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"Das macht die Welt so tiefschön" - Liederabend mit Matthias Goerne zu den Dresdner Musikfestspielen

"Das macht die Welt so tiefschön" - Liederabend mit Matthias Goerne zu den Dresdner Musikfestspielen

Nach siebzig Minuten schon war es vorbei. Zumindest das offizielle Programm. Doch selbst, wenn dieser Liederabend mit Matthias Goerne und Alexander Schmalcz schon nach dem ersten Block zu Ende gewesen wäre, mit diesen berückenden "Vier Liedern op.

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Quelle: PR

2" von Alban Berg, ihrer letzten, auch in der Tragik Sinn findenden Zeile "... Das macht die Welt so tiefschön" - es wäre so unendlich viel gesagt gewesen, dass allein dies den Weg durch den lauen Frühling zum Palais im Großen Garten gelohnt hätte.

Und das, obwohl das satte Grün in seinen zigfachen Schattierungen, das frohe Rot der Abendsonne nur draußen ihren Tanz eingingen. Drinnen im Saal wurde in dunkleren, ernsten Farben gemalt. Die Endlichkeit irdischen Lebens, Todesfurcht und Todessehnsucht, das schwere Tragen an der Welt, am Miteinander der Menschen, das waren im Wesentlichen die Themen. Neben den Berg-Liedern hatte Goerne Schuberts "Gesänge des Harfners", die "Vier ernsten Gesänge" von Brahms, Hugo Wolfs "Drei Lieder nach Gedichten von Michelangelo" und eine Auswahl von Liedern aus Schostakowitschs ebenfalls nach Michelangelo-Texten geschaffener Suite op. 145 zusammengestellt und damit zugleich den kompositorischen Blick von anderthalb Jahrhunderten.

Dass die Künstler die einzelnen Zyklen nahezu pausenlos aneinander reihten, betonte die Geschlossenheit des Programms zusätzlich. So war kaum ein Abschweifen möglich, kaum ein Durchatmen. Ein Kraftakt für beide Seiten, für Künstler wie Publikum. Freilich: Monothematik kann aufs Ganze gesehen durchaus die dramatischen Spitzen mildern, sie macht besonders deutlich, wie sehr das Genre Lied vom subjektiven Empfinden lebt, am Ende gar vom Erleben des jeweiligen Tages: Den einen trifft es tief, den anderen erreicht es schwerer.

Die unglaubliche stimmliche wie körperliche Intensität, mit der Matthias Goerne die Lieder aufs Podium bringt, kommt tief aus dem Inneren. Beeindruckend spielt er dafür mit stimmlichen Farben, am Klavier von seinem Bruder im Geiste, Alexander Schmalcz, in traumwandlerischer Sicherheit getragen. Wie Schmalcz Stimmungswechsel nachfühlt oder vorbereitet, wie feinsinnig er seinem Part den nötigen Duktus verleiht, ist wunderbar.

Goerne formt darüber tatsächlich jeden einzelnen Ton mit einer Sorgfalt, die man selten erlebt. Dass ihm dabei nichts zerfasert, das er damit zugleich unendlich lange Bögen führen kann, macht seine sängerische Größe aus, aufbauend auf einer Stimme, der vom leichtfüßigen Parlieren bis zur kraftvollen Durchschlagskraft einfach alles zur Verfügung steht. Beglückend, ihn einmal wieder in Dresden gehabt zu haben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.05.2014

Sybille Graf

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