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Der Prunk der Ritter: Am 19. Februar öffnet die Rüstkammer im Riesensaal des Dresdner Schlosses

Der Prunk der Ritter: Am 19. Februar öffnet die Rüstkammer im Riesensaal des Dresdner Schlosses

Wer ein echter Ritter werden und im Turnier bestehen will, fängt früh an. Den drei Sprösslingen von Kurfürst Christian I. (1586-1591) reichen zunächst Spielzeugwaffen und ein Pony.

Darauf hat Klein-Christian II. Platz genommen, seine Brüder August und Johann Georg I. stehen daneben. Möglich, dass sie so sorgsam ausstaffiert mit Rüstung und Helm einst im Stallhof, den der Papa am Residenzschloss errichten ließ, ihre adeligen Spiele spielten. In der Vitrine gegenüber glänzt der Harnisch des erwachsenen Johann Georg I. In diese Richtung soll der Knabe blicken. Rüstkammerchef Dirk Syndram legt selbst mit Hand an die Ausrichtung der Figurengruppe.

Keine zwei Wochen mehr, dann soll der Riesensaal im zweiten Obergeschoss des Ostflügels im Schloss öffnen und als Teil der Rüstkammer das Turnierwesen und Prunkwaffen präsentieren. Die meisten der Hightech-Vitrinen an den Längsseiten sind schon wortwörtlich ausgerüstet. Aber das ist nur ein Teil der Arbeit. Noch fehlen die Gemälde zum Thema an den Wänden und sämtliche Beschriftungen. Überall ist man am Werkeln. Die lebensgroßen Pferde einer Turnierszene mussten sich vorübergehend wieder auf ihr Podest legen. Die Statik stimmte nicht. Und die Herrschaften des Fußturniers stecken noch unter weißen Tüchern und erinnern an den Ku-Klux-Klan.

"Wir haben noch 14 Tage", sagt der Herr über all den Prunk gelassen. Hat Syndram doch auch die Türckische Cammer und das Grüne Gewölbe pünktlich eröffnet. Er denkt sowieso in größeren Zusammenhängen, sowohl inhaltlich bezogen auf die Entwicklung der Residenz sächsischer Kurfürsten und Könige, die im Museumsschloss ablesbar werden soll, als auch terminlich. Türckische Cammer und Riesensaal zusammen zeigen nur acht Prozent der rund 13000 Rüstkammer-Schätze. 50 Prozent sollen es einmal werden. So hat der Direktor schon die künftigen Jagdszenen in der Etage darunter oder die Kammer der Silberharnische im Georgenbau im Auge. "Die Politik sollte sich weiter richtig zum Schloss bekennen und es innen zügig fertigstellen", fordert er. "Das ist die beste Werbung für Dresden!"

Um die 350 Objekte erzählen im Riesensaal etwas über die Prunk- und Renommiersucht des Adels des späten 15. Jahrhunderts bis zum 17. Jahrhundert. "Die Waffen wurden in den wenigsten Fällen militärisch verwendet. Es sind Kunstwerke", erklärt Syndram. Trotzdem endete ein Scharfrennen, bei dem der Gegner mit scharfer Waffe vom Pferd gestoßen wird, öfter auch blutig oder gar mit dem Tod, wie auf einem Gemälde anno 1545 ablesbar. Das Scharfrennen ist eines der drei wichtigsten Turnierarten, die in der Schau inszeniert werden. Beim Pallienstechen musste die Lanze des Kontrahenten gebrochen werden, im Fußturnier kämpften drei Zwei-Mann-Gruppen gegeneinander. Nervenkitzel pur. "Nicht nur heute sind Menschen unvernünftig und eitel", findet Syndram.

Die Inszenierung der neuen Ausstellung ist eine umfassende. Architekt Peter Kulka hatte die reine Raumwirkung des mit 57 Metern Länge, 13 Metern Breite und 9,60 Metern Höhe größten Saales des Schlosses wie die Präsentation der Objekte und die Korrespondenz nach draußen im Auge. Fanden doch Ritterturniere hier im Großen Schlosshof statt, dessen Sgraffiti sich jetzt phantasieanregend durch die unverstellten Fenster betrachten lassen. Von Beginn an hat Ausstellungsgestalterin Reingard Albert - sie ist seit 40 Jahren für die Kunstsammlungen tätig - Kulkas Arbeit begleitet. Sie wählte die Farben für die Seidenbespannung der Vitrinenhintergründe aus: Kardinalsrot für die Bidenhänder, schwere Waffen, für die man zwei Hände brauchte, Aubergine und Mauve unter anderem für die Harnische des berühmten Plattners Anton Pfeffenhauser und Lampionrot für die golden glänzenden Prunkwaffen. Anregung holte sich Albert in einer Mailänder Damastweberei. Gewebt wurden die Stoffe in der Seidenmanufaktur Eschke in Crimmitschau.

Noch bis vor Kurzem ist jedes Exponat durch die Hände der Restauratoren gegangen. Begonnen wurde vor etwa drei Jahren, berichtet Andreas Frauendorf, Leiter der Restaurierung. Nun kann das punktgenaue Licht alle kunsthandwerklichen Details hervorheben. Aber auch unter der glanzvollen Oberfläche stecken große Mühen. Was der Besucher nicht sieht, sind aufwändig zu erhaltene Textilien, mit denen Harnische und Helme ausgekleidet sind. Schon eher fallen die Straußen- und Reiherfedern am Helm auf und der gesamte goldene Prunkharnisch für Mann und Ross, eines der Aushängeschilder der Sammlung.

Dagegen nimmt sich die Bibel von Gustav Adolf von Schweden sehr bescheiden aus, die gerade eingehüllt in einem Einkaufskorb aus dem Neuen Grünen Gewölbe gebracht wird. Sie erhält nun im Riesensaal ihren passenden Platz. Syndram macht auch auf Gustav Adolfs Pistolen und andere Originale aus dem Dreißigjährigen Krieg aufmerksam. Manches Exponat ist wohl doch kampferprobt.

280 Jahre nach seinem Verschwinden, sprich der mehrfachen Unterteilung, kehrt der Riesensaal nun zurück. Ein wenig schmaler, weil sich hinter den Vitrinen viel verborgene Technik befindet, ohne die Fresken der riesenhaften Krieger zwischen den Fenstern, die dem Raum einst den Namen gaben und ohne die von Abbildungen bekannte frühbarocke farbige Deckengestaltung. Von diesem Mythos bleibt das Zitat des Tonnengewölbes. In seinen Rauten befindet sich heute moderne Beleuchtung. Sie muss per Hubbühne auch noch ausgerichtet werden.

Service:

Eröffnung: Am 18. Februar, 18 Uhr findet im Kleinen Schlosshof die Eröffnung für geladene Gäste statt. Hartwig Fischer, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, erwarten u.a. Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann, Sachsens Wissenschafts- und Kunstministerin Sabine von Schorlemer und die Generaldirek-torin des Kunsthistorischen Museums Wien, Sabine Haag.

Öffnungszeiten: Ab 19. Februar - ausnahmsweise am obligatorischen Schließtag - ist der Riesensaal als Teil der Rüstkammer für das Publikum zugängig. Geöffnet Mittwoch bis Montag 10 bis 18 Uhr.

Eintritt: Schlossticket (außer Historisches Grünes Gewölbe) 10 Euro, ermäßigt 7,50 Euro.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.02.2013

Genia Bleier

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