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Regional Der Hamburger Lieder-Macher Nils Koppruch starb mit 46
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20:30 09.09.2015
Nils Koppruch

" Es sind Zeilen aus dem ersten Lied der ersten Platte von Fink. "Vogelbeobachtung im Winter" heißt sie, 1997 war das, die Hamburger Band begann zu fliegen. Nach ihrer Auflösung 2006 flog Frontmann Nils Koppruch einfach weiter. Natürlich flog er weiter. Künstler wie er können nicht anders. Bis sie nicht mehr können. Mittwochnacht ist Nils Koppruch gestorben. Er wurde nicht einmal 47 Jahre alt.

Durch und durch - mit diesem schlicht gedoppelten Wort kommt man Koppruch wohl am nächsten. Er war Lieder-Macher, Sänger, Texter und auch Maler durch und durch. Seine mit aller Sperrigkeit deutsch gesungenen Songs gingen durch und durch, weil sie innig sind mit ihrer schlaksig-schrulligen, lakonisch-wärmenden Sicht auf die Alltagsdinge, ihrem Mut zur spröden Schlichtheit. Es ging bei ihm durch und durch um Ferne und Nähe, um Zwangsfreiheiten und Beiläufigkeiten, für die es klare Sinne braucht. Koppruch hatte sie und schärfte sie bei uns. Mit seinen Liedern kommt man besser durch den Tag. "Der Tag, wenn ich krieg', was ich will, ist nah. Der Tag kommt näher mit jedem Tag. Und wenn's der nächste nicht ist, kommt er bestimmt mit der Zeit", sang er mit diskret lässigem Charme und Mühelosigkeit, die vom Mühemachen kommt.

"Sie woll'n uns erzähl'n, sie hätt'n eine Seele, sie woll'n uns glauben machen, es gäbe was zu lachen, und unsre Leidenschaft bleibt ihnen rätselhaft." Die Mittel waren tauglich für seine Musik, die er ohne Scham und Röte "meine eigene Volksmusik" nannte. Weil er wusste, was mit Volksmusik gemeint sein kann. Folk griff so kurz wie Country, nur weil vorwiegend Banjo, Lap-Steel, Mundharmonika, Dobro im Spiel waren. Mit Fink gab es sechs Platten, zwei Solo-CDs folgten, die dritte war Koppruchs Liaison mit Gisbert zu Knyphausen als Kid Kopphausen. Eine zweite Runde der Tour-Termine nach Veröffentlichung von "I" steht noch auf allen Websites. Der Schock lähmt allzu fixe Aktualisierungen - tröstlich, dass es so ist.

Nils Koppruchs künstlerische und Heimat des Herzens war Hamburg. Dort hatte er Frau, einen kleinen Sohn, die vielen Gleichgesinnten. Dort hinterlässt er eine tiefe Kerbe. Eine zweite Heimat hatte er aber immer unterwegs in den Clubs, von Anbeginn auch in Dresden. Der Schmerz sitzt hier genauso tief. Denn Nils Koppruch war von selten freundlicher Natur, anders als andere, die nicht einmal ein Hallo für den Kassenmann übrig haben. Zuletzt war er noch am 1. September da, im Societaetstheater beim Festival "Sound Of Bronkow", dem er schon vor zwei Jahren beim Aus-der-Taufe-Heben eine Handvoll Lieder schenkte.

"Als einer einmal nicht kam, auf den niemand gewartet hatte, saßen wir einfach nur da." Nils Koppruch kommt nicht mehr. Wir werden eine Weile lang einfach nur dasitzen und auf ihn warten. Bis wir es kapiert haben. Es ist viel zu früh für das hier: "Werft mich in einen Fluss, und wenn ihr Pech habt, hab ich Glück und komm mit einem Fisch im Maul zurück."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.10.2012

Andreas Körner

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