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Das Dresdner Albertinum lädt zu einer Reise durch die Geschichte der Malerei des 19. Jahrhunderts

„Unter italischen Himmeln“ Das Dresdner Albertinum lädt zu einer Reise durch die Geschichte der Malerei des 19. Jahrhunderts

Farbe und Licht: Eine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zeigt bis Ende Mai Italienbilder deutscher und internationaler Künstler aus dem 19. Jahrhundert. Die umfassende Retrospektive mit dem Titel „Unter italischen Himmeln“ im Albertinum wird von den Dresdner Neuesten Nachrichten als Medienpartner präsentiert.

Blick in die Ausstellung „Unter italischen Himmeln“ im Dresdner Albertinum.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben derzeit ein Landschafts-„Hoch“. Bis in den Januar luden sie ins „Paradies auf Erden“, das auf dem umfangreichen Bestand flämischer Landschaftsmalerei des 16./17. Jahrhunderts der Gemäldegalerie Alte Meister beruhte. Wenngleich es in dieser Zeit zunächst um die Erfindung der Landschaft als selbständiges Genre der Malerei ging, zog es schon dazumal manchen Künstler unter „italische Himmel“. Und dort entstandene Werke beziehungsweise ihre Motive wurden zu „Vorbildern“ für andere – nicht zuletzt dank der Verbreitung mittels Kupferstich.

Unvergleichlich mehr zum – wohl auch besser erreichbaren – Sehnsuchtsort wurde das „Land, wo die Zitronen blüh’n“ allerdings im 19.Jahrhundert, nicht zuletzt nach dem Erscheinen von Goethes „Italienischer Reise“ 1816/17. Kunst, Landschaft und Lebensart schienen sich „unter italischen Himmeln“ in einer Vollkommenheit zu verbinden, dass jeder Aufenthalt in ungekannter Weise beflügelte. Den daraus entstandenen „Früchten“ widmet das Albertinum die Schau „Italienbilder zwischen Romantik und Realismus“, für die die Dresdner Neuesten Nachrichten wiederum Medienpartner sind. Die 125 gezeigten Werke, vor allem Gemälde, aber auch Studien und ergänzende Skulpturen, stammen großteils – manche davon bisher kaum sichtbar – aus dem Albertinum, einige aus der Gemäldegalerie Alte Meister.

Auch diesmal war in relativ kurzer Zeit – knapp zwei Jahre – eine aufwendige restauratorische Arbeit zu leisten, um Bilder, etwa zwei römische Studien Johann Carl Baehrs von 1834/35, wirkungsvoll, unter anderem ohne vergilbte Firnisschicht, präsentieren zu können. Diese und manche andere der jetzt gezeigten Werke waren im vergangenen Jahr bereits im Neuen Schloss in Bad Muskau, in der Literatur und Malerei gewidmeten Präsentation „Italienische Landschaft der Romantik“ gezeigt worden. Im Albertinum nun sind Romantik und Spätromantik nur Schwerpunkte unter anderen. Die Ausstellung weitet den Blick bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts, bezieht etwa Deutsch-Römer, aber auch Realisten, Pleinairisten und Symbolisten ein. Zugleich macht sie internationale Bezüge und Vernetzungen sichtbar, die für deutsche Künstler von hervorragender Bedeutung waren.

Die beiden Kuratoren der Ausstellung, Heike Biedermann und Andreas Dehmer, vor Max Klingers „ Das Kolosseum in Rom“, 1888

Die beiden Kuratoren der Ausstellung, Heike Biedermann und Andreas Dehmer, vor Max Klingers „ Das Kolosseum in Rom“, 1888.

