäugt und gestikuliert, dann gibt es synchrone Bühnenrollen, bei denen die Körper von Rücken- auf Bauchlage rotieren, geradezu drangsaliert werden und mit diesem stummen Erzählen sehr suggestiv wirken. Neben der musikalischen Kommunikation tischt die Kostümsprache ganz eigene Handlungsstränge auf, werden Episoden um den vielleicht sogar teuflischen Hundsfott zelebriert, gibt es tippelnde Schrittfolgen mit zurückhaltender Komik, sorgen Requisiten aus dem Bühnenhimmel - trockenes Geäst, das an den Namen Derevo = das Bäumchen gemahnt - für permanente Blickwechsel.

Wenn dann ein geschundener Körper auf dem Boden liegt und ein knallrotes Spielzeugmobil ferngesteuert um ihn herum seine Kreise zieht, könnte das Blutstropfenorgien darstellen - oder auch nur der Idee folgen, hier mal neue Stilmittel einrollen zu lassen. Im Gegensatz zu manch früheren Produktionen, die von ergreifender Stringenz geprägt waren, die melancholische Momente vermittelt haben und in denen wirklich Geschichten erzählt wurden, wirkt das "Herzstück" in gewisser Weise wie zwanghaft. Alles hängt irgendwie an dicken Seilen, bunten Bindfäden und dünnen Fädchen. Damit kann gerungen werden, manche Bänder werden auch nur gepflückt und ineinander verrührt. Einen Sinn aber ergeben sie nicht.

Berührend gestaltet wird ein Riesenspiegel, der nur aus einer zerschnittenen Stoffbahn besteht, an der sich zwei Tänzerinnen in synchroner Zeichensprache begegnen. Unterm Strich wirkt das neue Projekt dennoch eher verstörend und weniger stringent. Das "Herzstück" beweist, wie subjektiv wortlose Kunst zu wirken versteht. Sie kann sogar sprachlos machen.

www.derevo.org

VON MICHAEL ERNST

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