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Das Mai Hof Puppentheater in Dresden geht in seine 20. Spielzeit

„Sterntaler“ und „Hans im Glück“ Das Mai Hof Puppentheater in Dresden geht in seine 20. Spielzeit

Das Mai Hof Puppentheater geht in seine 20. Spielzeit – Die Puppenspielerin Hella Müller und ihr Mann Hartmut Maihöfer betreiben an der Hauptstraße 46 in Dresden-Weißig das Kleinod für Theaterfreunde mit einem angeschlossenen Puppenmuseum. Sterntaler stand zum Jahreswechsel auf dem Programm, demnächst folgen Frau Holle und Dornröschen.

Hella Müller

Quelle: Monika Petschel

Dresden. Vor langer, langer Zeit…, beginnt Hella Müller, und während sie mit einer Hand die Röhrenglocken am Rand des Bühnenbildes streicht, verwischt deren zarter Nachhall die Grenzen von Gegenwart und Zeitlosigkeit. Sie könnte nun vom „Tapferen Schneiderlein“ zu erzählen beginnen, von „Aschenputtel“ oder „Hänsel und Gretel“ oder auch die Geschichte „Mein Freund, das kleine Gruselmonster“, die in diesen Tagen wieder auf dem Spielplan stehen. Doch sie schaltet noch Klaus, die Theatermaus ein. Sie will sicher sein, dass die Kinder ganz bei ihr angekommen sind. Die sitzen alle, ohne erklärendes Wispern von Mama oder Opa am Ohr, vorn in der ersten und zweiten Reihe, Geburtstagskinder gar auf dem Thron. Zuvor aber hat man sich noch bei Fingerreimen der gegenseitigen Wahrnehmung vergewissert.

Vor gar nicht so langer Zeit, denn was sind schon 20 Jahre, haben die Diplom-Puppenspielerin Hella Müller und ihr Mann Hartmut Maihöfer an der Hauptstraße 46 in Weißig, wo es fast noch ländlich ist, ihr Puppenparadies eröffnet. Sie brachte aus Engagements in Zwickau, Berlin, Rostock, Frankfurt/Oder, Dessau, Dresden und beim Fernsehfunk der DDR damals schon 30 Jahre Bühnenerfahrung als Puppenspielerin und Regisseurin mit, darunter auch aus Magdeburg einen Solistenpreis für Puppenspiel.

Er hatte das notwendige handwerkliche und organisatorische Geschick, den Blick fürs Detail und den Realitätsbezug zum Machbaren. Was sich an Utensilien, an Puppen, Puppenhäusern, -möbeln, -klamotten, -geschirr, -fahrzeugen angesammelt hatte, füllte bald nicht nur Vitrinenschränke – Maihöfers machten ein verspieltes Puppenmuseum daraus, in deren zwei Räumen alle Generationen glänzende Augen bekommen. Im Sommer steht die Tür zum Gartenreich offen, in dem sich im Zusammenspiel von Natur und Kunst auch hier auf engem Raum die Wunderwelt des Seins erweitert.

Im Winter allerdings kann es eng werden. Dann spielt der Hausherr die Rolle des Einlassers, die mich an den braven alten Mann von der Wach- und Schließgesellschaft aus James Krüss’ „Ladislaus und Annabella“ denken lässt, besonders streng und leitet die Besucherströme zuerst ins Museum, zur Garderobe und dann zur Spielstätte: 50 Plätze sollen ohne Drängelei eingenommen werden, und auch für die unverbesserlichen Spätkommer wird mit Nachsicht noch einmal zusammengerückt.

Die Prinzipalin selbst schaut währenddessen schon einmal herein, vergewissert sich des Bühnenbildes, der Beleuchtung und des Publikums – bis nur noch einer fehlt: Franz, der Techniker. Dass der nicht kommt, wissen nur die Großen, denn das mai hof puppentheater ist ein privates Zweimannunternehmen. Das schmale Budget ist das Pfund, mit dem es wuchert. Es gibt dort, bis auf ein kleines Podest, praktisch keine Trennung von Spielerin und Publikum. Das Bühnenbild ist spartanisch aus sichtbar älteren Alltagsdingen wie Fenster- oder Bilderrahmen zu einem auch in der Höhe mehrfach wandelbaren Paravent zusammengeschraubt. Doch wo sie aufblitzen, verfehlen die Sterne vor tiefblauem Grund ihre Wirkung nicht. Ebenso sind die Puppen – bis auf die auratisch schöne Stille Nacht und den in seinen Körpermaßen variablen Mondmann – von beredter Einfachheit.

Hella Müller verbirgt sich nicht beim Spiel, sie zeigt verschiedene Methoden, ihre Helden zu führen, als Hand- oder Stabpuppen, Marionetten, sogar ein Intermezzo als Schattenspiel vorm Mond erscheint wie im Traum. An dieser Stelle ist die Handlung schon weit vorangeschritten. Gesprochen in einfachen Sätzen, zunächst nah am Grimmschen Text, doch dann gekürzt, verselbständigt sich die Geschichte und verschmilzt zum Schluss, da Sterntalerchen erkennt, dass nicht Gold allein, sondern wahre Freundschaft glücklich macht, mit dem Märchen von Hans im Glück. Schlipperdiwipp. Alles was geschieht, alle Geräusche, Licht-, Szenen- und Figurenwechsel bleiben nachvollziehbar vor den Augen der Gäste. Gibt es Zwischenrufe, geht die Spielerin gelassen darauf ein, nie lässt sie sich treiben. Zum guten Schluss brandet schnatternder Applaus auf, ehe der Hausherr alle Kinder noch zu seiner unübersehbar unikaten handmade Wunschmaschine bittet, an welcher sie per Handkurbel eine Kugel durch ein fragiles mechanisches Labyrinth steuern dürfen, um beim Erreichen des Ziels einen geheimen Wunsch frei zu haben. Damit er später in Erfüllung gehen mag, wählt sich jeder noch einen schönen, glänzenden Edelstein zum Mitnehmen direkt aus Hella Müllers Hand.

Dass sie auch für Erwachsene spielt, deftige und nicht nur lehrreiche Stücke, ist in Weißig fast ein wenig in Vergessenheit geraten, so sehr hat sie die Kinder für sich eingenommen. Wenn das mai hof puppentheater in diesem Jahr, im März, sein 20-jähriges Bestehen feiert, könnte es Anlass sein, diese Tradition nicht nur auf Gastspielen, sondern auch im eigenen Haus wiederaufzunehmen. Fragen Sie danach, das Repertoire ist groß! Gespielt wird auch zu Wunschterminen, für Gruppen, zu Klassenwanderungen, Kinder- und Familienfesten.

nächste Vorstellungen: 3. und 10.2., jeweils 15 Uhr, 4. und 11.2., jeweils 11 Uhr: „Das Waldhäuschen“ – Wie das Mädchen Anna den Tieren hilft und am Ende gar Königin wird; 14. und 15.2., jeweils 10 Uhr, 17.2., 15 Uhr, 18.2., 11 Uhr: Das tapfere Schneiderlein, nach Grimm (Ein Fingerhut voll Pflaumenmus macht stark!); 21. und 22.2., jeweils 10 Uhr: Aschenputtel, nach Grimm (Ruckediku – wem passt der Schuh?); 24.2., 15 Uhr, und 15.2., 11 Uhr: „Mein Freund das kleine Gruselmonster“ – Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft mai hof puppentheater, Hauptstr. 46, Dresden OT Weißig, Tel.  0351/ 2 69 00 72

www.puppentheater-dresden.de

Von Jördis Lademann

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