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Der Pullunderträger auf Frauensuche

Filmpremiere „Schubert in Love“ Der Pullunderträger auf Frauensuche

Olaf Schubert muss in Dresden nicht mehr vorgestellt werden. Dennoch geht Deutschlands wohl einziger Pullunderträger auf Nummer sicher und stellt am Dienstag in seiner Heimatstadt seinen ersten Kinofilm vor: „Schubert in Love“. Der Anti-Adonis wandelt, wie der Titel stark suggeriert, auf Freiersfüßen. Und er wird fündig.

Der Patriarch und die Schwiegertochter in spe (Marie Leuenberger). Und ein Herr mit schütterem Haar.
 

Quelle: Wild Bunch Germany

Dresden.  Irgendwann ist es im Leben eines Mannes und einer Frau soweit. Dann lassen sie den Trieben freien Lauf und die Säfte fließen, haben sie prosaisch gesagt den ersten Sex. Die lange nur befreundeten Harry (Billy Crystal und Sally (Meg Ryan) taten „es“ dann irgendwann doch, Amy (Mayim Bialik) und Sheldon (Jim Parsons) verloren letztlich ihre Jungfernschaft und nun wird man Zeuge, jedenfalls sofern man ein Ticket für den Film „Schubert in Love“ löst, wie Olaf Schubert dem Liebesspiel frönt. Wer allerdings nun hoffen mag, dass der Comedy-Kauz mit dem dünnen Zauselhaar, der genialistische Spinner aus dem Tal der ahnungslosen Angeber, sich ganz nackig macht, wird enttäuscht werden. „Der Pullunder bleibt an“, stellt er klar, als er mit Pamela in der Kiste landet.

Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte Olaf Schubert, wie Sheldon Cooper aus der Sitcom „The Big Bang Theory“ ein großer Anhänger des gepflegten Alleinseins (droht doch immer die Gefahr, dass der Verstand an Schärfe einbüßt, wenn es erstmal zum regelmäßigen Koitus kommt), allen angeblichen Freuden der Fleischeslust entsagt. Er war vollkommen ausgelastet damit, sein den Hunger in der Welt anprangerndes Musical „Der letzte Löffel“ einzuproben. Aber sein mit Herzproblemen kämpfender Vater (Leinwand-Ikone Mario Adorf als etwas schrulligere Ausgabe eines Familienpatriarchen wie der Große Bellheim) will einen Enkel, einen Erben, droht das große Geschlecht der Schuberts doch auszusterben. Pragmatisch wie er ist, begibt sich Olaf sofort auf die Suche nach einer passenden Frau. Er setzt eine Anzeige auf, hat eine Reihe von Dates, die alle im Desaster enden, denn wie Alan Harper in der Serie „Two and a Half Men“ macht er im Umgang mit den Frauen falsch, was falsch zu machen ist.

Dann taucht Pamela (Marie Leuenberger) auf, eine promovierte Biologin mit geringfügiger Sozialangst. Es dauert seine Zeit, bis man gegenseitig warm wird, aber schließlich hält Schubert beim Nudel-Verputzen (Gourmet-Küche schaut anders aus) um Pamelas Körper an. Die Nacht ist wundervoll, allerdings nimmt – das aus altem sächsischen Amputationsadel stammende Lover-Wunder im Pullunder trifft fast der Schlag – Pamela die Pille. Das wiederum erzürnt Pamela, ging es hier doch um die Liebe, Olaf hingegen offensichtlich nur um die Fortpflanzung und ihre Reduktion zum Brutkasten. Aber der Film ist eine Komödie, es gibt, dies zur Klarstellung, ein Happy End. Die Brust Schuberts mag schmächtig sein, in ihr schlägt das Herz eines Kämpfers, zum Erstaunen aller dann sogar in Liebesdingen.

„Schubert in Love“ wurde von Lars Büchel gedreht („Erbsen auf halb 6“, „Lippels Traum“), Schubert selbst strickte „nur“ am Drehbuch mit, und auch das nicht allein, sondern zusammen mit Stephan Ludwig. Außer Adorf und Leuenberger wurden ein paar engere Mitstreiter wie Jochen Barkas und Bert Stephan engagiert, hier und da macht Anna Mateur die Bäckersfrau, eher genervt als belustigt, wenn Schubert mal eben 50 000 Brote ordert, auf dass es mit dem Sieg über den Welthunger auch klappt. Auch Mandy Hausten ist als special guest mit von der Partie.

Wo Schubert draufsteht, ist einmal mehr Schubert drin, wer ein Fan seines Humors inklusive Kalauern als Kunstform ist, wird den Film lieben, der Rest wird sich an die Stirn greifen. Dresdner haben einen erheblichen Ortsvorteil, wurde der Film doch in Dresden gedreht (laut einen Interview sogar in 3D, allerdings sei beim Schnitt im Studio ein D verloren gegangen...). Einschlägige Dresdner Örtlichkeiten werden gebührend ins Bild gerückt, durchaus auch jenseits des auch als Zwinger bekannten Pöppelmannschen pompösen Gedönses, auch hagelt es Anspielungen auf Dresdner Lokalitäten und Befindlichkeiten, etwa wenn wiederholt die Teilnehmer zweier Demonstrationszüge sich ihres gegenseitigen Hasses versichern. Letztlich ist dieser Seitenstrang ebenso aufgesetzt, wie so manch anderer Drehbuch-Einfall.

Dass in Dresden gedreht wurde, hat zur Folge, dass speziell hier im Kessel der Wutbürger wie Weltverbesserer, zu dem das einstige Tal der Ahnungslosen mutiert ist, ein Premieren-Reigen angesetzt ist, bevor der Film ab Donnerstag auch in vielen Kinos im Rest der Republik zu sehen ist. Am heutigen Dienstag könnte man nicht nur dem Nikolaus begegnen, sondern im Rundkino ab 19 Uhr auch Hauptdarsteller Olaf Schubert, Marie Leuenberger und Mario Adorf sowie Regisseur Lars Büchel, die sich auch Fragen aus dem Publikum stellen. 19.45 Uhr flimmert im Kristallpalast der Film über die Leinwand. Für Schubert und Büchel wird es nach Lage der Dinge das reinste Hochgeschwindigkeitsrennen, werden sie doch um 20.30 Uhr auch in der Schauburg und um 21 Uhr im Kino in der Fabrik erwartet.

Von Christian Ruf

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