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Regional Der Jazz-Musiker Demian Kappenstein erzählt mit Schlagzeug und Bildern von seinen Weltreisen
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23:46 09.09.2015

Die ist nach diversen Stationen inzwischen im Festspielhaus Hellerau angekommen. Doch Demian Kappenstein ist unermüdlich unterwegs und hat seine musikalischen Fühler längst in aller Welt ausgestreckt. Dies soll nun Niederschlag in einem Dresden-Konzert finden.

Erst kürzlich kam der 1983 in nordrhein-westfälischer Provinz geborene Schlagzeuger von einer Reise nach Pakistan zurück, was in diesen Zeiten ein ziemlich waghalsiges Unternehmen gewesen sein dürfte. Doch Demian Kappenstein ist absolut fasziniert nach Deutschland zurückgekehrt: "Was wir aus den Medien erfahren, erschien mir plötzlich belanglos. Das Fernsehen ist viel zu klein für so ein Land, wo man an wirklich jedem Ort überrascht wird, sämtliche Vorurteile über Bord wirft und sich seine Meinung völlig neu bilden muss." Eindrücke von dieser und anderen Reisen, die er in den vergangenen Jahren durch Afrika und Asien unternahm, präsentiert Demian Kappenstein nun in einer Konzerttour, die ihn zunächst nach Berlin und Thüringen, dann auch nach Sachsen führen wird. Am Sonntag setzt er - vorerst - den Schlusspunkt unter seine ganz schlicht mit "WEIT" überschriebene Suite für Schlagzeug, Elektronik und Fotografie im Dresdner Societaetstheater.

In diesem "WEIT" dürfte dann sowohl geografisch als auch musikalisch ein Eindruck von Weite aus seinen Schöpfungen erklingen, eine Weite als Melange aus Erfahrenem, vor Ort Gehörtem und Empfundenem. Weite aber auch als Sehnsuchts- und Erlebnisort. Demian Kappenstein hat sie für sich gespürt, reflektiert und Kompositionen dazu verfasst. Gelebte Nähe zu fremden Kulturen klingt darin mit an, auch fruchtbarer Austausch und überall ein Willkommen.

Der unter anderen beim Dresdner Jazz-Urgestein Günter Baby Sommer ausgebildete Schlagzeuger ist wiederholt unterwegs gewesen. Auf Einladung von Goethe-Instituten und mit reichlich privatem Engagement kurvte Demian Kappenstein mal allein, mal mit hiesigen und mal auch mit einheimischen Mitstreitern quer durch Länder wie Äthiopien, Indien, den Libanon, Mozambik, Pakistan, Ruanda, Taiwan, die Türkei und Zimbabwe. Es ging ihm dabei nicht um Folklore, wie er gegenüber der DNN betont, er suchte - und fand - etwas ganz Anderes: "Hier und da klingt natürlich der besondere Rhythmus einer Region in meinem Instrumentarium mit an, ich habe versucht, eine Mixtur zu kreieren, die mein eigenes Empfinden und eine persönliche Sicht auf die jeweiligen Situationen vor Ort beinhaltet."

In seinen "WEIT"-Konzerten will der ohnehin für seinen Drang, mit so ziemlich allem Schlagzeug zu spielen, was interessant klingt, bekannte Musiker erstmals das Medium Fotografie verwenden. Die musikalische Reise wird allerdings höchst sparsam bebildert, denn aus ihr soll kein musikalischer Reisebericht werden, meint Demian Kappenstein. Unterwegs hat er viel fotografiert, wird aber nur eine kleine Auswahl auf einer Art Weltkugel präsentieren. Dazu gibt er kurze Erläuterungen, um den Blick auf Details zu lenken.

Er wurde oft gefragt, wieso er Schlagzeug mit Fundsachen spiele. "Wenn die Leute mein Sammelsurium auf der Bühne gesehen haben, waren sie erst einmal verwundert und überrascht. Aber im Gepäck hatte ich stets nur ein kleines Standardschlagzeug und war froh, vor Ort etwas von anderen Musikern ausleihen zu können." Gemeinsames Musizieren gehört bei seinem Unterwegssein ebenso dazu wie der künstlerische Austausch in Workshops. Auf Taiwan etwa hatte er durch eine Medienkünstlerin zwölf weitere Musiker kennengelernt, mit denen gemeinsam über Musik von Gustav Mahler improvisiert werden konnte. Allerdings hat ihnen der Taifun Nanmadol einen ziemlichen Strich durch die Rechnung gemacht: "Wir wollten ihm ausweichen und sind in den Süden der Insel gereist. Genau dahin kam dann aber auch der Taifun! Wir haben gestaunt, wie gelassen die Leute dort blieben."

Anderswo erlebte Kappenstein von Menschen gemachtes Übel, beispielsweise an der libanesischen Grenze zu Syrien: "Dort gab ich mit meiner Band Masaa ein Konzert. So wohlbehütet haben wir nirgendwo sonst gespielt." Auch in Afrika, in Ruanda vor allem, spürte der Musiker die "Gleichzeitigkeit von Leid, Heimtücke und ganz normalem Leben" als paradox: "Noch immer gibt es Nachwehen des Genozids - und doch wird dort Fußball gespielt und Musik gemacht wie fast überall auf der Welt."

In Istanbul wurde zeitgleich zu den brutalen Polizeieinsätzen auf dem Taksim-Platz musiziert. Solche Begegnungen haben Demian Kappenstein nachhaltig beeindruckt: "Hier ein Instrumentenbauer, da eine Puppenspielerfamilie, und immer wieder Musiker. Musik vermittelt sehr viel über ein Land", so das Resümee seiner Reisen, das nun im "WEIT"-Konzert nachzuhören ist.

Demian Kappenstein: "WEIT", Suite für Schlagzeug, Elektronik und Fotografie, Sonntag, 20 Uhr, Societaetstheater

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.04.2015

Aldo Lindhorst

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