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Das Duo Schwarze Grütze feierte in Dresden Geburtstag

Das Duo Schwarze Grütze feierte in Dresden Geburtstag

Sie sind sozusagen die Ausnahme von der Regel. Denn als sich Stefan Klucke (heute 44) und Dirk Pursche (heute 47) anno 1995 im brandenburgischen Alltag wiederfanden, blickten sie noch mit reichlich Stolz in die Zukunft.

Dresden. Sie sind sozusagen die Ausnahme von der Regel. Denn als sich Stefan Klucke (heute 44) und Dirk Pursche (heute 47) anno 1995, nach Absolvierung eines erfolgreichen Pädagogikstudiums, im brandenburgischen Alltag wiederfanden, blickten sie noch mit reichlich Stolz in die Zukunft. Durften sie doch nun per Lehrerdiplom die Lehren von pädagogischen Urgesteinen wie Makarenko und Pestalozzi an den Nachwuchs der Bundesrepublik weitergeben. Das machte ihnen anfangs durchaus auch Spaß und Freude. Doch tief in den beiden schlummerte damals wohl schon das Gefühl, dass der bisweilen ziemlich schlichte Lehreralltag eigentlich nicht das Ziel zweier kreativer Menschen sein sollte. Ergo besannen sich die beiden einerseits auf ihr beiderseits erfolgreich absolviertes Musikstudium, andererseits auf ihren übereinstimmenden Hang zum schwarzen Humor und zum dritten auf ihr Talent, mittels Stimme, Piano und Gitarre vor allem schräge, skurrile, komische, gar saukomische Texte unters Volk zu streuen. Die Schwarze Grütze wurde zum Titel des Tuns der beiden erhoben, ist der Begriff in Brandenburg doch das Synonym für eine Mixtur aus Scharfsinn und Humor.

Auf dieser Basis nun erwies sich der Plan der beiden als überaus erfolgreich. Denn anno 2015 schauen sie auf eine 20-jährige erfolgreiche Bühnenkarriere zurück, in der eine stattliche Anzahl satirischer abendfüllender Programme entstanden sind. Mit denen gastierte sie auch in schöner Regelmäßigkeit in der Dresdner Herkuleskeule. Auch natürlich mit ihrem vorletzten Programm "Tabula rasa trotz Tohuwabohu", dessen Titel selbst für den eingefleischtesten Fan des Kabaretts zu einer Art Zungenbrecher wurde.

Und auch beim jüngsten Gastspiel der Schwarzen Grütze war der Saal des Dresdner Kabaretts wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Denn "Das Besteste" - so der Titel des aktuellen Programms - bescherte den zahlreichen Schwarze-Grütze-Fans einen repräsentativen Querschnitt der bisherigen Tätigkeit der beiden Musikkabarettisten. Und darunter fanden sich nicht wenige Songs, die das Stammpublikum schon fast fehlerfrei mitsingen konnte. Wie etwa das bereits legendäre "Hochhauslied", das mit fast schon unerträglicher Spannung von einem verhinderten Selbstmord erzählt. Oder die herrlich komische Frage "Warum sein Kind nicht Adolf nennen?" Nicht zuletzt überzeugt auch das Eigenbekenntnis der Schwarzen Grütze, "keine Band für eine Nacht" sein zu wollen.

Natürlich schaute auch "Das Besteste" in den Sketchen und Liedern nicht nur zurück, sondern widmete sich auch haarscharf der politischen Gegenwart. Da bot der Spielort Dresden doch einige hörenswerte Steilvorlagen. Allen voran die regelmäßig durch die Innenstadt marschierenden Pegida-Zündler. Dirk Pursche und Stefan Klucke meinten angesichts der aktuellen Provokation: "Die haben einen Galgenhumor, die da auf der Straße."

Ein durchaus scharfer Blick auf die Berliner Politik findet sich ebenfalls bei der Schwarzen Grütze. Natürlich vor allem hinsichtlich des Flüchtlingsansturms auf Europa. Probleme bezüglich des Sprachengewirrs sind dabei das geringere Problem. Auch dem Chinesen, der mitten in Europa klagt "Ich lebe in Almut wie die Gliechen." kann am Ende geholfen werden. Denn - das meint die Schwarze Grütze - die "Welt ist rund und hat 'ne Scheibe".

Jedenfalls waren Zugaben nötig. Klucke und Pursche verwiesen klugerweise auf Ritalin, ihr schon vor Zeiten als besonders heilend empfohlenes und einzig erfolgreiches Mittels gegen ADHS. Mal seh'n, ob's hilft.

von Wolfgang Zimmermann

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