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08:01 06.06.2018
Peter Fanger (Mitte) und der concentus vocalis Dresden Quelle: Foto: Hendrik Meyer, Dresden
Dresden

Es war vor 25 Jahren, als der damals als neuer Kantor der Lukaskirchgemeinde von Bremen nach Dresden gekommene Matthias Backhaus per Inserat in allen Tageszeitungen nach ambitionierten Sängerinnen und Sängern für einen Oratorienchor und zeitnah für das Projekt Mozart-Requiem suchte. Ein Mitglied des auf diese Weise und zu diesem Zeitpunkt entstandenen Chores wusste zu berichten, dass die erste Probe in der Kirche stattfand, weil im Gemeindehaus die Autobahngegner tagten. Der Zulauf von zumeist jungen Menschen in Aufbruchstimmung war groß. In relativ kurzer Zeit hatte der Chor ein Niveau erreicht, das es erlaubte, innerhalb eines Kirchenjahres vier bis fünf große Konzerte zu gestalten. Im Jahr 2002 beispielsweise konnte man concentus vocalis St. Lukas mit Bachs h-Moll-Messe, mit „König David“ von Arthur Honegger, mit dem Verdi-Requiem und mit dem Weihnachtsoratorium 1-4 erleben.

Matthias Backhaus war dabei ein umfassend innovativ agierender Interpret, der an der Aufführung neuer zeitgenössischer Werke, wie den Requiem-Kompositionen von Alfred Schnittke und Erkki-Sven Tüür, interessiert war und die Aufführungspraxis der „Standards“ gründlich hinterfragte. Dieses traditionelle Hörgewohnheiten „gegen den Strich Bürsten“ war vielleicht nicht immer gut im herkömmlichen Sinne, aber unheimlich frisch, belebt und emotional gefüllt. Und genau diese „emotionale Inbrunst“ wie Peter Fanger, der jetzige Chorleiter von concentus vocalis Dresden, es in Bezug auf seinen Kollegen nennt, war es, die diesen Chor, der sich 1993 gegründet hatte und „gemeinsam alt wurde“, im Sinne eines Spirits nicht nur zusammenhielt, sondern zu außergewöhnlichen Leistungen befähigte. Der Chor war schon bald weit über die Stadt- und sächsische Landesgrenze hinaus bekannt und eine Adresse für all jene, die sich in Konzerten gern anregen und berühren ließen. Der entfernteste und vielleicht denkwürdigste Auftritt des Chores fand in Rom mit einem A-cappella-Konzert statt. Gemeinsame Projekte gab es mit Chören aus Hamburg und Magdeburg („The Dream of Gerontius“ von Elgar) und mit einem Ensemble aus Bochum (Verdi-Requiem). Noch heute schwärmen die Sängerinnen und Sänger, die seit einem Vierteljahrhundert dabei sind, dass der Chor „eine große Familie“ war, die zusammen sang, feierte und Probenwochenenden gestaltete.

Als der Chor 2009 – im 17. Jahr seines Bestehens – mit dem Mozart-Requiem wieder einmal das Werk zur Hand nahm, mit dem alles begonnen hatte, und für eine Aufführung im November vorbereitete, wurden die Proben vom unerwarteten Tod ihres Dirigenten überschattet. Matthias Backhaus starb infolge einer Herzmuskelentzündung derart überraschend, dass der Schock den alteingesessenen Chormitgliedern noch heute anzumerken ist. Peter Fanger, der als Dirigent der Neuen Elbland Philharmonie dem Chor vertraut war, hielt das Ensemble zusammen und übergab schließlich die hoch ambitionierte Sängerschar 2011 der neuen Kantorin der Lukaskirche, Katharina Pfeiffer. In den folgenden fünf Jahren der Zusammenarbeit konnte mit der Aufführung von Werken von Bach, Brahms, Zelenka, dem Requiem von John Rutter und der Matthäuspassion von Heinrich Schütz erfolgreich an die Ära Backhaus angeknüpft werden.

Differenzen, in deren Folge sich der Kirchenvorstand der Lukaskirche im Oktober 2016 von concentus vocalis trennte, stellten den urplötzlich „obdachlosen“ Chor vor unerwartete Aufgaben. Obwohl er gleichzeitig alles – einen Chorleiter, Proben- und Auftrittsmöglichkeiten – suchen und finden musste, konnten Mitte November mit Peter Fanger die Chorproben zunächst in den Räumen der Christengemeinschaft in der Reichenbachstraße wieder aufgenommen werden. Im Dezember trat der Chor mit Weihnachtsliedern in einem Gottesdienst in der St. Petri Kirche erstmals öffentlich wieder in Erscheinung.

Was nun folgte, hatte vor allem administrativen Charakter: Vereinsgründung, Website-Erstellung, Aufnahme-Antrag an den Ostsächsischen Chorverband, Einschreibung im Vereinsregister, Suche eines Probenraumes etc. Der im April 2017 als concentus vocalis Dresden wiederauferstandene Chor konnte im darauffolgenden November wiederum in der St. Petri Kirche, die sich mit wertschätzender Verbindlichkeit als Aufführungsort zur Verfügung stellt, ein erstes Konzert mit der Messe in f op. 159 für Chor und Orgel von Rheinberger und der Messe D-Dur op. 86 für vier Solisten, Chor und Orgel von Dvorak gestalten.

Das Ensemble, das in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums einen neuen Probenraum gefunden hat, befindet sich inhaltlich gerade auf dem Weg des Neufindens und -orientierens und freut sich über neue Stimmen in allen Stimmgruppen und anregende Vereinsmitglieder, die diesen reizvollen Prozess mitgestalten wollen. Wer für die Entscheidungsfindung einen Klangeindruck benötigt oder sich einfach mitfreuen will, dass concentus vocalis wieder und immer noch singt, sei eingeladen zu einem Konzert mit chorsinfonischen Werken von Schubert, Vasks und Vivaldi am 9. Juni, 20 Uhr in der St. Petri Kirche, Großenhainer Platz.

www.concentusvocalis.de

Von Swantje Richter

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