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18:54 29.09.2017
Manfred Breschke bleibt der Bühne trotz Rentenbeginn erhalten.
Dresden

Der Herbst ist da, es fallen die Blätter von den Bäumen, es purzeln mal wieder Trainer von ihren Stühlen, fallen Politiker aus allen Wolken und teilweise sogar ihren Ämtern. Manche klammern sich noch an ihre Pöstchen, etwa Martin Schulz, der sich in der „Elefantenrunde“ der Wahlnacht als extrem schlechter Verlierer entpuppte und auch damit klar bewies, dass ihm das Zeug zur Kanzlerschaft fehlt, aber allgemein scheint es mal wieder die Zeit der Abschiede zu sein.

Auch Manfred Breschke geht. Freiwillig. Die Rente lockt, das Reisen, ... Mehr Zeit für Ehefrau, Kinder und Enkelkinder sei auch nicht zu verachten. Nach 35 Jahren als Berufskabarettist, nach fast 20 Jahren als Intendant, Technischer Leiter, Geschäftsführer, Regisseur und Autor an der hauseigenen, zusammen mit Thomas Schuch gegründeten Bühne, sagte Breschke (der übrigens in grauer Vorzeit, also zu DDR-Zeiten, eine Ausbildung zum Facharbeiter für Betriebsmess-, Steuerungs- und Regelungstechnik absolvierte und es dann sogar zum Doktor der politischen Ökonomie brachte) zum Abschied noch einmal Servus. Nicht leise, sondern mit einem kleinen Paukenschlag, nicht allein, sondern mit diversen Akteuren, mit denen er es seit 1998 auf der Bühne „getrieben“ hat, also mit den Dresdner Salon-Damen, Anne Schaab, Silke Krause, Philipp Schaller, Daniel Vedres, Jörg Lehmann und natürlich seinem wichtigsten aller Kompagnons: Thomas Schuch.

„Ey, Alter … geht’s noch?“ lautete das Motto der Abschiedsvorstellung am Donnerstag, „Ey Alter … krasser Sound!“ ist übrigens der Titel eines Abends, bei dem Breschke zusammen mit Vedres ab Anfang November hier und da aufspielen will. Schon Udo Jürgens wusste, dass auch mit 66 Jahren noch lange nicht Schluss ist, und deshalb verschwindet das Satire-Urgestein nicht gänzlich im Orkus der Geschichte, macht zwar keinen Rückzug vom Rückzug, aber hält auch weiterhin mit seiner Sicht auf die große Lage der Nation und die vermeintlich kleinen Misslichkeiten des Alltags nicht hinterm Berg.

Dass in ihm Feuer und Leidenschaft beim Kampf um eine bessere Welt noch immer lodern, bewies Breschke eindrucksvoll bei der Abschiedsvorstellung, bei der jeder Mitstreiter ein kleines Geschenk überreicht bekam – meistens eine von einem Winzer abgefüllte Bouteille. Und er erhielt ebenfalls Präsente, auch wieder meist Flaschen, deren jeweiliger Inhalt einen alkoholischen Gärungsprozess durchlaufen hat. Musikus Vedres hatte ein kleines Musikstück komponiert, das Breschke so gut gefiel, dass er sich die Melodie als Klingelton aufs Handy laden will. Richtig gut die Laudatio, die Philipp Schaller auf den Ehrenspielführer des Abends hielt. Breschke sei für ihn ein Vorbild, „wie man zu seiner Haltung steht“. Gelernt hätte er so manches, sogar dass „man auch in Flip Flops proben kann“. Über die Gründe, weshalb er hier am Haus gelandet sei, schwieg der das Betriebsklima offenkundig schätzende Schaller sich aus – sie seien ähnlich gewesen wie die, die Breschke einst bewogen, die Herkuleskeule zu verlassen und zusammen mit Schuch eine eigene Spielstätte zu gründen, ließ er lediglich durchblicken.

Selbstkritisch machte man sich Gedanken um das eigene Berufsbild. Ist der Kabarettist letztlich nur ein Narr, zu dem die Macht ihn macht, zumal die Macht nun mal keinen Spaß verstehe? Letztlich sucht Breschke Trost im Glauben, dass der „Blödmann“ gebraucht wird „in diesem, unserem Land“.

Manche Nummern der Abschiedsaufführung waren neu, die meisten erwiesen sich als bunter Querschnitt des Bühnenschaffens der letzten Jahre. Breschke verlieh Amadeus Oben vom Weißen Hirsch Gestalt und litt als Brunhilde Mömmerich unter der körperlichen wie geistigen Tattrigkeit ihres von Schuch gespielten Gatten Siegfried, dem 2002 bei der großen Flut „die Laube davongeschwommen“ war.

Es waren nicht zuletzt Rollen wie diese, die Kult wurden und vor allem in der alljährlichen Jahresendabrechnung, der „Striezelmarktwirtschaft“, das Salz in der Suppe waren. Lauthals belacht wurde auch jene Nummer, in der Schuch als „Erzbischof und Diplompäderast“ Gottlieb Knabenlieb das Priesteramt für Frauen „kathelogisch“ ausschließt, denn der Herr „bewahre uns vor dem Käßmann-Syndrom“. Nahezu, aber nicht gänzlich unpolitisch jene Szenen, in denen Breschke und Schuch Szenen aus der „Feuerzangenbowle“ durch- und die Dresdner Salon-Damen dazu aufspielten, darunter auch die aus seligen Ufa-Zeiten stammenden Zarah Leander-Klassiker „Nur nicht aus Liebe weinen“ und „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“.

Aber wie in vielen anderen vermeintlich harmlosen Nummern sind auch hier kleine Spitzen eingebaut, etwa wenn der Lehrer Professor Crey seinen „schröcklichen Schöler“ Pfeiffer „mit drei f“ wissen lässt: „Sollte jemals in Deutschland Schifffahrt mit drei f geschrieben werden, dann steht die deutsche Sprache vor dem Untergang!“

Von Christian Ruf

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