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Regional Das Palucca Tanz Studio Dresden verblüfft mit neuer Choreografie
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17:18 09.09.2015
Szene mit Daniel Silva Brasil und Vivian de Britto Schiller. Quelle: Ian Whalen

Sind sie doch speziell auch im Klassischen Tanz darauf trainiert, den Körper stets unter Spannung zu halten und die Zuschauer mit Präsenz und Selbstbewusstsein zu erobern. Was beim Auftritt des Palucca Tanz Studios im Deutschen Hygiene-Museum natürlich ebenso dazu gehört. Doch der gewitzte Auftakt, bei dem die jungen Tänzer im etwas anderen Gänsemarsch zum Song von Hank Williams "I am so lonesome I could cry" nur schleppend vorankommen, um sich schließlich in einer kuriosen Saalordnung aufzustellen, ist wahrhaft wunderlich und überraschend.

Kein Wunder, geht es doch um eine Choreografie von Steffen Fuchs, der bekannt ist für seine Irritationen, sich bestens auskennt in den Tanzstilen und dabei in der eigenen Bewegungssprache fantasievoll aus dem Vollen schöpft. Der an der Staatlichen Ballettschule Berlin ausgebildete Tänzer - er begann bereits 1998 im Engagement an der Oper Leipzig zu choreografieren - absolvierte später ein Choreografie-Studium in Dresden und war schließlich auch Meisterschüler an der Palucca Hochschule. Seit der Spielzeit 2011/12 ist er Ballettdirektor und Choreograf am Theater Koblenz.

Erstmals hat er nun eine eigene Arbeit mit dem Palucca Tanz Studio herausgebracht, welche er bezeichnenderweise "Mein Reich ist nicht von deiner Welt" betitelt. Diese Choreografie war nun mit vier Aufführungen im Hygiene-Museum zu erleben und wird am 31. Januar (Beginn 18 Uhr) auch an den Bühnen der Stadt Gera zum Abschluss der Ballett-Festwoche vorgestellt. Dass Steffen Fuchs bei dieser Produktion den Studierenden des 3. Studienjahres im Bachelor Studiengang Tanz etwas Ungewöhnliches abverlangt, wird gewiss jedem klar gewesen sein, der seine stilistischen Eigenheiten so halbwegs kennt. Und er hat für diese Produktion deutlich auch eine Struktur gefunden, die in sich stimmig ist und vielerlei zulässt. An der man im Detail auch immer noch weiter feilen könnte, aber Vollkommenheit im Sinne von Linie, Glanz und Gloria ist ja wahrhaft nicht zwingend auch ein Qualitätsmerkmal. Dieser vielseitige, erfahrene Künstler fordert die Tänzer wie ebenso das Publikum auf seine unverkennbare Weise heraus, wechselt von einem Moment zum anderen zwischen Stilen, Haltungen, Stimmungen, schafft zuweilen bemerkenswerte Bildmetaphern. Und bewirkt in Zusammenarbeit mit seinem kleinen Team, dass die jungen Tänzer deutlich inspiriert sind. Was sich nicht allein nur in der Tanztechnik zeigt, sondern auch in differenzierten Erzählweisen, in Ausdruck und Persönlichkeit. Diese Tänzer wird man wiedererkennen, an dieses Stück wird man sich erinnern können. Und natürlich auch an spezielle Sounds und Raumlösungen, an überraschende Wendungen und Bilder.

In dem großen, langgezogenen Saal sind die Zuschauer jeweils an den Schmalseiten platziert, was allein schon in der geschickt inszenierten Verbeugungsordnung bewusst genutzte Möglichkeiten bietet. Und die Tänzer agieren dabei nicht nur im "Zwischenraum", sie beziehen für ihre Auf- und Abgänge den kompletten Saal ein. Die konkreten Geschichten herauszufinden in dieser Arbeit, wo es auch um Fantasiewelten und Mythen geht, ist gewiss nicht so einfach, obwohl Steffen Fuchs mit musikalischen wie auch Tanz-Zitaten quasi eine Fährte gelegt hat. Aber es reicht ja auch, dass man überhaupt bei dieser Arbeit mitdenken, -hören, -fühlen kann, und die "Schatten" zur Musik von Ludwig Minkus oder "Die Forelle" von Franz Schubert haben sicher nicht nur die Tanzkenner erahnen können.

Auffällig in der Choreografie - und es gibt wahrhaft nicht viele, die damit umzugehen verstehen - ist die spürbare Gewitztheit des Stückes und jene Eigenart raffinierter Wechsel. Wo die Bewegung gerade noch klassisch akzentuiert ist - und schon kippt sie ins Moderne. Oder auch umgekehrt. Wie eben bei besagter "Saalordnung" als Trainings- und Auftritts-Formation zu Beginn, die derart "unartig" gehandhabt ist, dass man daran seine helle Freude haben kann. Steffen Fuchs hat ein gutes Gespür auch für die musikalische Struktur seiner Arbeiten, wagt dabei manche Gratwanderung. Wie er überhaupt einiges riskiert, was zuweilen ja auch schiefgehen kann. Er ist eine Ausnahmeerscheinung. Und passt damit bestens zum Palucca Tanz Studio.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.01.2015

Gabriele Gorgas

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