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Das Eric St-Laurent Trio bot Jazz mit Latin im Blue Note

Das Eric St-Laurent Trio bot Jazz mit Latin im Blue Note

Immer wieder die Perlen am Wegesrand... Ich sprüh's an jede Häuserwand: Leute, das Leben ist zu kurz, um "Move Like Jagger" zu hören oder Freitagabende dem Verblödungs-TV zu schenken.

Vor allem, wenn in allernächster Nähe für kleines Geld Weltklasse-Musik geboten wird.

Zwei Wochen war das kanadische Eric St-Laurent Trio in Deutschland und Holland unterwegs, der letzte Abend vor der Rückkehr nach Toronto war dem Dresdner Blue Note gewidmet. Und: Von Sich-Ausruhen nach Tour und vor Langstreckenflug keine Spur. Nach mehr als zwei Stunden feinstem Programm ging es mit Zugaben munter weiter.

Sie haben ihre eigene Nische im Universum des Jazz gefunden, ohne dass sie den Eindruck machen, danach gesucht zu haben. Chef, Namensgeber, Komponist und Mastermind St-Laurent ist ein herausragender Gitarrist, wie es ja nicht eben wenige gibt. Er spielt seine komplizierten und komplexen Läufe jedoch ausschließlich auf der E-Gitarre, was auch den verschachteltsten Figuren noch etwas leicht Rockiges gibt. Jordan O'Connor überrascht auf der Bühne mit einem elektrisch verstärkten Kontrabass, und auch wenn die Antwort auf die Nachfrage lautet, das sei einfach beim Reisen praktischer, so gibt es natürlich doch einen anderen, eigenen Klang. Peter Valsamis schließlich sorgt mit seinen Percussions für die karibische, die lateinamerikanische Note in den Songs.

Faszinierend, wie er die Tumbas mal mit der Handfläche, mal mit deren Kante, mal mit dem Unterarm berührt, streicht, anschlägt; sie kippt und dreht. Dabei sitzt er ganz cool, mit unbewegter Mine hinter den beiden Trommeln, während Eric St-Laurent völlig von seinem Saitenspiel absorbiert ist und Jordan O'Connor sein Instrument lächelnd zu umschmeicheln scheint, mitunter mit diesem spricht.

Die Drei vermitteln intelligente gute Laune, wenn sich in St-Laurents Gitarre aus dem Lehrbuch für Meisterschüler eine Kinderlied-Sequenz hineinschlängelt, O'Connor Jazz reinsten Wassers zupft, um dann rockig zu werden, Valsamis uns unter Palmen entführt. Immer wieder werden die kompliziertesten Passagen in eine Melodie zurückgeführt, nie verliert man als Zuhörer den Faden, nie hören die Füße auf zu wippen. Das hat mitunter etwas von einem Carlos Santana, der besser ist, als er es jemals zu träumen wagte.

Inmitten des Querschnitts aus vier CDs, immerhin fast zwanzig Jahren, gibt's auch Brandneues: Blitzschnell und hypernervös kommt der "Skinny Lizard" daher, treibt Schabernack, zieht sich zurück, um dann mit dem Wah-Wah-Pedal und zu den lautmalenden, unverstärkten Gesangstönen von O'Connor durch die Gegend zu stromern. Die einzige Vokaleinlage des Abends, abgesehen von den Ansagen - weitestgehend in Deutsch. Eric St-Laurent, der von 1996 bis 2006 in Berlin lebte, hat die Sprache dort gelernt, kehrt gern zurück, hat im Studio P4, im ehemaligen Gebäude des DDR-Rundfunks in Köpenick, auch jetzt wieder Songs für die nächste CD eingespielt. Auch in Dresden könne er sich vorstellen zu leben, erzählt er im Gespräch. Wobei Kollege Till Brönner, mit dem er vor Jahren den Soundtrack zu einer Doku über die Tour de France einspielte, weniger eine Rolle spiele als das lebendige Kulturleben in der Stadt. Schönes Kompliment von einem Mann, der in Montreal geboren ist, in New York studiert hat und heute in Toronto lebt! Beate Baum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2012

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