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Der französische Philosoph Jacques Rancière ist morgen im Hygiene-Musuem

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Die zeitgenössische Philosophie teilt sich im Grunde in drei Strömungen. Eine davon ist vor allem in Frankreich anzutreffen. Sie hinterfragt überkommene Überzeugungen mit den Mitteln der Dekonstruktion.

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Für Jacques Rancière sollten politische Mandate nur kurzzeitig vergeben und nicht erneuert werden.

Quelle: Verlag

Dresden. Die zeitgenössische Philosophie teilt sich im Grunde in drei Strömungen. Die erste, die ihren Schwerpunkt in der deutschen Philosophie hat, fragt nach dem Sinn des Daseins und des Denkens. Die zweite Strömung, die analytische Philosophie, geht ursprünglich von Wittgenstein aus. Sie hat das Ziel, sinnvolle von sinnlosen Aussagen abzugrenzen. Sie ist heute im angelsächsischen Raum weit verbreitet. Die dritte Strömung ist vor allem in Frankreich anzutreffen. Sie hinterfragt überkommene Überzeugungen mit den Mitteln der Dekonstruktion.

Aus dem Umkreis dieser letzten Strömung stammt der 1940 in Algier geborene französische Philosoph Jacques Rancière. Einer der Schwerpunkte seiner Forschung ist die Untersuchung der Wirkmächtigkeit der Worte. So untersucht Rancière in seinem kleinen Buch "Der Hass der Demokratie" (2005) das Wort "Demokratie". Er erinnert daran, dass ursprünglich "die Repräsentation das genaue Gegenteil der Demokratie ist" und dass dies "zu Zeiten der amerikanischen der französischen Revolution auch jedermann bekannt war". Die "repräsentative Demokratie" vereine zwei im Grunde unvereinbare Gegensätze. Das parlamentarische System sei eine Herrschaft der Wenigen, eine "oligarchische Form", eine "Repräsentation von Minderheiten, die dazu berechtigt sind, sich um die Angelegenheiten der Gemeinschaft kümmern." Beispielsweise sei es das erklärte Ziel der Verfassung der Vereinigten Staaten, "zwei als synonym geltende Güter zu bewahren: die Regierung der Besten und die Verteidigung der Besitzordnung". Das repräsentative System sei "ein unstabiler Kompromiss, ein Resultat aus gegensätzlichen Kräften".

Als minimale Regeln, damit dieses System als demokratisch gelten könne, fordert Rancière, dass Mandate nur für eine kurze Zeit vergeben und nicht erneuert werden dürfen. Ein Abgeordneter darf zudem nicht zugleich Mitglied der Regierung sein. Die Abgeordneten müssen das Monopol der Ausarbeitung der Gesetze haben. Die Einmischung ökonomischer Kräfte in Wahlvorgänge muss kontrolliert werden. Letztlich sind dies Mittel, die privaten Interessen aus der Gesetzgebung herauszuhalten und zugleich die schlechteste aller Regierungen zu vermeiden: "die Regierung derer, die die Macht lieben und geschickt genug sind, sie zu erlangen." Natürlich sieht Rancière, dass diese minimalen Regeln heute weit entfernt von einer Umsetzung sind, vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Eine "solide Allianz von staatlicher und wirtschaftlicher Oligarchie" habe sich die öffentliche Sache angeeignet. Die "freien Wahlen sorgen dafür, dass dasselbe herrschende Personal im Großen und Ganzen unter anderen Etiketten reproduziert wird". Es sei ein "bewundernswertes System, das der stärksten Minderheit die Macht gibt, ungehindert zu regieren". In der dadurch entstehenden Konsenskultur "gibt es nur eine einzige Wirklichkeit ... die von uns nur angepasste, immergleiche Antworten verlangt". Die Regierungen bemühen sich, den "demokratischen Zusatz auszuschließen. Sie erfinden überstaatliche Institutionen, die selbst keine Staaten sind und vor keinem Volk Rechenschaft ablegen müssen." Wahre Demokratie sei hingegen eine Tätigkeit, die "den oligarchischen Regierungen unaufhörlich das Monopol über das öffentliche Leben und dem Reichtum die Allmacht über das Leben aller entreißt".

Eine zentrale Formel Jacques Rancières ist die "Aufteilung des Sinnlichen". In dem gleichnamigen Buch aus dem Jahr 2000 legt Rancière dar, dass für ihn die Politik bestimme, "was man sieht und was man darüber sagen kann, sie legt fest, wer fähig ist etwas zu sehen und wer qualifiziert ist, etwas zu sagen". Die Aufteilung des Sinnlichen lege sowohl fest "ein Gemeinsames, das geteilt wird, als auch die Teile, die exklusiv bleiben". Damit liegt für Rancière der Politik eine Ästhetik zu Grunde. Auch die Kunst nimmt an der "Aufteilung des Sinnlichen" teil. Auch für sie stellt sich die Frage, was und wen sie sichtbar macht. Entsprechend haben sich die Forschungen Rancières in den letzten Jahren von der Politik her kommend auf das Gebiet der Künste ausgeweitet. In zahlreichen neuen Schriften geht er den Verbindungen zwischen Kunst und Politik nach. Hervorzuheben ist hier seine umfangreiche Arbeit "Aisthesis. Vierzehn Szenen.", auf Deutsch erschienen im Jahr 2013.

Hygiene-Museum, morgen, 20 Uhr, Literaturforum Dresden in Kooperation mit den Hygiene-Museum Dresden

www.literaturforum-dresden.de

von Patrick Beck

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