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Der französische Dirigent Georges Prêtre ist tot

Regelmäßig zu Gast bei der Staatskapelle Dresden Der französische Dirigent Georges Prêtre ist tot

Der französische Dirigent Georges Prêtre ist tot. Der Maestro starb im Alter von 92 Jahren am Mittwochnachmittag in Navès in Frankreich, wie der Wiener Musikverein bestätigte. Prêtre trat im Laufe seiner Karriere in zahlreichen großen Opernhäusern der Welt auf. Er war auch regelmäßig zu Gast bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die er sehr schätzte.

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Georges Prêtre

Quelle: Matthias Creutziger

Dresden.

Prêtre wurde am 14. August 1924 im nordfranzösischen Waziers geboren. Er studierte an den Konservatorien von
Douai und Paris, zunächst Klavier und Trompete. Eigentlich wollte er Komponist werden, wie er vor einigen Jahren im Interview der „Wiener Zeitung“ erzählte – der Berufswunsch änderte sich aber, als er im Orchestergraben der Pariser Oper den großen Einfluss des Dirigenten auf die Musik miterlebte.

Georges Prêtre debütierte 1946 als 22-Jähriger an der Oper von Marseille. Nach Stationen in Lille, Casablanca und Toulouse kam er in die französische Hauptstadt, wo er zunächst an der Opéra Comique, dann an der Pariser Oper tätig war. Später dirigierte er regelmäßig die großen Orchester der Welt: Herbert von Karajan holte ihn 1962 an die Wiener Staatsoper, später war Prêtre an der Mailänder Scala engagiert. Auch die Berliner Philharmoniker traten unter seiner Leitung auf. Als einer der Höhepunkte seiner Karriere galt das Konzert zur Wiedereröffnung der New Yorker Metropolitan Opera 1966. Von 1986 bis 1991 war Prêtre Erster Gastdirigent der Wiener Symphoniker.

Später dirigierte Georges Prêtre weniger Opern und widmete sich stärker dem Konzertrepertoire. „Zum Teil wegen der Regisseure“, sagte er. Regiearbeiten hätten mit der Musik oft gar nichts mehr zu tun und provozierten bloß Skandale. „Doch für diese Skandale zahlt der Dirigent die Zeche.“

Der Künstler, der Reisen zu Auftritten eigentlich nicht so sehr schätzte, achtete darauf, nicht zu viel zu dirigieren. „Wenn ich viel auf Reisen wäre, wäre ich ein Handelskaufmann für Musik – und Kommerz will ich nicht“, sagte er 2006 im Interview mit Sybille Graf für die Dresdner Neuesten Nachrichten. Dass er dennoch zur Sächsischen Staatskapelle eine enge künstlerische Verbindung aufbaute und regelmäßig an ihrem Pult stand, darf als Zeichen dafür gesehen werden, wie sehr er das Dresdner Orchester schätzte. „Die Kapelle bringt einfach jeden Klang, den ich will, der in der Partitur steht: eleganten, vulgären, nervösen, schmerzvollen“, begründete er seine Begeisterung. Nicht um ihn ginge es, betonte der charismatische Dirigent, sondern um das Orchester, dessen Vorzüge er aufzeigen wolle. Auch Sänger haben Prêtres Dienst an der Musik zu schätzen gewusst, nicht von ungefähr galt er zum Beispiel als Lieblingsdirigent der großen Maria Callas.

„Mit Trauer und Bestürzung haben wir vom Tod Georges Prêtre erfahren“, erklärte Jan Nast, Orchesterdirektor der Staatskapelle Dresden. Die Zusammenarbeit mit der Staatskapelle Dresden hat zwar erst im Jahr 2002 begonnen, umso herzlicher sei aber diese späte „Liebesaffäre“ gewesen, wie Prêtre selbst sein Verhältnis zur Staatskapelle gern bezeichnete. Unvergessen seien, so Nast, Prêtres Konzerte mit der Staatskapelle in der Semperoper, aber auch auf Gastspielreisen in der Berliner Philharmonie, im Wiener Musikverein, im Pariser Théâtre des Champs-Élysées oder in der Mailänder Scala. „Zuletzt trafen wir den Maître im Oktober 2016 auf einer Tournee im Wiener Musikverein. Damals probte er in seiner unvergleichlichen Art mit den Wiener Symphonikern den ‚Bolero‘ und Offenbachs ‚Can-Can‘. Sehr freute er sich auf die erneute Zusammenarbeit mit der Staatskapelle bei den diesjährigen Osterfestspielen und auch im November 2017 wieder in der Semperoper. Dazu sollte es nun nicht mehr kommen. Wir werden Maestro Prêtre sehr vermissen.“

Die Musik und seine Frau seien das Geheimnis seiner unglaublichen Vitalität, hatte Georges Prêtre damals im DNN-Interview gesagt. Und dass er das Leben liebe. Das wichtigste Geheimnis des Lebens aber sei das Lächeln.

Dresden wird sich an sein Lächeln erinnern. Und an das Musizieren des großen Georges Prêtre.

Von Kerstin Leiße (mit dpa)

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