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Der Fluch des Trockenfutters: "Toutou" in der Dresdner Comödie

Der Fluch des Trockenfutters: "Toutou" in der Dresdner Comödie

Wo isser denn? Weg isser, der Hund nämlich. Weggelaufen, geflohen, ausgebüxt, trotz der allumfassenden Liebe von Herrchen und Frauchen. Dabei ist Paris ein äußerst gefährliches Pflaster für allein umherstreunende Promenadenmischungen.

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"Toutou" mit Winfried Glatzeder, Robert Glatzeder und Ursula Staack (v.r.)

Quelle: Robert Jentzsch

Doch die Flucht des kleinen Toutou löst mehr aus als Ratlosigkeit und Trauer. Der Hund war Beziehungskitt. Seine Abwesenheit führt seine beiden Besitzer fast folgerichtig an den Abgrund des Abschieds. Und trotzdem wird gleichzeitig eine Komödie daraus.

Als Alex (Winfried Glatzeder) gleich zu Beginn im Mantel die Wohnung betritt und die Leine ohne Hund präsentiert, braucht es keine lange Vorbereitung, um mit Gattin Chloé (Ursula Staack) in den verbalen Nahkampf überzugehen. Während sie die Suchanzeige schreibt, die er noch unten an die Eingangstür des Hauses kleben soll, führen die kleinen Fragen (war Toutou nun grau oder goldfarben?) schnell zu größeren Vorwürfen ("Er ist weggelaufen, weil Du ihn bestraft hast", werfen sich Alex und Chloé gegenseitig vor). Die ganz großen Themen wie das, ob der Hund indirekt Schuld am Niedergang ihrer Beziehung ist, kommen schließlich ins Spiel, als spätabends noch unangemeldet ein Freund, Pavel (Robert Glatzeder), auf der Matte steht.

Denn das Paar ist zu diesem Zeitpunkt in Sachen Auseinandersetzung schon lange auf Betriebstemperatur. Das übersieht Pavel, der einen verlorenen Wohnungsschlüssel als Vorwand für sein nächtliches Auftauchen ins Feld führt. Erst als sich Alex und Chloé in Sachen Hund gegen ihn, den hundelosen Eindringling, zusammentun und ihm en detail seine Aversionen gegen Toutou auflisten, wird's Pavel zu viel - und er schießt aus allen Rohren zurück. Wie Toutou den Kopf unter den Rock von Pavels Freundin Wanda steckte, wie er Pavels Hose begatten wollte, wie er unter dem Tisch liegend furzte (hier weiß das Paar den Grund und echot: "Das Trockenfutter!") und Alex und Chloé daraufhin so taten, als sei es einer der Gäste gewesen - all das schleudert Pavel raus. Und fügt einen Satz an, der in diesem Kontext Fallbeilcharakter hat: "Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund. Sonst gar nichts."

Natürlich geht es um Toutou - und um wesentlich mehr. Jeder Wald-und-Wiesen-Psychologe vermutet hier zu recht eine satte Ersatzdiskussion. Spätestens als Alex einräumt, Toutou sei auf und davon, als sich Herrchen in angeregter Unterhaltung mit der Nachbarin (selbstredend auch eine Hundehalterin) befand, geht's ans Eingemachte. Alex ringt sich zu dem Satz durch, lieber in einer Beziehung zu sein, in der etwas passiere, als in einer, in der nichts passiere. Das reicht Chloé, sie will weg. Doch was wäre eine Komödie ohne Happy End für alle Beteiligten? Den Hund ausdrücklich eingeschlossen.

Der Auftakt verläuft in der Dresdner Comödie, trotz des sofort vorhandenen Konfliktpotenzials, noch schleppend. Vor allem Ursula Staack muss erst ins Spiel finden, sie wird im zweiten Teil besser, wenn sie Chloé durchaus furienhaft geben darf. Winfried Glatzeder dagegen beim Leiden zuzusehen, macht im Verlauf des Abends immer mehr Freude. Wenn er beim Abwenden des Blicks die Augen rollt, die Hände nervös knetet oder sich kurzentschlossen ein Glas hinter die Binde kippt, das er in jenem Augenblick unbedingt gebraucht hat, wird klar, dass hier einer am Werk ist, der in Komödien zu Hause ist. Die größte Überraschung aber ist Robert Glatzeder als Pavel. Er sorgt für den zunehmenden Energiehaushalt auf der Bühne.

Das Stück, geschrieben von dem französischen Pärchen Daniel Besse und Agnès Tutenuit, ist besonders auf deutschsprachigen Bühnen derzeit ein Renner. Winfried Glatzeder spielte den Alex schon im Theater an der Kö in Düsseldorf und in der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin, am Ernst Deutsch Theater in Hamburg wird er es ab Frühjahr 2014 tun. Das Team von Regie (Ute Willing) und Bühne (Tom Grasshof), das auch in der Comödie verantwortlich zeichnete, ist an allen anderen genannten Orten ebenfalls für die Inszenierung zuständig.

Die genaue Aufführungsgeschichte aber ist eher unübersichtlich. Die Uraufführung im Pariser Théatre Hebertot wird auf den Januar 2011 datiert. Doch bereits ab September 2009 wurde "Toutou" offenbar im Fritz Rémond Theater im Zoo in Frankfurt/Main gezeigt.

Eins aber liegt offen zutage: Das Stück wird sicher auch wegen seines überschaubaren Personalaufwandes und des unkomplizierten Bühnenbildes besonders gern an Privattheatern gegeben. Nichtsdestotrotz muss unterstrichen werden: Es ist auch eine gut funktionierende Komödie. Dass ihr Titel Toutou (Wauwau) kaum infantiler sein könnte, fällt da nicht mehr ins Gewicht.

Heftiger Premierenapplaus jedenfalls. Diese Inszenierung wird ihr Publikum finden.

Nächste Vorstellungen: Di-Fr, jeweils 19.30 Uhr, So 18 Uhr

www.comoedie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.10.2013

Torsten Klaus

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