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Regional Curtis Harding soulte kurz im Dresdner Beatpol vorbei
Nachrichten Kultur Regional Curtis Harding soulte kurz im Dresdner Beatpol vorbei
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23:43 09.09.2015

Um den Rest muss sich Harding demnächst noch selbst bemühen, bevor er final entdeckt werden könnte. Dann, wenn sich vielleicht Mark Ronson seiner annimmt, dessen neue CD "Uptown Special" fast zeitgleich mit Hardings Debüt "Soul Power" (Anti) im Januar dieses Jahres herauskam. Lorbeeren wurden auch schon von Iggy Pop und Jack White vorgeschossen. Sendeplätze und ein Tour-Vorprogramm sprangen dabei heraus.

Sprung ist ein gutes Stichwort, um Curtis Hardings Bühnendebüt in Dresden zu beschreiben. Der junge Mann mit Sonnenbrille, Ex-Backgroundsänger und Jung-Gospelgröße im Familienbus, wirkte wie auf dem Sprung. Streng US-amerikanische Generosität verhinderte schlechtere Laune des Künstlers, der gern schon weiter wäre mit sich und der Karriere. Der aber auch hier - wo eher selten jene Top-Leute anwesend sind, die ihm entscheidend dabei helfen könnten - alles andere als ein Notprogramm rausrotzt, sondern sich durchaus in Fahrt spielt.

Dafür hat Harding eine solide Fünfmann-Band dabei, wohlweislich aus Sessionmusikern, die wissen, worauf es ankommt. Harding selbst verzichtet auf die großen Posen, auch die großen bunten, die dem Soul eigentlich anhaften wie Allwettertaft. Seine Attitüde sucht er noch. Könnte gut sein, beim nächsten Mal ist alles anders. Und die Stücke? Stehen für die Hardingsche An-Soul-Haltung, der der Ruf vorauseilt, keinesfalls aus dem Reinstraum der Tradition zu kommen, sondern eher aus der Schleuder oder einem Wildwuchsgarten, wo sich an der Schwarzwurzel Triebe von Rock'n'Roll, Funk und Punk zeigen, um sich später mit dem Gospel der Väter zu vereinen. Dieser Mix funktioniert schon ordentlich. So jedenfalls, dass er keineswegs die im Saal befindlichen älteren Semester während ihres Beatpol-Debütantenballs verschreckt, dazu die vielen Jungen mitnimmt - ebenfalls beim Tanzen und Zuhören. Als in viel zu seltenen Genre-(Soul)konzerten am selben Ort zuletzt die reiferen Charles Bradley, Sharon Jones oder Andre Williams gastierten, waren die Gewichte noch anders verteilt.

Curtis Hardings Lieder haben in ihrer aktuellen Ausrichtung etwas seltsam "Weißes", was keinesfalls Vorwurf ist, eher Versuch einer Typisierung, denn auch das könnte bald anders werden. Mit diesem leichten Funk-Einschlag und der fräsenden E-Gitarre schwebte im Raum, was man gemeinhin an Paul Weller und Style Council festmachen will. Mehr jedenfalls als an James Brown oder Curtis Mayfield.

"Ich bin alles Mögliche", sagte Curtis Harding in einem etwas eigenartigen Gespräch im Deutschlandfunk, bei dem der Moderator sein Gegenüber erfolglos zu röntgen versuchte. Wenn der Mittdreißiger seine Musik "Slop'n'Soul" nennt, soll das auf "die Reste für Schweine" verweisen, die die Tiere trotzdem bestens versorgen. Soul sei die Basis, der Rest eben "Slop". Auch hier hören wir gespannt zu, wie weit das reichen kann.

Am Sonntag reichte es im Beatpol für 65 Minuten inklusive Fremdmaterial wie Bill Whithers' "Ain't No Sunshine" und John Phillips' "California Dreamin". Mühelos hätte Harding sich durch den Soul-Kanon singen können und dabei keine schlechte Figur gemacht. Dass er darauf verzichtet hat, ehrt ihn. Und was kommt jetzt? CD Nummer zwei oder dann doch der geplante Erwerb eines U-Boots, um sich den eigentlichen Wunsch zu erfüllen, eine Art Cousteau oder Nemo zu sein? Wir werden davon erfahren - "Next Time"-

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.03.2015

Andreas Körner

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