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Das Schlossmuseum Murnau beleuchtet Facetten der Berglandschaft als Sehnsuchtsort

Das Schlossmuseum Murnau beleuchtet Facetten der Berglandschaft als Sehnsuchtsort

Was Goethe auf seiner zweiten Schweizer Reise 1799 entzückt und als Aufschmelzen im Feuerdampf beschrieben hatte, nämlich die rötlich gefärbten Gipfel der Berge im Schweizer Oberland, das begeisterte auch noch viele andere.

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Marianne von Werefkin. A L'Aube. 1914. Tempera auf Leinwand, auf Karton. Aus einer Dresdner Privatsammlung.

Quelle: Katalog

"Die prachtvollste Erscheinung an den Alpen ist ihr flammend-rothes und Purpur-Glühn bey Sonnen-Untergang", versicherte etwa 1809 der geographische Schriftsteller Johann Gottfried Ebel, dessen bekanntestes Werk den Titel "Anleitung, auf die nützlichste und genußvollste Art die Schweiz zu bereisen" trägt.

Das berühmte, vielbeschworene und viel herbeigesehnte Alpenglühen ist an sich erst mal "lediglich" ein physikalischer Vorgang, der bei Sonnenauf- und -untergang zu beobachten ist, sofern das Wetter passt: Dichte Luftschichten streuen die Strahlen der Sonne und lassen nur das rötliche Licht passieren. Das Wort "Glühen" impliziert jedoch eine Reaktion von innen heraus, simuliert sozusagen ein Agieren der Berge. Damit erschien es den Machern einer Ausstellung im Schlossmuseum im oberbayrischen Murnau gerade recht als Metapher, um die Anziehungskraft der Bergwelt und ihre Faszination auf die Künstler zu betiteln.

Vermittelt wird, dass sich die Bergwelt als Kulisse, als Fluchtpunkt, als Herausforderung, als Lebens- und Schicksalsort durch nahezu alle Zeiten, Kulturen und Religionen zieht. Bereits die antike Mythologie kannte die Berge als Symbole des Hochmuts. Große Gemälde religiösen, idyllischen und heroischen Charakters bestimmten die Berglandschaften des 19. Jahrhunderts. Caspar David Friedrichs heute in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden befindliches Andachtsbild "Das Kreuz im Gebirge", auch "Tetschener Altar" genannt, ist ein Hauptwerk der religiösen, von überirdischen Licht verklärten Landschaften. In einem Brief von 1811 an Prof. Johannes Schulz versicherte Friedrich, "...wohl ist es beabsichtigt, daß Jesus Christus, ans Kreuz geheftet, hier der sinkenden Sonne zugekehrt ist. Nach Friedrich verkörpert die Sonne Gottvater. Diese versinkende Sonne Gottvaters wirft ein letztes Licht auf den Gekreuzigten, "der im "Golde des Abendroths" leuchtet.

Eine Ausstellungssequenz ist den Malern und Bergsteigern Edward Theodore Compton und seinem Sohn Edward Harrison Compton gewidmet, die ihre Künste beide in den Dienst der Berglandschaft stellten, realistische Landschaften schufen, die eine Bestimmung der Gipfel und des Standortes der Maler zulassen, etwa beim aus süddeutschen Privatbesitz stammenden Gemälde "Montblanc vom Col de Miage bei Sonnenuntergang" von 1907. Wie klein und beschaulich heutige Touristenzentren mal waren, bezeugt Heinrich Höfers Gemälde "Der Floriansplatz in Partenkirchen" von 1866.

Und dann wären das natürlich die Werke jener vier Künstler, die das Alpenvorland 1908 als Rückzugsort aus der Stadt München wählten: Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin, den neben Marc und Macke maßgeblichen Mitbegründern der Künstlervereinigung "Der blaue Reiter". "Das hier vorgefundene Licht ließ sie zu frischen, ungemischten Farben greifen", wie Sandra Uhrig im Vorwort des höchst informativen Begleitkataloges festhält. Aus einer Dresdner Privatsammlung kommt Werefkins Werk "A L'Aube" von 1914 (Tempera auf Leinwand, auf Karton).

In einem Raum werden acht Lithographien von Alexander Kanoldt präsentiert, einem wichtigen Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Er begeisterte sich zeitlebens für die Berge. Auf seinen Bildern sind sie aber keine Sehnsuchtsorte, sondern sie präsentieren sich "schroff und abweisend, entgrenzt und zugänglich", wie Karin Hellwig in ihrem Aufsatz "Gewaltige Gipfel, scharfe Grate und dunkle Abgründe - Zu den Hochgebirgsbildern Alexander Kanoldts" schreibt.

bis 23. Juni, Schlossmuseum Murnau, Di. bis So. 10 bis 17 Uhr

www.schlossmuseum-murnau.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.06.2013

Christian Ruf

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