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DJ Westbam ist 50 und legt immer noch auf - warum?

Der Mann dere Neunziger DJ Westbam ist 50 und legt immer noch auf - warum?

Dresden. Er ist wieder da. Oder immer noch. Der Mann, der 1989 mit ein paar Freunden in Berlin auf die Straße ging, Platten auflegte und das Feiervolk hinter sich her tanzen ließ. Technoplatten, die sie bis dahin nur in dunklen Clubs gespielt hatten, brachten sie ans Tageslicht.

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DJ Westbam kam, sah - und machte alles so wie immer.

Quelle: Andreas Lander

Dresden. Er ist wieder da. Oder immer noch. Der Mann, der 1989 mit ein paar Freunden in Berlin auf die Straße ging, Platten auflegte und das Feiervolk hinter sich her tanzen ließ. Technoplatten, die sie bis dahin nur in dunklen Clubs gespielt hatten, brachten sie ans Tageslicht. Und selbst wenn Westbams Musik nun wieder meistens im Dunkeln stattfindet, mit dem heimlichen Gefühl von damals hat sie nicht mehr viel zu tun.

Da steht er. Ein kleiner, untersetzter Typ, schwarzes Basecap, schwarzes T-Shirt - mehr als den Oberkörper sieht man von einem DJ ja nicht. Er steht mitten im feiernden Publikum. Im Blauen Salon des Parkhotels. Es ist zwei Uhr morgens und der gepolsterte Saal mit den dunkel gemusterten Teppichen an den Wänden und dem riesigen Kristalllüster ist mit zurechtgemachten Menschen gefüllt. Niemand wirkt hier so, als hätte er die letzten 30 Jahre in dunklen Clubs verbracht. So wie Westbam, der da vorne in die Hände klatscht, Geschwindigkeiten reguliert. Der ab und zu mal übers elektronische Mischpult wischt oder mit dem Ellenbogen scratcht. Lange her sind die Zeiten, in denen er noch für jeden neuen Track eine andere Platte auflegen musste. Beschäftigt ist er trotzdem. Mal hält er ein Plüschherz an sein eigenes - jemand macht davon ein Foto, dann schreibt er Autogramme, dann gibt's noch ein Gruppenfoto. Westbam hat seine Fotoposen drauf. Und das alles integriert er so professionell in sein Set, als wäre es Teil der Performance. Keine Distanz zwischen dem, der oft als Miterfinder des Techno, zumindest der populären Version, gehandelt wird und einem Publikum, das eher so wirkt, als wäre es eben immer da, wenn im Parkhotel eine schicke Party gefeiert wird. Westbam scheint die Diskrepanz nichts auszumachen. Vielleicht freut er sich ja wirklich einfach nur, wenn Leute zu seiner Musik abgehen.

Was er da allerdings zusammengestellt hat, ist wenig spannend. Immer wieder Monotonie, keine Überraschungen. Bumm tschack, bumm bumm tschack. Seine aufs reine Abfeiern minimierten House und Techno-Tracks werden erst gegen Ende von ein paar blechernen Electro-Beats durchbrochen. Kurze Erinnerung an seine frühen Kollaborationen mit Afrika Bambaataa. Mit "Beatboxrocker" oder "Hard Times" landet er schließlich in den Neunzigern, in Westbams Jahrzehnt, könnte man sagen, und damit bei seiner Maxime "We'll Never Stop Living This Way". Für ihn hat sich das ja im Prinzip bewahrheitet, auch wenn er jetzt gern mal zeitig zu Bett geht und zwei pubertierende Kinder erzieht. Er lebt sein DJ-Produzenten-Musikerdasein, hat seinen tausenden Platten sogar eine eigene Wohnung spendiert. Auch das letzte Album "Götterstraße" (2013, Vertigo) war nicht so übel. Er besorgte sich Gastsänger von Inga Humpe (2raumwohnung) über Iggy Pop und Kanye West bis zu Bernard Sumner (New Order) und ließ die über seine minimalistisch auf Computerbeat getrimmten, wavigen und manchmal sogar noch im Ansatz punkigen Tracks singen. Das hatte so eine kühle Melancholie, die ihm gut stand.

Ihm, dem Vorraver der Raving Society, einer tanzenden Gesellschaft, die alle umarmen wollte, und die sich seit den frühen 2000ern doch längst wieder zurückgezogen hat in die Clubs und auf die elitären Tanzflächen, bewacht durch Türsteher, die manchmal populärer sind, als die, die drinnen auflegen. Was Westbam bleibt sind alle die, die da nicht dazugehören können. Die After-Work-Party der Gesellschaft. Nach zwei Stunden wirkt der kleine Mann vor ihnen nicht mehr so energetisch wie noch zu Beginn - die Colas, die er die ganze Zeit trinkt, wirken wohl nicht auf Dauer aufputschend. Die zwei Männer direkt neben ihm haben definitiv den besseren Stoff genommen und schunkeln schon eine ganze Weile mit aufgerissenen Augen neben ihm her. "Der Kultivierte bereut nie einen Genuss. Der Unkultivierte weiß überhaupt nicht, was ein Genuss ist." Oscar Wilde hat das einmal seinen Protagonisten Dorian Gray sagen lassen. Nun steht der Spruch im Parkhotel, über einer Durchgangstür am Saalende, und lässt einen seltsam ratlos zurück. Er wirkt hier mindestens so fehl am Platz wie der ehemals so große Westbam. Und gleichzeitig passt er jetzt genau hier her, denn das Neue und Aufregende, das machen längst andere.

von Juliane Hanka

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