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Regional Dem Erbe verpflichtet - Zum Tode des Dresdner Bildhauers Egmar Ponndorf
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23:43 09.09.2015

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Noch vor seinem 85. Geburtstag wollte ich ihn besuchen, war ich doch im Botanischen Garten auf eine von ihm geschaffene Plastik aufmerksam geworden. Gleichzeitig war ich bereits durch eine Recherche über Künstler der Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau (heute Kunst+Bau) mit seiner Kunst in Berührung gekommen. Leider war er im vergangenen Jahr schon sehr krank. Der aufmerksame Dresden-Besucher und interessierte Einheimische wird an vielen sensiblen Stellen der Stadt an ihn und seine Kunst erinnert, darunter besonders das Lenné-Denkmal am Lenné-Platz am Großen Garten (1989), das mittlere Sandsteinrelief "Altendresden um 1700" im Fußgängertunnel am Neustädter Markt (1977), sowie der "Märchenbrunnen" an der Gorbitzer Höhenpromenade (1987). Auch außerhalb von Dresden finden sich eindrucksvolle Denkmale, Brunnen und Skulpturen, wie in Cottbus, Radebeul und Schwedt.

Egmar Ponndorf wurde am 1. Oktober 1929 in Dresden geboren. Von 1946 bis 1948 erlernte er das Handwerk eines Steinbildhauers bei Werner Hempel und legte 1956 die Meisterprüfung ab. Zwischen 1946 und 1960 war er unter seinem Lehrmeister in der Denkmalpflege tätig, half beim Wiederaufbau des Zwingers. Gleichzeitig hospitierte er von 1952 bis 1955 an der HfBK Dresden bei Walter Arnold. Ab 1960 arbeitete Ponndorf als freischaffender Bildhauer und Restaurator. Von 1960 bis 2000 war er Mitglied der Dresdner PGH "Kunst am Bau". Von 1964 bis 1966 hatte er einen Lehrauftrag an der HfBK Dresden, Abteilung Plastik, inne. Ab 1956 gehörte der Künstler dem Verband Bildender Künstler der DDR an, wurde 1990 Mitglied im Sächsischen Künstlerbund. Ab 1991 leitete er die bildhauerischen Arbeiten bei der Sanierung des Dresdner Residenzschlosses.

Hervorzuheben ist auch Egmar Ponndorfs Liebe zu den sächsischen Bergen, die 1941 auf einer dreitägigen Wanderung mit Vater und Großvater durch das Elbsandsteingebirge erwachte. Fünf Jahre später bestieg Ponndorf dort seinen ersten Klettergipfel, die "Kleine Gans". In den 50er Jahren kletterte er in der Sächsischen Schweiz und dreimal in den Alpen. Beim Klettern lernte er auch seine Ehefrau Brigitta kennen, die wie er eine begeisterte Sportlerin war. Bis Anfang der 90er Jahre war er in Kletterseilschaften aktiv. Das intensive Erlebnis der Bergwelt hat ihn auch künstlerisch inspiriert, wie so viele Bildhauer, denen die bizarren Berge Anregung waren.

Mit seinen Kollegen Karl-Heinz Adler, Dieter Graupner, Friedrich Kracht, Johannes Peschel, Siegfried Schade, Bärbel Schulz, Rudolf Sitte, Vinzenz Wanitschke und Wolff-U. Weder von "Kunst am Bau" war er über viele Jahre auch durch gemeinsame Projekte und Arbeiten verbunden. Dabei ist der denkmalerische Aspekt seines Schaffens nicht genug zu würdigen, der von einem hohen Ethos auch den Altvorderen gegenüber getragen war. Als Plastiker und Bildhauer in Bronze und Stein schuf er immer wieder Variationen, wie die Bronze "Kleine Liegende" (1976), die im Steinguss einer Große Liegenden im Botanischen Garten (1985) eine etwas veränderte Wiederholung erfährt. Seine realistischen Arbeiten atmen eine besondere Anmut und Poesie besonders in seinem kompakten weiblichen Akt und der Figur. Als Reliefkünstler leistet er Beachtliches gerade bei der Aufarbeitung Dresdner und sächsischer Geschichte. 1973 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Halle, 1974 den Kunstpreis des FDGB. In diesem Jahr wurde eine Kletterroute in der SBB-Kletterhalle auf Betreiben von Bergfreunden nach ihm zum "Egmar-Ponndorf-Gedächtnisweg" ernannt. Zweimal in der Woche können im Park der Genossenschaft zwei Plastiken von Egmar Ponndorf, "Arbeiter" und "Liegende", besichtigt werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.02.2015

Heinz Weißflog

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