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Regional Den Aufführungsabend der Staatskapelle Dresden in der Semperoper leitete der israelische Dirigent Lahav Shani
Nachrichten Kultur Regional Den Aufführungsabend der Staatskapelle Dresden in der Semperoper leitete der israelische Dirigent Lahav Shani
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17:24 09.07.2017
Solooboist Bernd Schober, der israelische Gastdirigent Lahav Shani und die Staatskapelle Dresden im letzten Aufführungsabend der Saison in der Semperoper. Quelle: Matthias Creutziger


Für das Programm hatte die Kapelle tief und beherzt in die Raritätenkisten gegriffen: Samuel Barber ist hier selten zu hören, Kurt Weills 2. Sinfonie noch seltener. Andererseits blieb die Staatskapelle sich und ihren Traditionen treu: Es ist immer wieder Sitte, für die Aufführungsabende junge, aufstrebende Dirigenten einzuladen, und ebenso, Kollegen die Gelegenheit zu geben, solistisch zu brillieren.

Der israelische Dirigent Lahav Shani ist noch keine dreißig Jahre alt, studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin, hatte u.a. Daniel Barenboim als Mentor, gewann 2013 den Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb und kann auf die Zusammenarbeit mit etlichen, international bedeutenden Orchestern (z.B. Wiener Philharmoniker) verweisen. 2018 wird er in Nachfolge für Yannick Nézet-Séguin als jüngster Chefdirigent die Rotterdamer Philharmoniker übernehmen. Wenn man den jungen Mann mit der großen dirigentischen Ausstrahlung hier in Dresden erlebt hat, kann man die Rotterdamer zu ihrer Wahl nur beglückwünschen. Immer vermittelt Lahav Shani den Eindruck, sehr genau zu wissen, was er will. Seine Körpersprache ist prägnant, ohne übertrieben vordergründig zu wirken.

In dem 1938 entstandenen Adagio für Streichorchester von Samuel Barber reichen sich barocke Tonsprache und romantisches Flair sozusagen die Hand. In geradezu berückender Schönheit ließ Lahav Shani hier den ununterbrochenen Kompositionsfluss entstehen und strömen, ganz dem besonders schlanken, biegsamen Klang der Kapellstreicher um Federico Kasik vertrauend.

Etwa vier Jahre vor Barber erfolgte in Amsterdam die Uraufführung von Kurt Weills 2. Symphonie. Dieser hatte sie noch in Berlin nach dem Ende seiner Zusammenarbeit mit Brecht begonnen, sicher auch in Folge der Auseinandersetzung der beiden um das Verhältnis von Text und Musik. Sie erscheint wie ein Kaleidoskop, das Elemente sentimentaler Rückbesinnung an die eigenen, musikalischen Quellen, aber auch an die Schlager der Berliner Zeit und des Broadway enthält, ist kantig und holzschnittartig wie Strawinsky, rhythmisch mitreißend, strotzt vor der Fülle der Farben, huscht wohl auch in unwirklichen Schemen (1. Satz) vorüber. Mit Temperament und Verve nahmen sich Orchester und Lahav Shani des Stückes an, mit hörbarer Begeisterung auf allen Seiten. Und natürlich nutzten die Musiker die Chance attraktiver, solistischer Passagen, die Weill beispielsweise für Trompete (Mathias Schmutzler) und Cello (Friedwart Christian Dittmann) geschrieben hat. Fulminant „alla marcia“ ging die Sinfonie zu Ende, einen wahren Beifallssturm auslösend.

In der Mitte des Konzertes kam das A-Dur-Konzert von Bach in der Version für Oboe d‘amore (BWV 1055R) zu Gehör – mit dem Solooboisten der Kapelle, Bernd Schober, federnd im Ton, ausdrucksstark bis ins letzte Detail. Schober faszinierte mit dem sehr warmen, nuancenreichen Wohlklang seines Instrumentes. Seine Orchesterkollegen und Dirigent Lahav Shani gingen mit ihm eine höchst inspirierende, dynamisch fein differenzierte Partnerschaft ein – eine Wiedergabe von beeindruckender Geschlossenheit.

Von Mareile Hanns

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