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Regional „Der eigene Antrieb“ zum Saisonbeginn in Pillnitz
Nachrichten Kultur Regional „Der eigene Antrieb“ zum Saisonbeginn in Pillnitz
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18:00 28.04.2016
Das Fahrrad und sein Design. Quelle: Dietrich Flechtner

Auch das Fahrrad ist Objekt von Gestaltung – derzeit vielleicht mehr denn je, verschiedentlich sogar wieder in Manufakturen gefertigt. Ebenso ist es Gegenstand der Kulturgeschichte und heute für viele nichts weniger als ein Kultgegenstand. Man sollte sich also nicht wundern, dass das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ab Sonnabend im Wasserpalais des Schlosses Pillnitz zur Schau „Der eigene Antrieb – oder wie uns das Rad bewegt“ einlädt. Die sich in modernem Outfit zeigende, von Petra Schmidt kuratierte Präsentation lässt teilnehmen an der Entwicklung dieses Autonomie versprechenden Fortbewegungsmittels.

Ausstellungskapitel wie „Die Entdeckung der mechanischen Bewegung“, Sportliche Bewegung“, „Gesellschaft in Bewegung“, „Emotional bewegend“ oder „Moderne Mobilität“ spannen den Bogen von seiner Erfindung durch Karl Drais bis zum Elektrobike heutiger Tage. Drais’ Laufrad ist auch das erste Gefährt, auf das der Besucher in dieser an fotografischen, digital animierten und filmischen Bildern reichen Schau trifft. Wer weiß schon, dass dieses Gefährt kurz nach seiner Erfindung 1817 schon wieder verboten wurde? Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Entwicklung aber nicht mehr aufzuhalten. 1861 bekam das Rad Pedale. In den 1890er Jahren war das Niederrad in der bis heute bekannten Grundstruktur fertig (das Hochrad blieb Episode).

Alles dreht sich Quelle: Dietrich Flechtner

Dass Fahrradfahren auch damals schon etwas mit gesellschaftlicher Bewegung zu tun hatte, zeigen Plakate, die Kurse für Frauen anboten, darunter eine Radfahrschule vom heimischen Rissweg. „Wegweisend“ waren in den späten 60ern auch die Hippies, die mit Schrotträdern halsbrecherische Abfahrten meisterten und so das Mountainbike „erfanden“. Die alternative, Nachhaltigkeit postulierende Bewegung wiederum war wohl einer der „Geburtshelfer“ des Fahrradbooms unserer Tage.

In der Ausstellung kann man verfolgen, wie sich das Design der Räder in jüngerer Zeit weiter entwickelte. Reifen, Sättel, aber auch unterschiedliche Klappfahrradtypen, darunter das hierzulande allseits bekannte Modell von Mifa, sind zu sehen. Und immer wieder spielt Radfahren als Lebensgefühl eine Rolle – sei es auf halsbrecherischen Trialkursen oder im Alltag. Selbst für letzteren war allerdings ein schwedisches Modell aus Kunststoff nicht tauglich, da dieser im Sommer weich, im Winter spröde wurde. Ganz anders die teuren High-Tech-Maschinen aus Carbon für den Hochleistungssport.

Auch abschließend geht es mit High-Tech weiter: einem Airbag für Radler, neuen Navi-Systemen für eben diesen, Leuchtspray für die Kleidung, der abwaschbar ist, einem ungewöhnlichen Windjackenmodell und dem Prototyp eines Lastenfahrrads zur Eigenmontage. Wer möchte, kann schließlich auf einige der ausgestellten Räder, darunter ein Hochrad, steigen und das Sitzgefühl testen. Fahren geht hier natürlich nicht.

Auch ein Blick auf die passende Kleidung ist erlaubt. Quelle: Dietrich Flechtner

Unterstützung für die Schau kam von Händlern, vor allem aber von Sammlern. Denn, dies nur am Rande, das Kunstgewerbemuseum, so Tulga Beyerle, die Direktorin, beherbergt nicht ein einziges Fahrrad in seiner Sammlung. „Rund ums Rad“ gruppieren sich bis in den Herbst viele Veranstaltungen, darunter der erste Dresdner Tweed-Run (22. Mai), eine Ausfahrt zur Museumsnacht (17. September) sowie ein Symposium zur Mobilitätskultur (29. Oktober). Zudem sammelt das Museum funktionstüchtige Fahrräder für Flüchtlinge (Abgabemöglichkeit bei der Betriebswache – am Rundbogen, nahe Alte Wache – Mo-Fr 10 bis 18 Uhr). Partnerschaftlich gibt die Ostsächsische Sparkasse Dresden außerdem >>>Renn-Rat >>> (ab 4. Mai am Sachsenplatz).

Über die Saisonausstellung hinaus wird das Wasserpalais einen neuen Flügel zum Thema „Material“ eröffnen. „Friends and Design“ heißt eine Schau von sieben international erfolgreichen Designern (ab 9. Juli). Anfang September entsteht eine Ausstellung des Kunstgewerbemuseums zusammen mit dem Studio Rygalik. Unter dem Motto „Creative Collisions“ werden junge Gestalter und kreative Flüchtlinge einbezogen (ab 3. September).

Erinnert sei hier ebenso an die Schau „Der Gärtner des Maharadschas“ im Schlossmuseum (siehe auch DNN S. 13), die sich im hoffentlich sonnigen Sommer gestalterisch auf den Schlosspark ausweiten wird.

Der eigene Antrieb, Wasserpalais, 30. April bis 1.November, 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen, ausführliche Informationen zu den genannten und weiteren Veranstaltungen siehe Flyer und www.der-eigene-antrieb.de
Die gleichen Öffnungszeiten hat die Schau im Schlossmuseum.

Von Lisa Werner-Art

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