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22:00 24.08.2017
Martin Steude (r.) und Filip Paluchowski sichten das umfangreiche Aufführungsmaterial Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Ungefähr vor 15 Jahren war es, erinnert sich Martin Steude, Dresdner Kulturmanager und Geschäftsführer der Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch, als er nach Leipzig fuhr, um bei Friedbert Syhre Instrumente abzuholen. Steude, damals Büroleiter des Dresdner Trompeters Ludwig Güttler, kam nicht nur mit den Instrumenten zurück, sondern hatte gleich noch mehrere Kisten mit alten Noten im Gepäck. Syhre war ein bekannter Instrumentenbauer, der für Güttler z.B. 1984 ein sogenanntes Reiche-Horn nachgebaut und neben vielen anderen historischen auch die 1753 aus Silber gefertigten acht Dresdner Hoftrompeten restauriert hatte. In Syhres Besitz gekommen war ein Teil des Nachlasses eines gewissen Georg Kiessig. Dieser wiederum ist in den Annalen der Musikwelt verzeichnet als 1885 geborener und 1945 verstorbener Komponist, Dirigent und Theaterkapellmeister, der u.a. in Leipzig wirkte. Zum Beispiel ist er dort in den Bühnenblättern der Spielzeit 1936/1937 zu finden, und auch Alma Mahler-Werfel erwähnt ihn in ihren Memoiren „Mein Leben“ als Komponisten der Bühnenmusik für die Leipziger Uraufführung 1921 von Franz Werfels „Der Spiegelmensch“.

Kiessig muss jedenfalls nicht nur ein sehr theaterpraktischer, sondern auch akribischer Mensch gewesen sein, denn wie sich beim Sichten des Inhalts der verstaubten Kisten herausstellte, enthielten diese unzählige und wohlsortierte Noten. Keine Partituren, aber einzelne Orchesterstimmen und Bearbeitungen von Werken verschiedener Komponisten, die Kiessig für die Aufführungen wie die eines Salonorchesters gefertigt hatte oder fertigen ließ. Da fand sich ein Schatz von Material, der (wieder) gehoben sein wollte. Das dachte sich auch Martin Steude und wandte sich an Torsten Tannenberg, Geschäftsführer des Sächsischen Musikrates und seit 2005 auch des Bundesverbandes Deutscher Liebhaberorchester, dem weltgrößten Amateurorchesterverband. Tannenberg übernahm das Konvolut in das gut geführte Notenarchiv des Verbandes mit der Zusicherung, dass die Orchester Zugriff darauf erhalten und die Noten für ihre Konzerte verwenden können.

Um zumindest schon mal einen kleinen Teil dieses Schatzes an sinfonischer Musik des 19. Jahrhunderts zu heben, hat sich jetzt ein Projektensemble unter dem Dach des Bundesverbandes der Liebhaberorchester zusammengefunden. Dem Aufruf sind 55 Musiker aus ganz Deutschland, vor allem aber aus unserer Region, aber auch darüber hinaus gefolgt und bilden ein Ensemble in der Besetzung Streicher, Holz- und Blechbläser und Schlagwerk. Heute (25.8.) beginnen im Orchestersaal Loge des Heinrich-Schütz-Konservatoriums die Proben, am Sonntag, 17 Uhr, soll das Konzert in der Dresdner Lukaskirche stattfinden. Wenige der dafür ausgewählten Komponisten dürften allseits bekannt sein, wie z.B. Adolphe Adam. Die Titel der Werke indessen versprechen Kurzweil und wecken wie z.B. „Der Engel“ (Russische Romanze für Trompete und Orchester), Japanischer Laternentanz oder „Das Nachtlager in Granada“ auch manche Assoziation. Die Leitung des Konzertes hat der 1989 in Nürnberg geborene Filip Paluchowski übernommen, der den Dresdnern u.a. als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Sinfonieorchesters und der Kammerphilharmonie der TU Dresden bekannt ist. Als Solisten treten Pauline Herold (Violine) und Philipp Rauch (Trompete) in Erscheinung.

Sonntag, 17 Uhr, Lukaskirche Dresden. Eintritt frei, Spenden sind willkommen.

www.bdlo.org/projekte/notenschaetze-statt-mottenkiste

Von Kerstin Leiße

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