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Der Dresdner Maler und Zeichner Stefan Plenkers wird heute 70

Der Dresdner Maler und Zeichner Stefan Plenkers wird heute 70

Die Vita gleicht einem Decrescendo, das einem Punkt des Innehaltens zustrebt, einer harmonischen Teilung im Lebenslauf, der von diesem Punkt aus noch einmal neu und anders zu besichtigen ist.

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Stefan Plenkers im Atelier.

Quelle: Tomas Petzold

Bei Stefan Plenkers, der heute seinen 70. Geburtstag in einem immer noch und wieder großen Freundeskreis feiern kann, wird das besonders auffällig im Zusammenhang mit einer Würdigung, die ihm vor vier Jahren durch eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Dresden zuteil wurde.

Auf den ersten Blick eine Retrospektive, setzte sie auf den zweiten doch recht deutliche Schwerpunkte, zum einen mit den meist expressiven Gemälden und Zeichnungen der achtziger Jahre, zum anderen mit den Porträtzeichnungen aus dem ersten Dezennium nach der Jahrtausendwende, dem gewählten Motto "Raum und Zeichen" eigentlich nur bedingt gerecht werdend. Denn das Zeichen trat als die Bildstruktur bestimmendes Element erst später in Erscheinung. Sicherlich als Folge der ersten China-Erfahrung im Jahre 1988, verstärkt aber nach dem persönlichen Einschnitt ein Jahr danach, der das Arbeiten von Plenkers viel stärker als die politische Wende bis heute bestimmt und mittlerweile auch deutlicher einschränkt.

Welche Zäsur der schwere Unfall im Herbst 1989 bedeutete, ist kein Geheimnis, auch dank des Katalogs der erwähnten Ausstellung, der zu sehr vielen auch privaten biografischen Details Auskunft gibt. Für den Künstler begann danach das Leben wie neu; mit unbändigem Schaffensdrang und neuer Spielfreude gelang es ihm, an Früheres anzuknüpfen, ohne eine gewisse transzendentale Erfahrung zu verleugnen. Der heutige Rektor der Dresdner Kunsthochschule Matthias Flügge spricht von einer Tendenz zum Ornamentalen, die Plenkers' seither eher flächigen Kompositionen innewohnt. Oft sind es einfache Akkorde, außer Schwarz und stehen gelassenem Weiß nicht mehr als drei Töne, pastellartige Lokalfarben, die meditativ zusammenklingen. Die Bildelemente stehen in gestischen Schwüngen, auch gebrochen flächig nebeneinander, wobei nie das chinesischen Namenszeichen des Künstlers fehlen darf, gern als schwebendes Wesen unter der Mondsichel und gezackten Sternen und selten ohne Verweis auf die Faszination des ewig Weiblichen, das aber gewissermaßen nur als Chiffre auftritt.

Schwarze Phase, rote Phase

Plenkers selbst spricht von der wachsenden Bedeutung des Kalligraphischen, die vom erlernten Beruf des Schriftsetzers ausging und natürlich durch die mittlerweile mehrfachen China-Reisen beflügelt und bestätigt wurde. Bis hin zu einem großen, schon greifbar nahen Ausstellungsprojekt, das mit Hilfe eines Sponsors demnächst in Shanghai verwirklicht werden soll. Für Beiträge im Katalog wurden Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Matthias Flügge und Harald Marx gewonnen. Unter den dafür bereits ausgewählten Bildern sind etliche zeichenhaft-gestische, die erst in den letzten Jahren entstanden sind. Ob es zu der Ausstellung kommt, wird man erst wissen, wenn es so weit ist,

