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Regional Deichkind lassen Dresdner Elbufer erbeben
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08:46 29.07.2017
Zig verschiedene Kostüme gehören bei Deichkind dazu. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Am Ende der Show steht das Unvermeidliche, der „Kindergeburtstag für Erwachsene“, der visuelle Overkill, das ausrasten der Menge: „Yippieh Yipieh Yeah, Krawall und Remmidemmi“ schleudern Deichkind dem Publikum – samt Unmengen von Federn – entgegen, das rastet noch einmal geschlossen aus. Es ist der Höhepunkt eines routinierten wie stimmungsvollen Abends, der so ganz unplanmäßig begann.

Denn vor dem Konzert droht eventuell gar die Absage. Denn beim Aufbau stellt sich die Lichtanlage quer, muss noch einmal komplett ab- und wieder neu aufgebaut werden. Das verzögert den Einlass, sorgt für lange Schlangen und Chaos. Doch selbst stundenlanges Warten auf dem Elbradweg und teils unorganisierte Getränkstände können der Menge die Laune nicht verderben. Hedonismus ist Trumpf im Publikum: Neonfarben überall und Leuchtbänder, Tetraeder und sonstige Accessoires wandern durch die Menge.

Endlich waren sie am Elbufer: Deichkind haben in Dresden erstmals Open Air gefeiert und dabei am Elbufer gezeigt, dass sie zu den besten Live-Acts des Landes gehörten. Unser Fotograf hat einige der schönsten Konzerteindrücke festgehalten.

Und nach Sonnenuntergang geht es dann endlich los. Mit „So’ne  Musik“ eröffnen Deichkind. Wer die Show zum ersten Mal sieht, für den ist das Geschehen auf der Bühne eine einzige Reizüberflutung. Ständig passiert Neues, meist wuseln rund um Phono, Porky und Ferris noch weitere Mitglieder über die Bühne, die nahezu durchgehend selbst in Bewegung ist. Die Band spielt einmal mehr gekonnt mit Raum, Licht und Kostümen. Das ist athmoshärisch nicht so dicht wie beim Warm-Up-Konzert im Frühling, fesselt aber weiterhin.

 

Neu ist die Show aber nicht. Wer 2016 schon in der Messehalle war, erlebt vor allem Altbewährtes, hat dafür aber die Chance, Details der Choreografie und Ausstattung wahrzunehmen. Oder er feiert einfach mit und lässt sich treiben. Im Bereich vor der Bühne ist nahezu von Beginn an die Hölle los, auch wenn es einige im sichtbaren Drogenrausch übertreiben und die Deichkind-Party mit Kampfsport verwechseln. Gott sei Dank geht dabei alles glimpflich ab und es bleibt bei diversen angedrohten Schlägereien. Am Ende gewinnt die Musik.

Deichkind spielen sich quer durch ihre Alben. „Leider geil“ und „Bück dich hoch“ sind die ersten Highlights, bei denen die Menge fast lauter ist als die Band, das überdimensionale Fass in der Menge darf genauso wenig fehlen wie „Limit“, das in seiner Aussage wie immer eindeutige „Ich hab eine Fahne“ oder das inbrünstige „Power of Love“.

Rund 90 Minuten leisten Deichkind Schwerstarbeit, dann ist nach jeder Menge Remmidemmi alles vorbei und die Dresdner werden aufgeputscht und euphorisiert in die Nacht entlassen. Die beste Nachricht heben sich Deichkind aber bis zum Schluss auf: Eine neue Platte ist in Arbeit!

Stephan Lohse

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