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Regional Dan Mangan + Blacksmith zum dritten Mal im Beatpol
Nachrichten Kultur Regional Dan Mangan + Blacksmith zum dritten Mal im Beatpol
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23:45 09.09.2015
Dan Mangan im Beatpol. Quelle: Dietrich Flechtner

Es soll nicht nach Planerfüllung klingen, denn auch das dritte Konzert des Kanadiers in Dresden war wohlig ausgewogen, in keiner Phase überladen oder gar affektiert auf Porträt getrimmt. Es war gut. Lassen wir dieses wunderbare kleine Wort einfach mal so stehen. Man hörte auch "stark", "groß" und "danke".

Dem ersten Fast-Sommertag gemäß, eröffneten im Beatpol Cristobal And The Sea. Es ist ein Quartett aus London, besetzt mit einer Korsin, je einem Spanier, Portugiesen und Engländer, die sich mit Querflöte, Hall, tänzelndem Puls und wehenden Saiten vor allem an brasilianischer Musik verbissen haben. Da hören wir das nächste Mal noch mal genauer hin!

Dan Mangan + Blacksmith halten 2015 live, was die neue CD am Anfang des Jahres versprach: Sie sind eine gemeinsam atmende Band geworden. Hier wird kein Frontmann begleitet. Im Gegenteil: Mangan ist auffällig viel im Rückwärtsgang, bestrebt, sich nicht in den Vordergrund zu spielen und zu singen, obwohl er gerade Letzteres mit Volumen, dafür ohne Mühe könnte.

Positiv betrachtet, hielt sich der bandeigene Techniker am Mixer an die neue Ausrichtung. Realistisch besehen, muss man allerdings feststellen, dass er fürs ausdifferenzierte Steuern dieser so göttlich besetzten Band schlichtweg kein Gefühl hatte. Klang wird nicht überbewertet! Nicht für dieses Songmaterial, nicht für diese homogene Gruppe! Schade, dass der Beatpol-eigene Mann des Pultes verwiesen wurde. Man hörte Blitz innerlich grummeln: "Schlagzeug viel zu weit vorn", "E-Gitarre zu matschig, die akustische zu leise und die Stimme - merkst du das nicht? - viel zu tief im Nebel!" Genug geärgert! Obwohl, wo wir schon beim Ärgern sind: Der Redaktion liegen die Namen von zwei Menschen vor, die ihre Enttäuschung darüber nicht verbergen wollten, dass dieses so mutig herzgrapschende Stück "Pretty Good Joke" nicht kam und sie stattdessen mit "Jeopardy", einer Art Singalong-Stadion-Lied fürs Lächeln im Gemüt, gehen mussten. Beide redeten sich danach die Lücke schön. Und hockten sich wohl die halbe Nacht vor das auch an dieser Stelle so hochgelobte Video!

Grandios ist, wie Dan Mangan auf der Bühne mit verwebten Electronics arbeitet. Ein kleines Kratzen am Lack von Hörgewohnheiten ist's, Störgeräusch, wenn es zu wohlig werden sollte, Anfang, Übergang, Türklinke. Auch hierbei: kein Anbiedern an Geschmäcker! Mangan und seine Kollegen machen ihr eigenes Druck-Werk. JP Carter schiebt seine reine wie modulierte Trompete auf und unter die flatternden Läufe und Patterns von Gitarrist Gordon Grdina, die Rhythmusgeber Kenton Loewen (Drums) und John Walsh (Bass) wissen um ihre exponierte Funktion und Wirkung in diesem Five-Pack. Wo ein Lied wie "Vessel" vielleicht noch als unaufdringliche Referenz an Peter Gabriel daherkommt, sind Mangan + Blacksmith ansonsten klar erkennbar als sie selbst. Bei "Mouthpiece" als Treibende, bei "New Skies" als Dramaten. "Road Regrets" als Früh-Stück ist eine Art Weiße Hochzeit von Akustik und Elektrik, "Starts With Them, Ends With Us" verkündet die Ahnung eines freien Jams später im Programm, bei dem sich die Band in die Nähe zum progressiven Jazzrock bewegt, ohne dass es auch hier unangenehm wird oder aufdringlich. Könnte sogar sein, der munter ausschreitende Dan Mangan bleibt demnächst länger dort.

Es ist selten geworden, dieses Gefühl, sich noch während eines Konzerts auf das nächste zu freuen. Es soll keine Unrast sein, sondern Genuss im Hier und Morgen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.04.2015

Andreas Körner

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