Bezüglich der jüngsten Vergangenheit spricht Plenkers von einer schwarzen und einer roten Phase. Eine Feststellung im Nachhinein, wie er betont, denn die Entstehung beruhe nicht auf einem bewussten Vorsatz. Die schwarze Phase ergab sich aus der Sichtung großer Bilder vornehmlich der 90er Jahre, von denen dem Künstler einige nicht mehr genügten, so dass er Hand anlegte mit expressiven Übermalungen, wodurch die Werke einen völlig neuen Charakter, in doppeltem Sinne eine faszinierende Tiefe erhielten. In der roten Phase entstanden, ebenso unerwartet, völlig neue Bilder, in einem ungewohnt intensiven, fast bis ins Informelle reichenden malerischen Duktus. Das etwas kleinere Format ist den körperlichen Möglichkeiten des Künstlers geschuldet, der es eigentlich am liebsten monumental mag, so groß, dass eigentlich kein Mensch solche Bilder zu Hause aufhängen kann. Plenkers' Lebenselixier ist das Zeichnen, am liebsten unterwegs oder in der Kneipe, auf mitgebrachten Zetteln oder vorgefundenen Papieren... Im Atelier entstehen dann durch Überarbeitung Miniaturen, die oft Versprechen großartiger Gemälde sein könnten - von Abenteuern freilich, die sich der Maler nicht mehr recht zutraut.

Auf einem reinen Schriftblatt hat Plenkers etwas hintersinnig Thomas von Aquin zitiert. "Das Spiel ist notwendig zur Führung eines menschlichen Lebens", was für ihn freilich nicht bedeutet, dass rein spielerische Entstandenes für ihn den gleichen Rang hat wie die Arbeit an großen Gemälden, in denen er den Geheimnissen und Rätseln des Lebens nachspürt. Zahllose Utensilien hat Plenkers mit den Jahren in einer an Popart erinnernden Manier bemalt, von Badewannen über Möbel, sehr gern Spiegel und chinesische Fächer, sogar Einkaufstüten. Noch gewichtiger erscheinen mir Übermalungen ganz anderer Art, nämlich von Fotografien. Das ergäbe noch einmal eine ganz andere Retrospektive, die dann natürlich wiederum den "Realisten" Plenkers einschließen müsste, der sich ja in einem Zeitraum von mehr als 20 Jahren wie nebenbei auch als begnadeter, stilistisch vielseitiger Porträtist erwiesen hat.

Erst alles zusammen ergibt ein vollständiges Bild, aber der Künstler sieht die fragmentarische Wahrnehmung eher gelassen. In der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist Plenkers offenbar nur deshalb präsent, weil die Gesellschaft für Moderne Kunst vor einigen Jahren immerhin den "Trinker" erworben hat, ein frühes Schlüsselwerk von 1980, in dem man heute vielleicht nur noch die Melancholie und Einsamkeit erkennt, weniger das unbeirrt Eigenständige, das sich um vorgegebene Ideale oder Normen nicht schert. Für Plenkers gilt das im Grunde heute wie damals, aber die Konformität zum Kunstmarkt ist eine andere Kategorie. Er betont, dass er immer nur aus Lust und Liebe gearbeitet hat, nie im Auftrag und nicht des Ruhmes und des Geldes wegen, dessen Rolle für ihn glücklicherweise nicht so "dermaßen wichtig" ist wie für viele Kollegen. Schließlich beziehe er "eine Art Invalidenrente und kann davon leben, auch wenn ich mal drei Jahre nichts verkaufe".

Zusammenhalt war einst stärker

Was als Annahme erstmal ziemlich unglaublich klingt und dann ebenso traurig macht wie die Feststellung, dass es früher unter den Künstlern viel mehr echten Zusammenhalt gegeben hat, damals, als man sich noch gegen die Eingriffe der Politik in die Kunst wehren musste. Da wurde noch jede Ausstellungseröffnung ein Künstlerfest, bei dem man sich auch mal die Köpfe heißredete - und ein wenig wird wohl die heutige Feier daran erinnern.

Die Galerie Berlin (Charlottenburg) würdigt Stefan Plenkers bis 6. Juni mit einer Ausstellung von Malerei und Objekten.

Stefan Plenkers, Raum und Zeichen, Katalog Städtische Galerie Dresden, Kerber Verlag, ISBN 978-3-86678-532-8, 28,90 Euro

Tomas Petzold

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