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15:03 17.06.2018
Marilyn Manson bei seinem Auftritt am Dienstag in der Jungen Garde in Dresden. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Schockrocker. Provokateur. Miserabler Liveakt. Trifft keinen Ton, bricht Konzerte ab, kann sich kaum auf seinen Beinen halten. Noch vor wenigen Jahren waren das die Anfänge von Konzertkritiken über einen Liveauftritt Mansons. Doch die Zeiten haben sich offensichtlich geändert.Bereits im vergangenen Jahr überzeugte Marilyn Manson mit einer fulminanten und überraschend skandalfreien Show in der Jungen Garde. Knapp ein Jahr später kehrt er zurück auf die Bühne im Großen Garten und bewies Stimmgewalt, Minimalismus und Herzlichkeit, so weit es das Image eines Schockrockers zulässt.

Zwischen Tangas und Deutschlandfahnen

Mit „Irresponsible Hate Anthem“ gab Manson gleich zu Beginn ordentlich Gas. Mit „Deep Six“ vom vorletzten Album „The Pale Emperor“ zeigte sich bereits, dass Manson auch an diesem lauen Sommerabend seine Stimme im Griff hat und die Sprünge zwischen Schreien, Stöhnen und Singen wurden zu einem Ohrenschmaus. Die Fans sparten nicht an Gastgeschenken und so landete recht schnell der erste Tanga auf der Bühne. Manson krallte sich direkt eine wehende Deutschlandfahne aus dem Publikum – und das jubelte.Klassiker wie „This is the new Shit“ brachten die Meute vor allem vor der Bühne zum Toben.

Der Tanga beschäftige Manson noch eine Weile, mal hing er um seinen Hals, mal zog er ihn sich an – und traf währenddessen weiter jeden Ton. Bevor die Band zu „mOBSCENE“ losrockte, erklärte der Sänger, „Deutschländ“ habe ihn zu diesem Song inspiriert. Inwiefern das vor fast zehn Jahren wirklich der Fall war, verrät er nicht.Und dann passierte das, was in Zusammenhang mit einem Künstler, dessen Interaktionen mit dem Publikum eher rar gesät sind, durchaus als Herzlichkeit bezeichnet werden kann. Eine junge Frau hielt ein Schild in die Luft, auf dem „I would kill for you“ zu lesen war. Kurz nach Beginn des Songs „Kill4me“ fand sie sich auf der Bühne wieder, vom Rocker persönlich nach oben geholt. Eine wirklich schöne Geste.

Konzert von Quelle: Dietrich Flechtner

Für „Dope Show“ schmiss sich Manson in ein Krähenkostüm, das an diesem Abend gleichzeitig die einzige etwas ausgefallenere Requisite darstellte. Im vergangenen Jahr kam er bei „Sweet Dreams“ auf riesigen Stelzen auf die Bühne, kleidete sich bei „Say10“ ganz in Weiß und nahm zwischenzeitlich auf einem Thron Platz. Diesmal blieb die Show sehr minimalistisch, was der Qualität aber keinen Abbruch tat, im Gegenteil.

Eine Zugabe, die es in sich hatte

Auch wenn es ein Marilyn Manson nicht nötig hatte, die wenigen Kostümwechsel mit Gitarrensoli oder Schlagzeugeskalationen seiner Mitmusiker überbrücken zu lassen. Die Show wurde dafür einfach unterbrochen.Vielleicht lag die rare Bühnenausstattung an dem Unfall im letzten Jahr, als die Bühnenkulissen den Künstler unter sich begruben. Vielleicht ist es aber auch der Tatsache geschuldet, dass er sich gerade nicht auf Tour befindet, sondern lediglich auf Festivals spielt und nur Dresden die Ehre eines Solokonzertes gab.Aber was wäre Manson auch ohne seine Arroganz. Mit „Sweet Dreams“ und „Say10“ sowie einem seiner größten Hits „The Beautiful People“ machte er die Stunde voll, schmiss sein Mikrofon in die Ecke und verließ die Bühne.

Doch eine Zugabe war dem Dresdner Publikum vergönnt und die hatte es vor allem für Fans der achtziger Jahre in sich. Er coverte „Cry little Sister“ von Gerard McMahon, was bei YouTube und Co. nur in Form von schlechten Live-Mitschnitten zu finden ist (Anm. d.Red.: Einen Tag nach dem Konzert in Dresden veröffentlichte Marilyn Manson eine Studioversion des Songs. Nun also doch in ordentlicher Qualität online zu finden). Der Song gehört zum Soundtrack von „Lost Boys“, einem (großartigen) Vampirfilm von 1987. Ein absolutes Highlight des Abends. Und dann folgte auch endlich der Schockmoment des Schockrockers, der bei den meisten allerdings nicht gut ankam. Denn die Show fand nach einer knappen Stunde ein jähes Ende. Manson ging, das Licht ging an und die Roadies machten sich ans Abbauen. Aber mit Blick auf die vergangenen Jahre ist eine einstündige Show von Marilyn Manson durchaus als Privileg zu behandeln.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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