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Das tjg bringt Ulrich Hubs Schauspiel-Version vom „Rübchen“-Märchen heraus

Kulturkraftwerk Mitte Das tjg bringt Ulrich Hubs Schauspiel-Version vom „Rübchen“-Märchen heraus

Das kennt doch (beinah) jeder, dieses russische Märchen vom Rübchen, das da wächst und gedeiht und schließlich nur noch mit allseits vereinter Kraft aus dem Boden gezogen werden kann. Wo der eine dem anderen hilft, sich alle gemeinsam beistehen und die Welt scheinbar so ziemlich in Ordnung ist.

„Die Rübe“ mit Roland Florstedt, Susan Weilandt, Judith Nebel, Gregor Wolf und Charlotte Mednansky (v.l.).

Quelle: Marco Prill

Dresden. Das kennt doch (beinah) jeder, dieses russische Märchen vom Rübchen, das da wächst und gedeiht und schließlich nur noch mit allseits vereinter Kraft aus dem Boden gezogen werden kann. Wo der eine dem anderen hilft, sich alle gemeinsam beistehen und die Welt scheinbar so ziemlich in Ordnung ist. Der in Berlin lebende Autor und Regisseur Ulrich Hub hat nach Motiven des Märchens ein Stück geschrieben und inszeniert, das nun auf der neuen Großen Bühne des Theaters Junge Generation (tjg) im Kraftwerk Mitte auf schönste Weise uraufgeführt und vom Publikum bestens aufgenommen worden ist.

Viel mehr als einen so anspruchsvollen, gewitzten Text wie auch eine Inszenierung, die in sich stimmig und zu keiner Zeit langweilig ist, kann man den erwartungsvollen Gästen zum Eröffnungswochenende wohl kaum bieten, vereint die Uraufführung doch alle Besonderheiten und Vorzüge des Theaters, lebt vom engagierten Spiel der Darsteller, bietet in der Regie von Ulrich Hub ein fantasievolles, keineswegs überladenes szenisches Geschehen. Empfohlen wird bei diesem Stück ein Alter der Besucher von „8+“, und deutlich ist es auf eigene Weise anschaulich und unterhaltsam erzählt sowohl für Kinder und Jugendliche wie auch für herangereifte Theaterfreunde.

Ulrich Hub, der auch am neuen tjg-Spielort einmal mehr seine miteinander verquickten Qualitäten als Autor und Regisseur beweist, hat dabei die Gabe, Theater als ein stimmiges Gefüge so zu begreifen, das sich jeder Zuschauer egal welchen Alters quasi eigenverantwortlich und fantasievoll mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen einbringen kann. Daraus formt er mit Geschick und Verstand ein Ganzes, frei von Zugeständnissen an diesen oder jenen, nimmt gleichermaßen alle ernst und entwirft ein wunderbar heutiges wie auch zeitloses Geschehen, das sich einprägt und deutlich Spuren hinterlässt. Seine wenig glorreichen Sieben schaffen mit ihren diversen Interessen und Sehnsüchten ein Chaos, bei dem es auch schon mal (gekonnt!) eins mächtig auf die „Rübe“ gibt, jeder mehr oder weniger auf seiner Meinung beharrt, um sich letztlich doch irgendwie darauf zu besinnen oder besinnen zu müssen, was offenbar wichtiger und existenzieller ist als diese ewige Rangelei.

Gemeinsam mit Maria Damm (Choreografie) versteht es Ulrich Hub bemerkenswerterweise auch, auf jedes überflüssige Wort großzügig zu verzichten. Seine Geschichte von der „Rübe“ wird ebenso mit einer beredten Körpersprache erzählt, bei der beispielsweise das umgangssprachliche „Abhängen“ durchaus einen Sinn macht. Und die letztlich vor lauter Gier mit den verbliebenen sauren Gürkchen gegossene, bis zum Himmel hinaufsprießende Rübe (da klingt ein wenig auch das Märchen vom Fischer und seiner Frau an) ist nur im Ausblick durch das assoziierte Zimmerfenster (Bühne: Grit Dora von Zeschau) sowie im Lichtwechsel zu erahnen. Derweil die Heger, Pfleger und Jäger der Prachtrübe stets hinausklettern müssen, um daselbst zu graben, zu gießen, zu beobachten oder zu beaufsichtigen.

Dabei bleibt jeder bei seiner eigenen, mit den anderen verwobenen Geschichte. Von Pip (liebenswert gespielt von Judith Nebel), die mit ihrem Fund das Ganze in Gang gebracht hat und immer auch weiter Freunde zum Spielen sucht, über den beobachtenden Gleb (Roland Florstedt), Jojo (Charlotte Mednansky) und Fitz (Gregor Wolf) bis zu Lou (Susan Weilandt), die sich stets heraushalten will und letztlich doch nicht kann. Sowie den beiden ehrgeizigen „Aufsichtspersonen“ Egor (Moritz Stephan) und Laska (Babette Kuschel), die für eine scheinbar straffe Organisation sowie ein Wachstum der Rübe ins Unermessliche sorgen.

Irgendwann aber platzt das Ganze und die Not ist groß. Vorräte gibt es nicht mehr und das allerletzte Gürkchen, das sich findet, wird tatsächlich geteilt. Wie es weitergeht? Darüber können alle gemeinsam nachdenken. Und vielleicht auch darüber, warum es so gekommen ist. Gier bringt nicht weiter, Beobachten reicht nicht aus. Und Aufpassen ohne Mittun und Gemeinsinn ist wenig hilfreich. Der weit vorn platzierte, triste Bühnenaufbau mit dem jeweiligen Sofa im eigenen „Revier“ bewegt sich zum Schluss fast unmerklich, aber stetig zum Hintergrund hin und eröffnet den Bühnenraum als große, weite und auch düstere Welt.

In der sich Geschichten dieser und anderer Art sowie viel Bedrohliches wie auch Hoffnungsvolles abspielt, wo belogen und betrogen wird, Träume zerplatzen, sich aber dennoch immer wieder jene zusammenfinden, die miteinander und verantwortlich leben wollen. Das ist die Botschaft, ganz ohne Zeigefinger.

nächste Aufführungen: heute bis Donnerstag jeweils 10 Uhr, 25.-27.12. jeweils 16 Uhr

www.tjg-dresden.de

Von Gabriele Gorgas

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