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Das Haydn-Orchester Dresden bringt zu seinem Jubiläum eine Sinfonie zur Uraufführung

Das Haydn-Orchester Dresden bringt zu seinem Jubiläum eine Sinfonie zur Uraufführung

Wenn am Sonnabend das Haydn-Orchester Dresden mit einem Konzert in der Dreikönigskirche die Jubiläumssaison zum 60-jährigen Bestehen beschließt, wird das von Andreas Grohmann geleitete Ensemble auch eine Uraufführung im Programm haben.

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Jan Arvid Prée

Um solche Pionierarbeit für zeitgenössische Musik macht sich das Orchester regelmäßig verdient - diesmal profitiert davon ein gerade mal 14-jähriger Komponist: Jan Arvid Prée, Kruzianer sowie Eleve der Komponistenklasse Dresden. Die feiert dieser Tage ebenfalls Jubiläum - das 30-jährige (s.o.). Dass neben ihrem Festkonzert am Sonntag in der Musikhochschule mit der Uraufführung von Jan Arvids Sinfonie A-Dur nahezu zeitgleich auch andernorts Früchte der Arbeit geerntet werden, kann als schöne Bestätigung der Bemühungen um die Förderung junger Talente gesehen werden. Im Falle Jan Arvid Prées ist Johannes Korndörfer der zuständige Lehrer.

In den Reihen des Dresdner Kreuzchores fehlt Jan Arvids Stimme momentan, da sich der einstige Stimmführer des ersten Soprans im Stimmbruch befindet. Knabenchorist zu werden war Herzenswunsch des schmalen blonden Jungen mit der auffallend korrekten Kleidung, der ein typisches Beispiel für die sprichwörtlichen stillen, aber tiefen Wasser ist und dessen zurückhaltende Erscheinung sich mit dem Selbstbewusstsein eines im Hintergrund werkelnden Talents ohne Musterknabenallüren paart. Seit Jan Arvid Prée Musik hörte, versuchte er hinter ihr Wesen zu kommen, spielte selbst Flöte und Klavier, sang. Als Kleinkind zog er mit seinen Eltern von Dresden in die Nähe von Stuttgart, vergaß aber nicht seine familiären und kulturellen sächsischen Wurzeln. Mit fünf Jahren eingeschult, wollte der Knabe in einen berühmten Chor eintreten, versuchte es erst bei den Thomanern, wurde wegen seines Alters abgelehnt und kam danach zum Dresdner Kreuzchor. "Meine Eltern waren sehr erstaunt, dass ich das möchte, weil in unserer Familie die Musik keine allzu große Rolle spielte. Wäre ich das einzige Kind gewesen, hätten sie bestimmt etwas dagegen gehabt", sagt er schmunzelnd. Gottlob gab es da ja aber noch den kleinen Bruder, und sie ließen ihren Ältesten ziehen, zumal in Dresden die Großeltern wohnen.

Im Kreuzchor wuchs die Liebe zur Musik mit dem Grad der Ausbildung. "Die ist hier schon sehr gut", meint Jan Arvid mit echter Dankbarkeit. Als Kruzianer, der von all seinen Mitschülern den weitesten Nachhauseweg hat, lebt er naturgemäß im Alumnat. Viel Internatszeit verbrachte er von Anfang an mit Musikhören, studierte die vom Kreuzchor aufgeführten Chorwerke so intensiv wie möglich, sog Klavierauszüge regelrecht ein, bestellte sich schließlich Partituren. Inzwischen darf er ausnahmsweise sogar bei Kreuzorganist Holger Gehring Unterricht nehmen. "Ich wollte immer wissen, wie die Musik funktioniert", sagt er.

Mit dem Komponieren begann er schon als Knabe, zunächst autodidaktisch, schließlich wurde er in die Komponistenklasse aufgenommen. Hier lernt er das Handwerkszeug: Instrumentierung, Formenlehre, Musiktheorie. Sein Lehrer kannte Matthias Herbig, einen der beiden Dirigenten des Haydn-Orchesters, - so kam die jetzige Uraufführung zustande.

Der Weg dahin war nicht einfach: Die erste Sinfonie des damals gerade 13-Jährigen erwies sich als zu aufwändig. Jan Arvid Prée wusste sich zu helfen - und komponierte kurzerhand seine zweite, die, rechnet man alle Werke zusammen, schon Opus 68 ist. "Vieles davon sind aber nur Skizzen und Ideen, die ich niedergeschrieben habe, das sind keine gültigen Kompositionen in dem Sinne", sagt er ziemlich abgeklärt. Mit dem Urteil "aufführbar" begannen die Proben, bei denen der Komponist natürlich fast immer dabei ist. "Das ist schon etwas sehr anderes, wenn man echte Instrumente spielen hört, als wenn man sich vom Notenschreibprogramm des Computers vorspielen lässt, was man da geschrieben hat." Das Besondere erfüllt Jan Arvid mit echtem Stolz. Dirigent Andreas Grohmann fragt ihn dann schon mal, ob das Tempo so in Ordnung ist, und der Teenager-Komponist weiß ganz genau, wie er was haben will. Man nimmt ihn ernst.

Einer der nächstliegenden Wünsche ist natürlich, etwas für den Kreuzchor zu komponieren, wo der Zehntklässler wohl in Kürze, stimmgewandelt als 1. Bass wieder mehr zu tun hat. Als Männerchorist ein eigenes Stück zu singen - was für ein Traum! "Es würde sicher ein geistlicher Text sein, das ist mir nah." Sein neues Werk hat sechs Sätze, dauert aber nur 13 Minuten. "Die Grundidee war ein kurzes musikalisches Motiv mit einem punktierten Rhythmus, und mich hat beschäftigt, wie das Thema im Laufe der Sätze variiert werden kann." Was den 14-Jährigen dazu bringt, Sinfonien zu komponieren, weiß er selber nicht so genau. Im Moment kann er nur in seiner unnachahmlich pragmatischen Art antworten: "Musikalische Gedanken aufzuschreiben, macht mir Spaß, und es ist das, was ich wirklich kann." Gibt es auch einen unwillkürlichen inneren Antrieb? "Darüber muss ich erst mal nachdenken. Wenn es so ist, werde ich ihn noch in Erfahrung bringen müssen."

Uraufführung der Sinfonie von Jan Arvid Prée am 6. Oktober,19.30 Uhr, Dreikönigskirche. Karten für 10, erm. 8 Euro. Tel. 0351/8124102.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.10.2012

Sebastian Konrad/DNN

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