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Regional Der ungewöhnliche Standort des Körnerdenkmals
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08:15 13.07.2018
Auch wenn es zunächst nicht den Anschein macht: Das Körner-Denkmal auf dem Georgsplatz steht nicht grundlos an dieser Stelle. Quelle: Foto: Dietrich Flechtner
Dresden

Nicht weit vom Dresdner Rathaus erhebt sich auf einem hohen granitnen Sockel eines der schönsten Personendenkmäler des 19. Jahrhunderts in Dresden, das Monument für Karl Theodor Körner. Unmittelbar hinter dem Denkmal ergießt sich stoßweise der Autoverkehr in die Innenstadt, vor demselben die Autokavalkade aus der Stadt heraus. Aber auch der rege Fußgängerverkehr seitlich am Denkmal vorbei scheint von ihm kaum Notiz zu nehmen. Seine gegenüber dem Fahrverkehr verquere Position lädt auch nicht zum Verweilen ein, zumal der dargestellte vorwärtsschreitende junge Mann in seinem wehenden Offiziersmantel zunächst etwas fremdartig erscheint und der auf dem Monument verzeichnete Name Theodor Körner (?) den Zeitgenossen kaum etwas sagt. Der Dresdner denkt bei dem Namen Körner an das Gegenüber von Schillerplatz in Blasewitz und Körnerplatz in Loschwitz, der historisch Interessierte vielleicht auch an das „Schillerhäuschen“ in Loschwitz, wo Schiller im Weinberg der Familie Körner an seinem „Don Carlos“ schrieb.

Ein begabter, aber leichtsinniger Schüler

Die Familie Körner war eigentlich eine alte Leipziger Familie, die 1783 in die Landeshauptstadt zog und für die Geistesgrößen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert ein gastliches Haus offen hielt. Der einzige Sohn dieser Familie war der 1791 geborene Karl Theodor. Er machte den Eltern, die um eine gute Erziehung und Ausbildung bemüht waren, erhebliche Sorgen. Weder der Privatunterricht durch den Vater wollte fruchten noch der Unterricht auf dem Kreuzgymnasium der Stadt Dresden in den Jahren 1805–1806. Und dennoch wurde dieser begabte, aber leichtsinnige ehemalige Schüler vor dem neugotischen Schulgebäude 1869 eines Denkmals für würdig befunden. Allerdings nicht seiner Leistungen als Schüler wegen, auch nicht als Student der Bergakademie in Freiberg oder als Philosophiestudent in Leipzig und Berlin, vielmehr als Poet und Schriftsteller in den Fußstapfen Schillers in Wien und als deutscher Freiheitsheld, der im Kampf gegen die Truppen Napoleons 1813 gefallen war.

Körners Bühnenstücke schafften es bis nach Wien

Die patriotische Begeisterung, welche die jungen Leute in Deutschland beim Kampf gegen Napoleon befallen hatte, wurde schon im 19. Jahrhundert unterschiedlich bewertet. Man denke nur an Goethes Unverständnis gegenüber dieser Bewegung. Schwer zu denken, dass einer so traditionsbewussten Bildungsanstalt wie der Kreuzschule der begrenzte Horizont eines solchen Patriotismus verborgen geblieben sein sollte. Denn hier hielt man während des 19. Jahrhunderts an der Pflege der alten Sprachen und an den Leitbildern und Tugenden der Antike fest, an Tapferkeit zwar auch, aber vor allem an Umsicht, Maß, Redlichkeit und Ordnung – Tugenden, die Theodor Körner weder im Privatleben noch als Militär gepflegt hat. Denn nicht zuletzt sein Gefühlsüberschwang ist es, der seine Bühnenstücke, aber auch seine „Schwertlieder“ heute so ungenießbar erscheinen lässt. Damals aber wurden doch einige seiner Bühnenstücke sogar im Burgtheater in Wien aufgeführt, und einige seiner Lieder wie „Lützows wilde verwegene Jagd“ erfreuten sich jahrzehntelang großer Beliebtheit. Eines dieser Lieder hat den Bildhauer Ernst Hähnel zu seinem Denkmal inspiriert. Es wurde „einige Stunden vor dem Tod des Verfassers gedichtet“ und lautet:

„Du Schwert an meiner Linken,

Was soll dein heit’res Blinken?

Schaust mich so freundlich an,

Hab meine Freude dran.

Hurrah!“

Und die letzte Strophe:

„Dir hab ich’s ja ergeben,

Mein lichtes Eisenleben.

Ach wären wir getraut!

Wann holst du deine Braut?

Hurrah!“

Mit Recht sind solche Selbstopferungsmythen verstummt und vergessen. Und doch hat Ernst Julius Hähnel, der 1869 das Denkmal modellierte, mit dem geistigen Material dieses fragwürdigen Gedichts ein Meisterwerk geschaffen. Die draufgängerische Spontaneität des jungen Mannes, der sein Reiterschwert mit der linken Hand an sein Herz drückt, während er in der rechten eine Papierrolle als Zeichen seiner Dichtkunst in der Hand hält, ist lebensnah geschildert. Der junge Held blickt wie ein römischer Feldherr in die Ferne und bleibt doch in seiner ausschreitenden Bewegung ein Mensch von Fleisch und Blut seiner Zeit. Das den Sockel begleitende Relief mit dem Emblem von Leier und Schwert betont noch einmal, dass es sich hier um einen Dichter und Helden handelt.

Der historische Bezug ist weg

Das Monument für Theodor Körner gehört zu den Denkmälern, welche die Fachwelt der Denkmalpflege heute gern als „ungeliebte“ bezeichnet, weil sie Inhalten gewidmet sind, die uns nicht nur fern liegen, sondern aus guten Gründen geradezu anstößig erscheinen. In diesem Fall tritt erschwerend hinzu, dass dem Monument sein ehemaliger historischer Bezug, die Schule, durch Kriegszerstörung und Abbruch endgültig genommen ist. So ist nicht ohne Grund, mit Geschick und Witz, das Körnerdenkmal ehemals begleitende Monument des Kreuzkantors Julius Otto vor die Kreuzkirche versetzt worden.

Diesem Vorbild folgend läge vielleicht der Gedanke nahe, auch für das Körnerdenkmal einen Platz zu suchen, wo das Kunstwerk besser zur Geltung kommen könnte. Aber gerade in diesem Fall spielt doch auch der historische Ort eine bedeutende Rolle, der dann verloren ginge. An seinem angestammten Platz könnte mit einer entsprechenden Erklärung und Zeichnung durchaus verständlich gemacht werden, warum das Denkmal hier und nicht anderswo steht. Und könnte es nicht für symbolisch gehalten werden, dass dem Denkmal, das zum Opfermut für das Vaterland aufrufen sollte, Schule und Schüler abhandengekommen sind und allein ein hervorragend gelungenes Bildwerk geblieben ist, das nur hier und nirgend anderswo authentisch von seiner Geschichte erzählen kann? Und wer weiß, ob nicht eines Tages der Wunsch entstehen wird, die Fahrbahnen der „autogerechten Stadt“ wieder zu verlegen und den Georgplatz sowie dem einst so eindrucksvollen Straßenzug der Bürgerwiese wieder ein architektonisch fassbares Bild zu verleihen, in das sich dann auch das Denkmal wieder ästhetisch besser einfügen würde? Denn „alternativlos“ ist der derartige Zustand durchaus nicht.

*Prof. Heinrich Magirius war von 1994 bis 2000 Sächsischer Landeskonservator

Von Heinrich Magirius*

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