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DSDS - Dresden sucht den Superintendanten - Wie geht es weiter in der Semperoper?

DSDS - Dresden sucht den Superintendanten - Wie geht es weiter in der Semperoper?

Wohin man kommt im deutschen Opernland, fast immer, sofern man sich als Dresdner zu erkennen gibt, wird man gefragt, wer wird's denn nun, wie geht es weiter, wer wird denn Intendantin oder Intendant der Semperoper.

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Dresdens Opernintendantin Ulrike Hessler starb Ende Juli 2012.

Quelle: Arno Burgi

Machen sich wirklich so viele Menschen ernsthaft Sorgen um die Zukunft der Oper hier oder will man nur mitreden oder besser miträtseln oder bestenfalls auch nur so tun, als wüsste man schon, was eigentlich noch niemand wissen kann. Eine eigens einberufene Findungskommission ist zur Verschwiegenheit verpflichtet, und wer dem hohen Gremium angehört, sollte eigentlich auch nicht bekannt sein.

Also blühen die Spekulationen. Er wüsste schon ganz sicher, für wen man sich entschieden hat, sagt ein Sachse, der jetzt von Wien aus seine Netze spannt, in einer Leipziger Premierenpause, aber er sage es natürlich nicht. Nur, und das auf Nachfrage, dass die Rettung für Dresden wohl nicht aus Wien kommen werde, sei zu vermuten. Ist der Intendant der Wiener Staatsoper Dominique Meyer überhaupt im Rennen? Man kann ja nie wissen.

Als man jüngst immer wieder mal die Urenkelin Richard Wagners in Dresden sah, in der Oper und im Schauspielhaus, da wurden natürlich Vermutungen mehr oder weniger lautstark geäußert. Aber die streitbare Nike Wagner tritt auf keinen Fall die Nachfolge der verstorbenen Dresdner Intendantin Ulrike Hessler an. Ihre Zeit in Weimar ist in diesem Jahr zu Ende, aber schon steht fest, sie wechselt nach Bonn als Chefin des Beethovenfestes. Und ob man sich als Kuratorin eines mittelgroßen Kunstfestes in Weimar wirklich für die Leitung eines Hauses wie dem der Sächsischen Staatsoper empfiehlt, wäre zu prüfen.

Man könne sich keinen Qualitätsverlust erlauben, so Wolfgang Rothe, kaufmännischer Geschäftsführer der Sächsischen Staatstheater, gestern im Interview mit dieser Zeitung. Das heißt doch wohl, freundlich ausgelegt, dass es höchste Zeit ist, die Leitungsposition zu besetzen. Und etwas weniger freundlich interpretiert, heißt das zumindest, Anzeichen für drohende Schwierigkeiten sorgen für erste Trübungen am Dresdner Opernhimmel.

Also, wer wird die hohe Kommission überzeugen, wer wird mit künstlerischem Anspruch, mit Weitblick, vor allem mit konstruktiven Kompromissen in der Lage sein, den besonderen Ansprüchen Dresdens gerecht zu werden? Da sind die Traditionen, ganz schön heruntergespielt inzwischen, etwa das knappe Repertoire seiner Werke im Wagner-Jubiläumsjahr. Das sah schon besser aus und klang auch besser hier. Schon will der nächste Hausgott gefeiert werden, Richard Strauss, für 2014 steht der 150. Geburtstag an. Da glimmt ein Hoffnungsschimmer, eine neue "Elektra", "Arabella" als Übernahme aus Salzburg.

Langsam ist zu spüren, dass mit Christian Thielemann ein Dirigent da ist, dem gerade Wagner und Strauss am Herzen liegen. Erste Ausflüge in italienische Operngefilde hat er ja auch schon an drei Abenden gemacht. Aber, und woher kommt der starke Partner, die starke Partnerin, Thielemann hat eigene Ideen, bevorzugt den vokalen Glanz, die Opernopulenz, weniger das Experiment der szenischen Deutung. Auch das gehört zur Lebensfähigkeit eines Opernhauses, dieser Hauch von Luxus, die besonderen Höhepunkte einer jeden Saison. Nun kommt es auf das Geschick einer künftigen Leitung an, jenen Glanz auch dann zu vermitteln, wenn sich das Musiktheater dem Experiment, dem Ungewöhnlichen, dem Unbekannten stellt. Die Semperoper war einst ein Ort der Uraufführungen. Es wird darauf ankommen, neue Publikumsgruppen ins ehrwürdige Haus zu holen, wie wichtig eine Junge Szene auf der Probebühne wirklich ist, wird sich noch erweisen müssen. Das Ballett hat da mit manchen Produktionen die Nase vorn und spricht den Publikumsnachwuchs an. Also wird ein zukünftiger Intendant, eine Intendantin, hier hoffentlich zeitgemäße Chancen, nicht Konkurrenzen sehen.

Welche Persönlichkeit kommt da in den Sinn? Keine Frage, Serge Dorny, derzeit gerade in solchem Sinne höchst erfolgreich in Lyon. Aber können wir da noch Hoffnungen haben, nachdem eine gezielte oder unüberlegte Indiskretion seinen Namen schon als Gewinner in die mediale Öffentlichkeit brachte und ein anderer, derzeit noch unbekannter Kandidat, seine Bewerbung zurück zog. Ein dummer Vorfall, der schlimmstenfalls eine Verlängerung des Prozedere nach sich zieht.

Die Opernspatzen pfiffen auch davon, dass Operettenintendnat Wolfgang Schaller, den es ja schon immer ins Zentrum der Stadt zieht, an seine alte Wirkungsstätte zurück wolle und dass Axel Köhler, derzeit ausgesprochen erfolgreich als Opernintendant in Halle, interessiert sei. Aber es ist ja Stillschweigen vereinbart.

Und nicht zu vergessen, als es 2007 Hans-Joachim Frey nach Bremen an die Weser zog, fragte ihn diese Zeitung, ob er sich den vorstellen könne, nach der erfolgreichen Sanierung des Theaters an der Weser seine Koffer an der Elbe wieder auszupacken, um erster Dresdner Generalintendant zu werden "Ich bin gerne in Dresden und offen für alles", so damals Frey. Wie offen die Arme in Dresden ausgebreitet sind, wissen wir nicht, laut jüngster Facebookmeldung hält sich Frey derzeit in Tashkent auf und lächelt in landestypischer Kleidung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.05.2013

Boris Michael Gruhl

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