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Der Dresdner Geiger und Professor Reinhard Ulbricht ist mit 90 Jahren gestorben

Ein Leben für die Musik Der Dresdner Geiger und Professor Reinhard Ulbricht ist mit 90 Jahren gestorben

Der Dresdner Geiger und Professor Reinhard Ulbricht ist tot. Er starb am 11. Januar im Alter von 90 Jahren. Ulbricht war bis 1996 Konzertmeister der zweiten Geigen der Staatskapelle Dresden und 52 Jahre bis 2010 hoch geachteter Lehrer an der Dresdner Musikhochschule.

Reinhard Ulbricht

Quelle: Matthias Creutziger

Dresden. Der Spruch von einem „Leben im Dienste der Musik“ ist ein (allzu) oft gesagter, und doch, wenn es auf einen Menschen wirklich zutrifft, dann auf Reinhard Ulbricht. Der charismatische Geiger war 49 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand 1996 Mitglied der Staatskapelle Dresden sowie 52 Jahre Lehrkraft für Violine an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, und diese Kontinuität und Nachhaltigkeit seines Wirkens bekräftigen auf beeindruckende Weise, dass Reinhard Ulbricht wahrlich für die Musik lebte. Nun haben Leben und Wirken ein Ende genommen, in seinem 91. Lebensjahr ist er am 11. Januar gestorben.

Er war ein viel Geehrter und viel Geachteter. Bewundert und als Mentor empfunden von seinen Schülern, geachtet von seinen Kollegen im Orchester und den verschiedenen Kammermusikensembles, in denen er spielte, gefragt als hervorragender und erfahrener Geiger und Pädagoge und als Mensch, der tätig Anteil nahm an den kulturpolitischen Entwicklungen Dresdens und darüber hinaus. Es sind Musiker vom Format, der Noblesse und den künstlerischen Ansprüchen eines Reinhard Ulbricht, durch deren Wirken und Verantwortung fürs Ganze die Qualität und der Rang eines Orchesters über Generationen weitergetragen werden können.

1947 kam der gebürtige Dresdner nach einem knappen Jahr bei der Philharmonie zur Staatskapelle und wechselte einige Jahre später von den ersten Violinen ans Pult des Konzertmeisters der zweiten. Untrennbar ist sein Name verbunden mit dem Kammermusikleben Dresdens: Er gründete mit Immanuel Lucchesi ein Dresdner Kammerorchester und war Mitglied der Dresdner Kammersolisten und des Dresdner Klavierquartettes. Von 1958 bis 2010 gab Reinhard Ulbricht an der Musikhochschule sein Wissen an die Nachkommenden weiter. „Sein Wirken als Lehrer war legendär“, schreibt die Hochschule in ihrem Nachruf für ihn. Die große Zahl seiner ehemaligen Schüler an den Pulten der Staatskapelle und in anderen Spitzenorchestern ebenso wie in Hoch- und Musikschulen zeige eindrücklich den Erfolg seiner pädagogischen Arbeit.

„In seinem Unterricht entstand stets eine ganz persönliche, produktive und von Gleichberechtigung geprägte Arbeitsatmosphäre. Er gab seinen Schülern sein Können, seine Erfahrungen und die Liebe zur Musik weiter und vermittelte dabei sehr viel Selbstvertrauen, aber auch Bescheidenheit und künstlerische Kritikfähigkeit, Eigenschaften, die ebenso sein Leben prägten“, heißt es weiter. Ehrungen unterstrichen die Anerkennung, die Ulbricht für sein Wirken zuteil wurden: 1986 Honorarprofessor, 1992 Ehrensenator der Hochschule, 1995 Ehrenmitglied der Sächsischen Staatskapelle.

Auch Friedwart Christian Dittmann, Solocellist der Sächsischen Staatskapelle Dresden, erinnert sich mit hoher Achtung und Dankbarkeit an Reinhard Ulbricht: „Er war als Kollege für mich einer der herausragenden Vertreter der älteren Generation, die ihr ganzes musikalisches Leben im Orchester zentriert sahen und sich aus diesem heraus kammermusikalische und andere Betätigungsfelder erschlossen. Und er interessierte sich immer für die jüngeren Musikergenerationen und förderte deren Entwicklung.“ Auch noch lange nach dem Ausscheiden aus dem Orchester hat Reinhard Ulbricht weiter gearbeitet und war zudem regelmäßiger und wacher Besucher der Konzerte. „Der bewundernde Blick auf das Musikerleben unseres Kollegen und Ehrenmitglieds zeigt in geradezu einmaliger Weise das Wirken einer Persönlichkeit, die über Jahrzehnte die Geschicke des Orchesters entscheidend mitgestaltet hat“, unterstreicht Friedwart Christian Dittmann. „Durch den Verlust einer solchen Persönlichkeit entsteht eine große Lücke!“

Die Beerdigung findet am 9. Februar 2018, 14 Uhr auf dem Trinitatisfriedhof Dresden, Fiedlerstraße 1, statt.

Von Kerstin Leiße

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