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DDR-Plakate in Essen: Ausstellung "Anschläge von drüben"

DDR-Plakate in Essen: Ausstellung "Anschläge von drüben"

"Anschläge von ,Drüben'. DDR-Plakate 1949-1990" ist der Titel der Ausstellung, die das Folkwang Museum in Essen zeigt. Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer widmet sich die Exposition der erstaunlichen Vielfalt und Qualität der Plakatkunst in der DDR. Einerseits spiegelt die Schau die ideologischen Vorgaben im Plakat wider, wie sie in der DDR besonders bei politischen Themen spürbar waren, andererseits stellt sie auch exzellente künstlerische Leistungen vor, die trotz Bedrückung, Materialknappheit und manchmal geringer Druckqualität zwischen 1949 und 1990 entstanden sind.

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Bernd Hankes Plakat "Denkmal nach!" von 1983 mit der Ruine der Frauenkirche.

Quelle: Katalog

Klar ist eines: Die Ausstellung versteht sich nicht als eine Präsentation der vermeintlich "besten" DDR-Plakate, sondern sie will einen chronologisch geordneten Überblick über die Bereiche Politik und Propaganda, Produktwerbung sowie Kunst und Kultur geben.

Dabei sollte beachtet werden, dass die Plakate aus der DDR im umfassenderen Sinne "Kinder ihrer Zeit" waren: Wie auch in der damaligen Bundesrepublik gab es im zur Debatte stehenden Zeitraum in der DDR noch kein computergestütztes Gestalten, und auch die Drucktechnik hatte hier wie da noch nicht das heutige technologische Niveau erreicht. Und so bezeugt die Essener Ausstellung sowohl das hohe künstlerisch-kreative als auch das exzellente handwerkliche Niveau des Plakatschaffens in der Periode vor dem Eintritt ins Zeitalter des computergestützten Grafikdesigns. Dabei wird sichtbar, dass viele der ausgestellten Plakate auch deshalb Meisterwerke sind, weil sie nach einem Grundsatz geschaffen wurden, der in heutiger Zeit häufig un- beachtet bleibt: "Erst denken, dann gestalten".

Das Themenspektrum der Plakate war breit gefächert und reicht von politischen Plakaten über - im Laufe der Jahre in der Bedeutung stark gewandelte - Plakate zur Produktwerbung bis zu Werbung für Ausstellungen, Theaterinszenierungen, Filme, Messen und Konzerte.

Heutzutage ist das Plakat als wichtiges Werbe- und Kommunikationsmittel in fast allen diesen Feldern abgelöst worden. Politische Propaganda beispielsweise wird gegenwärtig fast ausschließlich über elektronische bzw. digitale Medien oder, mehr oder weniger versteckt, in der Presse gemacht; Plakate sind für politische Botschaften allenfalls nachrangiges Beiwerk. Die Vielfalt auf den Litfaß-Säulen gibt es nicht mehr, im Format genormte, ohnehin nur in Großstädten bewirtschaftete City-Light-Poster können den ästhetischen Verlust nicht ersetzen. Massenplakate zu Mega-Konzerten oder Sex-Messen für das Bekleistern von Bauzaun-Flächen sind grob gestaltet, damit Vorüberfahrende wenigstens die wichtigsten Infos erhaschen können.

Und so gerät diese brillante Ausstellung in Essen auch zu einem beeindruckenden visuellen Nekrolog auf eine (natürlich nie völlig) untergehende Kunstgattung. Man staunt und erfreut sich daran, wie witzig und hintersinnig Plakate sein können, wie zeichnerisch von leichter Hand sie häufig gestaltet sind (was auch heutzutage im Digitalzeitalter möglich wäre), wie typografisch souverän viele von ihnen daherkommen.

Ein Katalogbuch ermöglicht es dem Interessenten, auch im Nachhinein Plakate und Künstler miteinander zu vergleichen und manches vor dem Vergessen zu bewahren. Sehr hilfreich sind dabei die Textbeiträge von Sylke Wunderlich, der Kuratorin, und René Grohnert, dem Leiter des Deutschen Plakat Museums, das Ausstellung und Katalogbuch verantwortet.

Für Dresdner Plakatfreunde haben Ausstellung und Katalog noch eine besondere Bedeutung. Sind hier doch mit Dresdner Grafikern wie die Altmeister Wilhelm Schubert, Horst Naumann, Willy Petzold und Wilhelm Rudolph aus den Nachkriegsjahren, mit den einflussreichen Günther Schmitz und Fritz Springefeld (fünfziger und sechziger Jahre) sowie mit Bernd Hanke, Jürgen Haufe und Ekkehard Walter (siebziger Jahre und später) bedeutende Plakatkünstler vertreten, die weit über die damalige Bezirkshauptstadt hinaus ausstrahlten.

Von Walter wird ein Plakat zu Peter Hacks' "Prexaspes"-Inszenierung in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre gezeigt, von Haufe eines für eine eigene Ausstellung in Suhl im Jahre 1986 und von Hanke dessen berühmtes Plakat "Denkmal nach!" von 1983 mit der Ruine der Frauenkirche.

bis 19. April im Museum Folkwang Essen, Museumsplatz 1 www.museum-folkwang.de

Katalogbuch: "Anschläge von ,Drüben'. DDR-Plakate 1949-1990", Museum Folkwang (Hrsg.), Edition Folkwang / Steidl. Mit einem Vorwort von Tobia Bezzola und René Grohnert und Texten von Sylke Wunderlich und René Grohnert. ISBN 978-3-86930-981-1 Bezug im Internet über: https://www.museumfolkwangshop.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.03.2015

Mathias Bäumel

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