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Das Geräusch, das denkt - Jealousy Mountain Duo verbüffte im Ostpol

Das Geräusch, das denkt - Jealousy Mountain Duo verbüffte im Ostpol

Auf der Bühne im Ostpol steht eigentlich nicht viel. Neben einem gewöhnlichen Drumset, einer Gitarre und zwei Verstärkern bloß noch ein paar Effektpedale. Das ist alles, was das Jealousy Mountain Duo braucht, um sein musikalisches Feuerwerk zu fabrizieren.

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Gitarrist Jens Berger und Schlagzeuger Jörg Schneider bilden zusammen das Jealousy Mountain Duo.

Quelle: Patrick Johannsen

Nicht einmal ein Mikrofon ist vonnöten, denn die beiden Musiker bleiben während des Konzerts stumm, die einzigen Worte kommen von Gitarrist Jens Berger, der sich zu Beginn für das Kommen der Zuschauer bedankt.

Und dann legen sie auch schon los. Der erste Song mit dem interessanten Titel "david has awesome hair" klingt von seinem Anfang her so, als ob die Band noch beim Soundcheck sei. Die Gitarre spielt solch eine wirre und ungerade Linie, dass man das noch nicht zwingend für ein auskomponiertes Stück halten muss. So haben auch viele Zuschauer des eigentlich gut besuchten Konzerts ihren Weg noch nicht in den Konzertraum gefunden. Beim zweiten Stück mit dem harmlosen Namen "rock the beach" ist es dann aber voll vor der Bühne. Und schon geht ein Raunen durch das Publikum. Es gelingt noch nicht, diese Musik einzuordnen: "Die haben es ja schon drauf, aber..." "Sehr experimentell..." "Ganz schön anstrengend..." Einig sind sich wohl alle, dass sie so etwas noch nie gehört haben: Die meist gezupfte Gitarre, die nie einen normalen Akkord spielt und sich ständig durch Loops fortpflanzt. Die zerfallenen Beats von Schlagzeuger Jörg Schneider, der so lange wie ein Wahnsinniger auf sein Drumset eindrischt, bis man das Gefühl hat, mindestens zwei, wenn nicht drei Schlagzeugern zu lauschen. Schließlich: die Rhythmen, die keine Gnade kennen. Selbst Captain Beefhearts Magic Band würde hier neidisch werden. Und wie auf deren Opus Magnum "Trout Mask Replica" gibt es auch hier allerlei Atonales und Arhythmisches zu hören. Das ist experimentell, und ja - auch ganz schön anstrengend.

"Drauf" haben die beiden Musiker es auf jeden Fall. Sie spielen diese äußerst komplizierten Stücke sehr präzise; manchmal fragt man sich, wie sie das überhaupt machen, während man selbst vergeblich nach der Eins im Takt sucht.

Natürlich ist das Kopfmusik, aber man wird das Gefühl nicht los, dass diese Musik weniger aus den Köpfen der Musiker kommt, sondern vielmehr ein Eigenleben mit eigenem Kopf entwickelt. Der französische Schriftsteller Victor Hugo definierte Musik einst als "Das Geräusch, das denkt". Vielleicht trifft genau das auf die Geräusche des Jealousy Mountain Duo zu. Eine wahrlich magische Band.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.06.2012

Falk Ulshöfer

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