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Nachrichten Kultur Regional Der Club Passage in Gorbitz ist mehr als nur ein Kulturort und hat einen neuen Leiter
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14:30 27.10.2018
Jan Albrecht leitet seit Anfang Oktober die Geschicke im Club Passage. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Gorbitz und Prohlis werden in Dresden oft in einem Atemzug genannt, meist aber in abwertendem Kontext. Sie gelten als die Schmuddelkinder unter den Stadtteilen. Es sind Orte, wo soziokulturelle Zentren gebraucht werden. Doch Gorbitz, um bei dem Beispiel zu bleiben, hat streng genommen keins. Dafür hat es aber den Club Passage, der unter dem Dach der Jugendkunstschule Dresden (JKS) längst die Aufgaben eines soziokulturellen Zentrums übernommen hat und auch erfüllt – im Rahmen seiner räumlichen und personellen Möglichkeiten.

Der Club Passage, seit 2005 in Allianz mit der JKS, ist der kulturelle Anker für die gut 20 000 Gorbitzer. „Aber nicht nur für die“, fügt JKS-Chefin Heike Heinze sofort an. Sie setzt auf Kontinuität und Ausbau der Aktivitäten vor Ort – und hat mit Jan Albrecht ein wichtiges Argument dafür an ihrer Seite. Der 30-Jährige ist seit Anfang Oktober neuer Clubchef und trägt gleich seine Eindrücke und Pläne vor. Er sehe „eine Lücke im Publikum“, sowohl die 25- bis 40-Jährigen als auch die Rentner seien zu schwach vertreten. Dort will Albrecht unter anderem ansetzen. Derzeit arbeite er ein neues Konzept für den Club Passage aus, das ab Januar 2019 greifen soll. Das Konzertangebot des Clubs will er fortführen. Albrecht verspricht außerdem eine stärkere Beteiligung am Westhangfest (16. Juni 2019) und mehr künstlerische Angebote im öffentlichen Raum. Auch Migranten will er besser einbinden.

Renovierung muss sein

Einer dieser Räume ist der Amalie-Dietrich-Platz vor der Club-Haustür, der jüngst vor allem durch Polizeimeldungen ins Rampenlicht geriet. Dabei werde die Situation dort im Viertel gar nicht als so schwierig gesehen, sagt Albrecht mit Verweis auf ein kürzlich erfolgtes Treffen mit anderen Aktiven im Viertel, von der Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft (EWG) bis zum Omse e.V. Auch den Dietrich-Platz will er künftig „positiver bespielen“.

Dass die AfD bei der Bundestagswahl 2017 ihre höchsten Zweitstimmenanteile im Stadtgebiet in Gorbitz errang, sei an dieser Stelle noch eingefügt. Auch, dass dort überdurchschnittlich viele Migranten untergebracht sind, im Vergleich zu anderen Stadtteilen. Und dass trotz boomender Stadt in Gorbitz – ebenso wie in Prohlis – die Arbeitslosenzahlen am höchsten liegen. Bessere schlechte Gründe für soziokulturelle Stadtteilarbeit dürften schwer zu finden sein.

Dafür aber braucht es Kapazität. Heinze ist deshalb froh, dass möglicherweise „noch vor Weihnachten“ eine weitere ausgeschriebene Stelle im Club besetzt werden kann. Und Albrecht lässt wissen, dass er noch einen Bundesfreiwilligendienstler und ehrenamtliche Mitarbeiter für die Klubarbeit brauche. Außerdem suche man gemeinsam mit der EWG in der Umgebung auch nach weiteren nutzbaren Räumen. Die Passage selbst hat unterdessen Renovierungen mehr als nötig. Seit vier Jahren sei von Amtsseite die Erneuerung von Türen und Fenstern ausgeschrieben – erfolglos. Und für Veranstaltungen im Sommer sei eine Klimatruhe, eine Art kleine Klimaanlage, eigentlich unerlässlich. „Schwierig“, so apostrophiert Heinze diese Misslichkeiten.

Aushängeschild im Dresdner Festivalreigen: das Dresdner Gitarrenfest

Was für den Club Passage gilt, lässt sich ähnlich auch für die gesamte JKS konstatieren: Man stößt an Grenzen. „Wir haben nicht mehr Personal als 2003, machen aber fast doppelt so viele Angebote wie damals“, rechnet Heinze vor. Von den gut 33 000 Besuchern 2017 waren etwa 9000 Kinder und Jugendliche. Rund 130 000 Euro erhalte die JKS als Personalkosten von der Stadt, etwa 300 000 Euro erwirtschafte sie selbst, sagt die Chefin. Wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätte, würde sie das auch und vor allem in die Zusammenarbeit mit freiberuflichen Künstlern stecken, damit deren Arbeits- und Auftrittsmöglichkeiten „auskömmlich sind“. Außerdem regt Heinze an, kulturelle Angebote in der Stadt für Kinder generell kostenfrei zu lassen – das würde die Kinder aus Familien, die sich bestimmte Kurse oder Offerten eben nicht leisten können, „nicht mehr stigmatisieren“.

Leisten wollen sich dagegen JKS und Club Passage weiterhin ein Aushängeschild im Dresdner Festivalreigen: das Dresdner Gitarrenfest. Am 16. und 17. November geht im Kulturrathaus die 25. Ausgabe über die Bühne. Detlef Bunk – Gitarrist, Organisator, Club-Urgestein – bietet dann wieder unter anderem The International Guitar Night an. Für 2019 wird es einen neuen Termin des Festivals geben: das letzte März-Wochenende. Die zeitliche Überschneidung mit den Jazztagen im November hat der Veranstaltung einfach nicht gut getan. Im März wird das Gitarrenfest dann im Club Passage stattfinden, weil im Kulturrathaus gebaut wird. Und wer am 8. Dezember Zeit und Lust hat, der sollte seine Schritte gen Gorbitz lenken. Am Todestag John Lennons wird dort mit viel Musik des Beatle gedacht.

www.club-passage.de

Von Torsten Klaus

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