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Regional Das Kreuzschulorchester Dresden spielt unter Dietrich Zöllner mit Jazzmusikern
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17:31 09.09.2015
Gitarrist Stephen Bormann und Tom Götze am Kontrabass proben gemeinsam mit dem Kreuzschulorchester. Quelle: Dietrich Flechtner
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73 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 12 präsentieren in einer einzigartigen Besetzung, zu der neben Streichern, Holz- und Blechbläsern, Schlagwerk und Klavier auch drei Gitarren, drei Keyboards, vier Saxophone, ein Akkordeon und zwei Blockflöten gehören, ihre Version von "Another Brick in the Wall" (Pink Floyd), bevor Gitarrist Stephan Bormann und Tom Götze am Kontrabass als Solisten hinzukommen. "Danke, dass ihr für uns spielt! Das ist Balsam für uns!" begrüßt Bormann das Orchester nach zwei einleitenden Anekdoten aus dem Musikerleben -

Es ist Morgen, in der Aula des Kreuzgymnasiums beginnt die finale Probenphase eines in diesem Klanggewand "unerhörten" Programms, das nach einer Voraufführung in der Turnhalle der Schule seine Premiere am Sonntag, 17 Uhr im Benefizkonzert der Kreuzkirche erleben wird. Unter dem Titel "Zehn Saiten und ein Orchester" musiziert das Schulorchester gemeinsam mit zwei der gefragtesten Jazzmusiker - ein spürbarer Ansporn für alle Mitwirkenden: "Die Schüler können einmal hautnah erleben, mit welchem Ethos, mit welcher Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit Profimusiker dieses außergewöhnlichen Formats an Musik herangehen", schwärmt Zöllner. Für ihn ist Orchesterspiel "eine der sinnvollsten Arten des Musikunterrichts".

Der "mit allen Wassern gewaschene" Musiker des legendären "Blauen Einhorn", seit 2001 Musiklehrer am Evangelischen Kreuzgymnasium Dresden, hat eine Auswahl von Songs der erfolgreichen CD "Pearls / The 10 String Orchestra" des Duos Bormann und Götze sowie Musik von Sting, Pink Floyd, Peter Gabriel, Michael Jackson und eine von Sven Helbigs Pocket Symphonies für dieses Konzert bearbeitet und dem Kreuzschulorchester raffinierte Arrangements "auf den Leib" geschrieben: "Die Anregung kam von Tom Götze. Er weiß, dass ich permanent verschiedenste Werke für das Schulorchester arrangiere bzw. spielbar mache und keine Scheu vor stilistischen Grenzüberschreitungen und Experimenten habe." Für den erfahrenen Arrangeur war dies eine besondere Herausforderung, da es außer der CD-Aufnahme des Duos keinerlei Vorgaben, z.B. für die Instrumentierung gab. "Ich musste mir einen passenden Begleit- teppich überlegen, der die beiden Solisten nicht an die Wand drückt, ihnen Luft zum Improvisieren und solistischen Agieren lässt und doch nicht nur im Hintergrund bleibt. Dabei hatte ich freie Hand, die unterschiedlichen Fähigkeiten innerhalb des Orchesters zu berücksichtigen".

Wie Zöllner jeden der jungen Musiker mitnimmt, ganz gleich auf welchem Level er sein Instrument zu spielen vermag, ist beeindruckend, seine Balance zwischen Anspruch, Spaß und Wissensvermittlung verblüffend. Erst eine Woche zuvor wurden die Noten von "Bad" (Michael Jackson) ausgeteilt, das Orchester spielt die Version erstmals den verschmitzt lauschenden Solisten vor, die nun von Zöllner eingewiesen werden: "Der vierte Schlag ist euer Auftakt - Eins, zwei, drei, vier. Eins, zwei, drei - bumm basch!" - Bormann und Götze setzen ein und entfachen ihr solistisches Feuerwerk, während die jungen Orchesterkollegen an den Kontrabässen ungläubig zu Götze schielen und staunen, "was da abgeht" - Die musikalischen Weggefährten Stephan Bormann und Tom Götze - beide unterrichten als Professoren an der Musikhochschule - arbeiten international mit Musikern wie Cristin Claas sowie Adam Rogers, Mike Stern, den Pet Shop Boys, Armin Mueller-Stahl und Günther Fischer zusammen. Bei diesem Projekt möchten sie erstmals als Solisten-Duo die Zusammenarbeit mit einem Orchester ausprobieren.

Im einmal wöchentlich probenden Kreuzschulorchester kann jeder Schüler mitspielen, der dazu Lust hat und ein Instrument bedienen kann. 11. und 12. Klasse haben "Orchester" als praktischen Anteil des Kursunterrichts, wie die 17-jährige Adele Pätz, seit diesem Schuljahr ist sie Konzertmeisterin: "Wir proben seit dem Herbst an dem Programm. Es ist schon herausfordernd, aber nicht so, dass man es nicht schaffen kann. Ich fand es toll, dass wir die nicht ganz einfachen Rhythmen vorher mit Herrn Zöllner schon alle gesungen haben, daher klappte das in den ersten Proben gut!"

Aus dem Junior-Orchester des Kreuzgymnasiums kommt der 14-jährige Posaunist Felician Elefant und spielt erstmals im großen Orchester mit. "Ich mag besonders Filmmusik, aber dieses Projekt find ich auch gut." Wie er sagt, hat er besonders schwierige Stellen zu Hause geübt - "Das Blech bitte einmal allein!" - "Aha, so war's nämlich vorhin auch: ich bin euch hinterhergestiefelt, ihr wart vorneweg -". Zöllner probt "Whenever I Say Your Name" (Sting). Nach pizzicato-Passagen mit Akkordeon-Solo und Orchester-Crescendo ein souveränes Solo am ersten Geigenpult - knisternde Aufmerksamkeit, Hingabe und Musizierfreude bis zum Ende der Probe, wenn die schlichte Volkslied-Bearbeitung "Vöglein", der Schluss-Titel der CD "Pearls", auf den Pulten liegt. Wie liebevoll das behutsam arrangierte Lied von allen Interpreten "behandelt" wird, hinterlässt Gänsehaut. Sicherlich wird dies einer der Höhepunkte des Konzertes am Sonntag sein.

Alle Mitwirkenden des vom Förderverein Kreuzkirche Dresden e.V. in Zusammenarbeit mit der Kreuzkirche veranstalteten Benefizkonzertes verzichten auf ihre Gage. Die Einnahmen kommen der Sanierung der Treppenhäuser der Kreuzkirche zugute.

Sonntag, 17 Uhr, Benefizkonzert zur Sanierung der Treppenhäuser der Kreuzkirche. Karten 10 (erm. 8) Euro, Familienkarte 25 Euro (2 Erw. und Kinder bis 18 J.), Konzertkasse der Kreuzkirche, Tel. 0351/496 58 07

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2015

Silke Fraikin

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