Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Das Societaetstheater verpasst die Lange Nacht der Dresdner Theater

Mehr Umbau nötig, Saisonstart um Ostern Das Societaetstheater verpasst die Lange Nacht der Dresdner Theater

Die spielfreie Zeit zwischen Januar und April hatte sich Geschäftsführer Andreas Nattermann vom Societaetstheater sicherlich anders vorgestellt. Denn eigentlich sollte der Spielbetrieb nach einer unkomplizierten Sanierung pünktlich zur 6. Langen Nacht der Dresdner Theater am 1. April wieder aufgenommen werden – doch daraus wird nun nichts mehr.

Die Bühnen im Societaetstheater sind während der Sanierungsphase abgebaut worden. Geschäftsführer Andreas Nattermann hofft auf einen raschen Saisonstart.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Die spielfreie Zeit zwischen Januar und April hatten sich Geschäftsführer Andreas Nattermann und seine Mannschaft vom Societaetstheater sicherlich anders vorgestellt. Denn eigentlich sollte der Spielbetrieb nach einer unkomplizierten Sanierung pünktlich zur 6. Langen Nacht der Dresdner Theater am 1. April wieder aufgenommen werden – doch daraus wird nun nichts mehr.

„Aufgrund verschiedener Entwicklungen müssen wir unsere Teilnahme absagen und den Start der regulären Spielzeit weiter in den April verlegen“, sagt Nattermann. Die Schließzeit ist wegen nötiger Reparaturen am Entwässerungssystem unausweichlich. Nun stellte sich heraus, dass mindestens zwei Steigleitungen in den knapp 250 Jahren alten Häusern, die immerhin 1999 umfassend restauriert wurden, nicht dem aktuellen Brandschutzkatalog entsprechen.

„Außerdem gibt es Probleme am Fundament im Keller, das tiefer ist als erwartet“, so Nattermann. Soll im Klartext heißen, dass sich der ohnehin späte Start in das Jahr 2017 noch einmal verzögern wird. Fast täglich sind Gutachter in den zwei von der Stadt angemieteten Häusern des Societaetstheaters unterwegs. „Stand jetzt soll das Bühnenhaus um den 2. und 3. April fertig werden, das Garderobenhaus später“, erklärt Nattermann. Man wolle aber so früh wie möglich wieder starten. Deshalb plant der Geschäftsführer auch ganz fest mit der Teilnahme zum 29. Filmfest Dresden vom 4. bis zum 9. April – notfalls auch ohne Garderobenhaus. „Da lassen wir uns etwas einfallen.“ Spätestens ab Ostern soll dann der reguläre Spielbetrieb starten.

Während der Bauphase gibt das Societaetstheater unterdessen Gastspiele an verschiedenen Häusern, unter anderem im Theaterkahn, im Festspielhaus Hellerau oder im Kleinen Haus des Staatsschauspiels. „Für die unkomplizierte Hilfsbereitschaft sind wir sehr dankbar“, so Nattermann, dessen eigenes Spielhaus derzeit einer Großbaustelle gleicht. Aufgerissene Wände, abgeklebte Fenster und Türen, sogar die Bühnen und Ränge wurden komplett demontiert und zum Schutz vor Schmutz und Staub in Sicherheit gebracht.

Der Geschäftsführer hat indes alle Hände voll zu tun, um aus dem verkürzten Jahr 2017 ein ähnlich erfolgreiches wie das vorherige zu machen – 26 000 Besucher und 317 000 Euro Einnahmen konnte man 2016 verbuchen. Im April lockt das Soci deshalb gleich mit zwei Premieren. Auch zwei neue Programmformate werden eingeführt.

Das szene:Europa Festival im Juni zieht diesmal nordirische Künstler ins Theater an der Dreikönigskirche. Nach England (2013) und Schottland (2011) bereits das dritte britische Land. „Das bietet interessante politische und künstlerische Perspektiven, vor allem mit Blick auf das Zusammenleben von Katholiken und Protestanten“, so Nattermann. Unter anderen werden die Schauspieler von Green and Blue des Kabosh Theatres aus Belfast zu Gast sein. Das OFF Europa Festival (September), kuratiert vom Leipziger Knut Geißler, thematisiert in diesem Jahr das durch Flüchtlingskrise und Wirtschaftslage gebeutelte Griechenland und hat laut Nattermann eine spannende Synergie zum anderen „Noch-Außenposten“ der EU, Nordirland.

Am 14. April, sofern es die Baumaßnahmen zulassen, soll passend zur Osterzeit „Faust ohne Worte“ in der Regie von Tom Quaas aufgeführt werden und am 21. April performt die Juwie Dance Company erstmals die Choreographie „Queens of Diamonds“ von Yaron Shamir. Zudem will Nattermann mit dem neuen Format „Lyrik ist Happening“ frischen Wind ins Soci bringen. In mindestens vier Veranstaltungen sollen sich die Arbeiten begnadeter Lyriker mit der Musik des Munka Klangkollektivs verbinden. Unter anderen hat schon der Georg-Büchner-Preisträger von 2016, Marcel Beyer, zugesagt.

Das zweite neue Format nennt sich „Freakstadt“ und wird von der Compagnie Freaks und Fremde um Heiki Ikkola einmal im Monat umgesetzt. Das Societaetstheater stellt den Künstlern dann jeweils über ein verlängertes Wochenende eine Bühne zu einem bestimmten Thema zur Verfügung und sorgt für die finanzielle Absicherung. „Das entspricht dem Wunsch der freien Szene, einen thematisch und inhaltlich offenen Platz zu finden“, erklärt Nattermann.

Dass sich Nattermann überhaupt noch eine Förderung freier Kunst leisten kann, war eine Zeit lang nicht abzusehen. Eigentlich sollte das Theater dem aktuellen Doppelhaushalt mit einer Budgetkürzung von 100 000 Euro zum Opfer fallen. Nach langem Hin und Her wurde das Geld doch bewilligt, plus einer Aufstockung um 75 000 Euro für 2017 und 2018 zusammen. (DNN berichteten). „Ohne dieses Geld könnten wir den künstlerischen Etat nicht aufbringen, da wir den Großteil unserer Einnahmen als Fixkosten aufbringen müssen“, so Nattermann.

www.societaetstheater.de

Von Sebastian Burkhardt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr