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Der Förderverein der Galerie Neue Meister bekommt zu seinem 20. Geburtstag eine Ausstellung

Der Förderverein der Galerie Neue Meister bekommt zu seinem 20. Geburtstag eine Ausstellung

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Barbara Bauer ist leicht verzweifelt, sie läuft zwischen Garten und Küche hin und her, es regnet in Strömen. Dabei hat sie sich soviel Mühe gegeben, die Tafel im Garten eingedeckt, mit Blumenstrauß, Kaffee, Schlagsahne und selbstgebackener Fruchttorte.

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Würde ohne den Förderverein der Galerie Neue Meister nicht in Dresden hängen: Luc Tuymans Bild "Der Architekt".

Quelle: E. Estel/H.-P. Klut © L. Tuymans

So ist das, wer zu einem Pressegespräch in den Garten einlädt, der muss damit rechnen, dass das Wetter einem einen Strich durch die Rechnung macht. Und alles ganz anders kommt. Kommt es auch. Das Fernsehteam ist da, verliebt sich in den Garten und behauptet, es tröpfelt nur noch. Barbara Bauer schaut skeptisch nach oben, dann taucht ihr Mann Axel auf und sagt: "Komm, für die Kunst tun wir alles. Fast alles jedenfalls und erst recht für die Gesellschaft für Moderne Kunst." Ihr Jubiläum ist ja auch der Anlass für die Einladung zu dieser Kaffeetafel.

Axel Bauer übertreibt nicht. Seine Frau und er sind das Aushängeschild für den Förderverein der Galerie Neue Meister, er als Vorsitzender, sie als Geschäftsführerin. Sie gründeten ihn mit Freunden vor 20 Jahren - am 9. September 1994 - gemeinsam mit dem damals neuen und 2013 in Ruhestand getretenen Direktor Ulrich Bischoff. " Mit einem Förderverein schnell und unabhängig vom täglichen Geschäft als Museumsdirektor arbeiten zu können, das ist ein Geschenk", meint er und erzählt davon, wie er bei einer Ausstellung in Berlin 1998 eine Arbeit des belgischen Künstlers Luc Tuymans kaufen wollte. "Das war nur mit Hilfe der kurzen Wege möglich, dazu brauchte ich eben keinen Haushaltsplan", erinnert er sich und sagt, leicht triumphierend: "Nur mit solch einer Gesellschaft im Rücken kann man solche Coups verwirklichen, wie den Ankauf des 'Architekten' von Luc Tuymans. Eine halbe Stunde später meldete sich die Nationalgalerie. Wir aber waren schneller, konnten die 40 000 D-Mark sofort zusagen. Deshalb hängt der 'Architekt' jetzt bei uns." Heute sei der Belgier, das sagt Bischoff auch noch, für ein Museum kaum noch bezahlbar. Für das Gemälde müsse man jetzt das Zwanzigfache hinlegen.

Die Gesellschaft kann mit weiteren großen Namen aufwarten: Candida Höfer, Rosemarie Trockel, Dan Graham, Maria Lassnig, David Clearbout, Johannes Kahrs oder auch Eberhard Havekost und Karl-Heinz Adler - um nur einige der 35 gesammelten Künstler mit ihren 45 Werken zu nennen. Viele dieser Künstler gehören heute zu den wichtigsten weltweit und sind in vielen großen Museen und Sammlungen vertreten. Axel Bauer sagt einschränkend, aber durchaus selbstbewusst: "Das versteht sich von selbst, dass wir als Gesellschaft nicht entscheiden, welcher Künstler angekauft wird oder nicht. Das nimmt sich bei uns keiner heraus, dem Direktor Vorschläge zu machen. Aber wir entscheiden eben manchmal auch, ob wir uns das Objekt der Begierde überhaupt leisten können oder wollen, ob es nicht doch viel zu teuer ist." Das Gemälde "KADUM" von Emil Schumacher ist solch ein Objekt. Innerhalb der Verhandlungen mit dem Galeristen stieg der Preis immer höher. Bei 250 000 D-Mark sagte Bauer im Namen der Gesellschaft traurig und wütend zugleich Nein.

Alle Werke werden der Galerie als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt, so dass dem Museum keine Kosten entstehen. "Sollte die Gesellschaft einmal aufgelöst werden, fällt ihr Eigentum an das Museum", erklärt Barbara Bauer. Das Geld kommt aus den Beiträgen und Spenden der 114 Mitglieder und von Sponsoren. "Wir sind gut gemischt in unserem Förderverein, was das Alter angeht oder die Berufe", erklärt sie weiter: "Die meisten Mitglieder sind natürlich Dresdner, etliche wohnen auch in München, Hamburg und Berlin. Wir alle aber sind kunstbegeistert und wollen die Gegenwartskunst im Albertinum voranbringen."

Ganz in der Tradition des legendären Patronatsvereins, der die Dresdner Gemäldegalerie nach dem Ersten Weltkrieg bei der Erwerbung moderner Bilder maßgeblich unterstützte. "Natürlich können wir", so Axel Bauer, "mit unserem bürgerschaftlichen Engagement die durch Krieg und DDR-Zeit bedingten Lücken in der Sammlung nicht füllen. Wir können die Verluste nicht nachkaufen. Das ist schlichtweg unmöglich, hier gibt es keine reichen Industriellen wie im Ruhrgebiet, die man bitten kann. Aber wir können wenigsten versuchen, die Wunden zu heilen. Und dafür Sorge zu tragen, dass Dresden mit seiner modernen Kunst in aller Munde ist."

Vorerst aber muss die leckere Torte aufgegessen werden. Der Sekt wartet auch schon. Die Gesellschaft für Moderne Kunst hat eben was zu feiern. Die 20 Jahre und die Jubiläumsausstellung im Lipsiusbau dazu. Am 29. August wird die Ausstellung mit dem sperrigen Titel "Architekt. Busdriver. Zwei Brücken" eröffnet. Den 'Architekt' von Luc Tuymans und den 'Busdriver' von Ronald de Bloeme wird man in der Ausstellungshalle etwas suchen müssen, die "Zwei Brücken" dagegen werden sofort ins Auge fallen. An dieser riesigen Holzkonstruktion von Olaf Holzapfel kommt niemand vorbei. Diese Arbeit ist eine neue Erwerbung der Gesellschaft, genauer gesagt ist sie ein Geschenk der Familie Bauer. Das aber sagen sie erst auf Nachfrage, etwas verlegen: "Wir freuen uns einfach, dass wir seit 20 Jahren dieses wunderbare Museum begleiten konnten", sagt die Gastgeberin und ihr Mann ergänzt: Die Arbeit in der Gesellschaft hat auch unser Leben bereichert. Dafür kann man doch Danke sagen, nicht wahr?"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.08.2014

Amelie Clemens

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