Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Der fünfte Kurzfilmtag feiert in Dresden das Jagdfieber

Via Quickies durch die längste Nacht Der fünfte Kurzfilmtag feiert in Dresden das Jagdfieber

Der Kurzfilmtag ist eigentlich eine Langfilmnacht. Weil dem kürzesten Tag des Jahres die längste Nacht folgen muss – zumindest solange sich die Erde im Takt des Universums um sich selbst und dazu noch um die Sonne dreht. Warum dies so ist, kann jeder der zahlreichen Dresdner Veranstalter beim Stichwort „Wintersonnenwende“ sofort erklären.

Der fünfte Kurzfilmtag feiert in Dresden einige Auswüchse in Sachen nachhaltiges Jagdfieber

Quelle: PR

Dresden. Der Kurzfilmtag ist eigentlich eine Langfilmnacht. Weil dem (vermeintlich) kürzesten Tag des Jahres die längste Nacht folgen muss – zumindest solange sich die Erde im Takt des Universums um sich selbst und dazu noch um die Sonne dreht. Warum dies so (und immer am 21. Dezember) ist, kann jeder der zahlreichen Dresdner Veranstalter beim Stichwort „Wintersonnenwende“ sofort erklären.*** Denn heute – so verheißt die praktische Netzseite „Sonnenaufgang-Sonnenuntergang“ – geht um 8:04 die Sonne auf und um 16:02 (welch’ Ziffernmystik!) wieder unter, faktisch wie postastronomisch vermessen just an der Stelle der historischen Dresdner Union-Redaktion auf der Straße der Befreiung.

Doch wer hat es erfunden? Weder Finne, noch Schweizer – sondern der Franzos’! Weil „Le Jour Le Plus Court“ besser klingt, war die Premiere dort anno 2011, die anderen kopierten das rasch, die Deutschen seit vier Jahren, so dass wir nun die fünfte, allseits gut geförderte Auflage erleben und Dresden als eine der deutschen Quickfilmzentren natürlich dicke dabei ist. Weil der große DJV und auch der BDF als Partner bereitstehen, wird diesmal Wald, Holz und Getier im Mittelpunkt stehen: Dazu halten der Deutsche Jagdverband und der Bund Deutscher Forstleute Experten bereit – und die Besucher des Wildgeheges Moritzburg bekommen den Kurzfilm „Deutschlands wilde Wölfe“ zu sehen, um sich dann dem Unterschied zu jenen domestizierten hinterm Zaun zu widmen.

Auch im Hof der Groove Station herrscht Anstand: Dort wird symbolisch eine Art Hochsitz stehen, der als Filmvorführkabine dient, um – statt auf der Lauer nach dem größtem Bock der Neustadt zu liegen – lieber Streifen auf eine benachbarte Häuserwand projiziert. Bei freiem Eintritt locken ab 20 Uhr Kurzfilme aus aller Herren Länder (nicht Herrenländer!) – also Syrien, Marokko, Libanon, Jordanien, Deutschland und Frankreich.

Zwischen Anders-, Böse- und Totsein

Die Dresdner Organisatoren, die das Programm am Freitag in der Johannstädter Tenza-Schmiede vorstellten, dürften auch ohne Wald und Heide mit 30 Veranstaltungen eines der üppigsten Pakete geschnürt haben, insgesamt lauern am Mittwoch in der vierten deutschen Republik mindestens 265 Veranstaltungen in 133 Orten zwischen Flensburg und Zittau, das sind bislang 36 respektive 22 mehr als in der Vorjahresjagdsaison.

Lokal besonders spannend ist das Angebot jenseits der klassischen Programmkinos: Das Clubkino im Lingnerschloss frönt tagsüber DEFA-Filmen für Kids von Vier bis Acht und lädt abends ab 20 Uhr zu einem goldenen Lola-Reiter-Mix aus der Kinotournee vom Deutschen Kurzfilmpreis und dem Best of Dresdner Filmfestes, wobei sich Preisträgerfilme und Publikumslieblinge abwechseln. Ebenso bei Tageslicht lassen sich die Lieben unten den Kleinen während der üblichen vier Glühwein zur Mittagspause von 14 bis 18 Uhr in der sogenannten „Kindererlebniswelt“ (kein Knusperhäuschen!) auf dem Dresdner Striezelmarkt für 1,50 Euro (also preiswert für unter einem halben Glühwein) für eine halbe Stunde parken: Dort läuft: „Wir zeigen’s Euch“ für Kids von 6 bis 12 Jahren unter dem Motto „Anders sein“.

Anders, weil böser bis toter geht es im Frühlingsstraßenspätshop namens „EckeNord“, denn dort laufen ab 20 Uhr unter dem nicht nur orthografisch eigentümlichen Titel „Das Leben ist kurz!Film“ insgesamt „zehn Filme verschiedener Genres, die einzelne Lebensphasen humorvoll beleuchten oder uns dramatisch bis schwarzhumorig den unausweichlichen Ausgang zeigen“. Für jeden sei etwas dabei – und das gegen Spende (vorm Ableben).

Zehnminüter im Nanoplex

Die Tenza-Schmiede bietet – in bewährter Zusammenarbeit mit dem Tanznetz Dresden – ab 19 Uhr ein dreistündiges Programm unter dem vielsagendem Titel „From Screen to Stage and back“ mit echtem Tanz und Gesprächen plus Getränke und Snacks bei freiem Eintritt.

Vermutlich weniger direkt geht es ab 21.30 Uhr im Nanoplex namens Thalia auf der Görlitzer Straße zu: Neun Kurzfilme, so aus Berlin, Spanien (!), Schweden (!!) und US-Amerika (!!!) und im Schnitt fast zehn Minuten lang, widmen sich dem Thema „Let’s have Fun-Porn“ (zu deutsch: „Lasst uns froh unter munter lieben“).

Wen auch das nur peripher juckt, der sei hell vertröstet: Denn die längsten Nächte dauern – so man sie in Minuten misst – in Dresden eine ganze Woche lang, just bis zum Heiligabend. Sichtbar kürzer werden sie langsam ab den Weihnachtsfeiertagen, dann gibt es fast täglich eine Minute Sonnenzuschlag zwischen Auf- und Abgang. Am 4. April 2017, kurz nach der so genannten Tag- und Nachtgleiche, bemisst sich die Dunkelheit statt in reichlich 16 nur noch in knapp elf Stunden als Zeit für Quickies. Dann startet das nächste Kurzfilmfestival.

PS zu ***: Die richtige Antwort wäre: Der astronomische Winter beginnt mit der Wintersonnenwende – als Zeitpunkt, an dem die Sonne senkrecht über dem Wendekreis der anderen Erdhälfte stehen sollte.

Von Andreas Herrmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr