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18:17 03.08.2017
Conor Oberst Quelle: Pr
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Dresden

Vorn auf dem Coverfoto sieht der Mann im Pool noch so aus, als genieße er sein entspanntes Gleiten. Hinten dann liegt er am Beckenrand, bekommt eine Herzdruckmassage samt Atemspende, ein Mann telefoniert mutmaßlich mit der Ambulanz. Da ist etwas gehörig schiefgelaufen. Conor Oberst nennt sein neues Album trotzdem „Salutations“.

Der Mann am Telefon ist Drummer- und Produzentenlegende Jim Keltner. Man könnte sich eigene Geschichten darüber spinnen, wer wen im echten Leben angerufen hat. Fakt ist, „Salutations“ wurde von Keltner produziert. Und wie!

Es ist eine klassische Folkrock-Platte ohne jeglichen Firlefanz, ohne neue ästhetische Ebene auch in Bezug auf Obersts Schaffen, aber mit nimmermüder Ambition. Conor Oberst bleibt mit 37 ein Künstler, dem man nach dem Hören seiner Lieder gern ein paar Lebensjahre anhängen möchte. Zu viel Weisheit vor der 40, zu viel Erfahrung, zu viel Coolness und das bei einem gehörigen Maß handwerklichem Vermögen – textlich musikalisch. Oberst Conor!

„Salutations“ kommt zeitnah zu „Ruminations“ vom Vorjahr heraus, beide wurden wieder in Obersts Heimstatt, dem Crossover-Label Nonesuch Records, veröffentlicht. „Ruminations“ war eine strenge Soloplatte mit Gesang, Gitarre, Klavier, Mundharmonika, die zum Teil schon Lieder enthält, die für „Salutations“ in voller Bandbesetzung noch einmal eingespielt wurden. Und dass Conor Oberst damit erst jetzt nach Dresden kommt, mag als Glücksfall gelten, denn von europäischen Duo-Konzerten im Winter hörte man eher Widersprüchliches.

Am morgigen Sonnabend im Beatpol wird er Kollegen dabei haben und sicherlich, neben den 17 (!) Liedern der aktuellen CD, auch Songs seiner Band präsentieren, die einen zentralen Platz in seinem Schaffen einnimmt: Bright Eyes. Einige meinen, sie sei immer eher ein offenes Projekt als eine wirkliche Band gewesen, doch das ist bei Conor Oberst meistens so.

Lange Zeit wusste er nicht recht wohin mit seinen irrsinnig üppigen Ideen und bis heute ist er für nur eine Band eh zu viel. Vor zehn, zwölf Jahren hatte man in ihm den nächsten Wonderboy des Pop gesehen, den es zu formen gilt. So wie es der Frankokanadier Xavier Dolan für den Film ist. Dafür aber war Oberst wiederum zu sperrig, eigensinnig, kontrolliert. Er spielte sich in die Liga der Kreativen, die schlichtweg ihr Ding machen und immer etwas mehr erreichen könnten, als sie erreichen wollen. Wir kennen die Namen.

Geboren 1980 in der 400-000-Stadt Omaha/Nebraska – ein zentral in den USA liegender Ort mit bestechend vielen potenten Künstlern – versuchte sich Oberst gar nicht erst in anderen Hobbys, später dann Berufen. In ihm war der Musiker geboren. Als Kind angefixt, als Jugendlicher bereits ausgeformt und aktiv auch im Organisieren von Strukturen, um seine fertigen Werke zu multiplizieren. Wer, bitte, gründet mit 13 ein Label, eines, das dann im Independentbereich Furore machen wird und längst unbedingt als einflussreich zu bezeichnen ist? Conor Oberst hat es getan, aus Lumberjack Records wurde Saddle Creek, das unter anderen Azure Ray & Now It’s Overhead samt Maria Taylor & Orenda Fink, Son Ambulance, Two Gallants, The Rural Alberta Adventage, The Good Life, Cursive, Tim Kasher (dem Conor Oberst entscheidende Inspiration verdankt), heraus- und zum großen Teil nach Dresden auf die Bühnen brachte.

Auch wenn man von Obersts ersten festen Gruppen hört und die Jahreszahlen deren Gründung besieht, sollte man sein Geburtsjahr vor Augen haben: 1992 erster Auftritt, 1994 die erste Band, die zweite, dritte. 1997 Gründung der Bright Eyes, zig Platten, Parallelformationen, von denen wohl die Monsters Of Folk mit M. Ward, Jim James und Mike Mogis die größte Bedeutung erlangen. Hinzukommen Gastauftritte en masse.

„Conor Oberst – Folk Singer“ prangt bescheiden von T-Shirts, die man wohl auch am Sonnabend am Merchandisingstand kaufen kann. Das nüchterne Statement schließt Tradition ein und Moderne, denn nicht nur die Fans wissen, wo seine Songs an Erde riechen, auch er selbst. Doch die Verehrung für Bob Dylan und Neil Young hatte Grenzen. Konstruktion und Dekonstruktion. Die Bright Eyes waren da ein sehr spezielles Flaggschiff.

Solo schien Conor Oberst stets beherrschter, fokussierter auf sein Inneres. „Salutations“ als Liedersammlung ist da ein wunderbares Beweisstück geworden. Mit dabei sind viele Gleichgesinnte wie die Felice Brothers (allen vornweg James Felice am Akkordeon) und drei Frauen: Gillian Welch, Maria Taylor und Pearl Charles. Sie bringen einige Lieder, von denen man glaubt, sie würden längst zum amerikanischen Songbook gehören. „Too Late To Fixate“, „Next Of Kin” oder „Barbary Coast (Later)“ gehören dazu. Feinfühlige Balladen sind es, Walzer, später dann herzlich gerumpelte Midtempo-Stücke, die grandiose Lyrik im Stile der großen musikalischen Geschichtenerzähler umspülen. Das ist mild wie rührend, kaum larmoyant und es ist hervorragend gesungen. Nicht neu, das nicht, nicht überraschend, das auch nicht, aber…

Conor Oberst, Sonnabend, 20 Uhr, Beatpol

Von Andreas Körner

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