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Regional Das Julia Kadel Trio präsentierte in der Tonne mehr als sein Debütalbum
Nachrichten Kultur Regional Das Julia Kadel Trio präsentierte in der Tonne mehr als sein Debütalbum
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17:40 09.09.2015
Julia Kadel begeisterte mit ihrem Trio im Jazzclub Tonne. Quelle: PR

Eine Sensation, nicht weniger, fand sowieso schon damals Till Brönner und dann auch Don Was, seines Zeichens Chef jenes anderen Blue Note, dem wohl bekanntesten Jazz-Label der Welt. Brönner soll dafür gesorgt haben, dass er im fernen Los Angeles eine Vorabkopie des Debütalbums der Formation in die Finger bekam. Was, so heißt es, riet daraufhin der deutschen Dependance, die "fantastische Musikerin" unter Vertrag zu nehmen, nicht ohne anzumerken, dass die Blue Note-Gründer, die Berliner Exilanten Alfred Lion und Francis Wolff, das garantiert "mit Freude" getan hätten.

Nun ist Julia Kadel 27, ihre Mitstreiter Karl-Erik Enkelmann am Bass und Steffen Roth an den Drums sind kaum älter. Und sie stehen auf dem Olymp. Und dennoch an diesem Abend ganz natürlich, offen und authentisch auf der kleinen Bühne der voll besetzten Jazz-Tonne, um ihr Werk zu präsentieren. Vorwiegend Angehörigen der Hochschule, die vermutlich allesamt hingerissen hoffen, dass ihnen einmal etwas Ähnliches gelingen mag.

Aber wie oft gibt es diese Kombination von Talent und Können, von Experimentierfreude und Disziplin? Der Klavier-Einstieg der Chefin klingt gedrängt, verdichtet, Roth agiert effektvoll mit roten Besen, Enkelmann hält sich zunächst im Hintergrund. Steigerung und Rücknahme finden im Opener auf ganz engem Raum statt, dann ein langes, einfach grandioses Klavier-Solo. Klassisch, kunstvoll, perfekt. Da war also schon fast alles in einem Song, in "Fragen" von jener Blue-Note-CD mit dem wundervollen Titel "Im Vertrauen".

Natürlich gehört der Auftritt zur Tour, mit der die CD vorgestellt wird, das ist das Gesetz des Marktes. Dem das Trio sich aber nur halb ergibt. Im Wesentlichen wird der lange Abend eines jener Konzerte, wie die Fans des ehemaligen Dresdner Geheimtipps es kennen und lieben: sehr spontan, mit ganz viel Improvisation, live entstehenden, nur einmal so gespielten Stücken.

Das bedeutet Spannung auf und vor der Bühne, wenn Steffen Roth in gut sichtbarer Verzückung die Besen schwingt, Karl-Erik Enkelmann auch mal nur mit dem Daumen die immer gleiche Saite anreißt und Julia Kadel das Innere des Pianos bearbeitet. Das erinnert mal an die größten Jazzer, mal gar irgendwie an die frühen Pink Floyd, aber eigentlich immer wieder nur an sie selbst. Da steht eine Formation, die bereits Maßstäbe setzt.

Die benannten "richtigen" Stücke wie der melancholisch-tänzelnde "Regentag", das überaus herzliche Titelstück der CD "Im Vertrauen", das vehemente, kraftvolle "Nicht Bleiben" - sie bilden das Gerüst, den Roten Faden durch einen wahrhaftigen Jazz-Abend, einen, an dem das Publikum wie gebannt jener zierlichen, jungen, blonden Frau mit dem offenen Lächeln folgt, wo immer sie sie hinleitet. Groß, einfach groß.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.10.2014

Beate Baum

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