Quelle: Dietrich Flechtner

Anfänglich wird der zeitliche Bogen zurück gespannt – fast bis zur eingangs genannten Schau, hin zu Claude Lorrains „Küstenlandschaft mit Acis und Galathea“ (1657). Denn dieses wie auch andere seiner Werke sowie jene Poussins waren für viele Maler, gerade auch des Klassizismus und der Romantik, Norm setzend bezüglich der Komposition. Nicht weniger bedeutend und schon in die Moderne weisend, wirkten Johan Christian Dahl, Camille Corot und besonders William Turner. Beispielhaft in diesem Sinn ist Turners „Italienische Bucht“ von 1827/28, die in ihrer Reduziertheit und ihrer Lichtstimmung damals revolutionär war und dementsprechend unterschiedliche Reaktionen hervorrief, am Ende aber Wirkung auf das Schaffen anderer hatte. Es verwundert also nicht, dass eine Reihe Werke dieser Künstler, aber etwa auch vom Düsseldorfer Oswald Achenbach, darunter die impressionistische „Piazza del Popolo“ (1895) als Leihgaben aus bedeutenden Museen Londons, Düsseldorfs, Münchens oder Kopenhagens herangeholt wurden.

Vom schon genannten Claude Lorrain führt der Weg unter anderem über Julius Schnorr von Carolsfeld, Ludwig Richter und Carl Blechen zu Spätromantikern wie Carl Gustav Carus und Friedrich Nerly, weiter zu Künstlern wie Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach oder Hans von Marées. Langsam setzten sich in der Italienreflexion realistische und, wie schon angedeutet, impressionistische Herangehensweisen durch, was auch hieß, dass der Alltagsmensch in die Bilder einzog, so bei Adolph Menzels „Piazza d’ Erbe in Verona“. Der Bogen der Ausstellung schließt sich um 1900 unter anderem mit Werken von Hermann Prell, aber auch seiner Frau Sophie, was für diese Zeit ja außergewöhnlich ist (sie ist auch die einzige Frau in dieser Ausstellung), Max Klinger und Ludwig von Hofmann. Bei dessen symbolhaftem Bild „Frühling“ (1895) ist die Sehnsucht nach Harmonie in einer eigentlich schon aus den Fugen gehenden Welt mehr als augenscheinlich. Zugleich weisen diese letzten Abschnitte der Schau auf die zunehmende stilistische Ausdifferenzierung der Kunst in unterschiedliche Strömungen, die sich dann im 20. Jahrhundert fortsetzte.

Diese wirklich sehenswerte Schau, die nach Hilke Wagner, Direktorin des Albertinums, zu einer „Reise durch die Geschichte der Malerei des 19. Jahrhunderts“ einlädt, konnte sich, abgesehen von der Unterstützung des Freistaats , auch jener der Ernst von Siemens Kunststiftung und der friede springer stiftung versichern, wodurch wohl nicht zuletzt das äußerst umfangreiche Begleitprogramm möglich wurde. Bleibt noch zu klären: Warum lautet das Motto „Unter italischen Himmeln“? Diese Wortschöpfung ist Heinrich von Kleist zu verdanken, der 1801 in einem Brief an seine Verlobte vom, offensichtlich smogfreien, „reinen blauen italischen Himmel“ über Dresden schrieb. Zuvor hatten Italiennähe ja schon jene entdeckt, die das in die Flusslandschaft eingebettete Dresden „Elbflorenz“ nannten.

Bis 28. Mai, 10 bis18 Uhr, Mo geschlossen. Zur Ausstellung sind zwei Publikationen im Sandsteinverlag erschienen:
Italienische Landschaft der Romantik. Malerei und Literatur, 19,80 Euro (Museumsausgabe 12 Euro), Italienbilder zwischen Romantik und Realismus. Malerei des 19.Jahrhunderts, 29,80 Euro (Museumsausgabe 19,80 Euro) – beide Bände zusammen 39,80 Euro (Museumsausgabe 29,80 Euro), ebenfalls zum Thema liegt Heft 1/2017 der Kunstblätter vor (5 Euro);

Info und Anmeldung zu Veranstaltungen: Tel. 0351/49142000 oder besucherservice@skd.museum

Von Lisa Werner-Art

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