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Regional Christoph Ludwig Fehres Johannes-Passion mit der Singakademie Dresden
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10:10 04.04.2017
Die Dresdner Singakademie mit ihrem Leiter Ekkehard Klemm.  Quelle: Masha Franke
Dresden

 Preisfrage: Wer kennt Christoph Ludwig Fehre, einen deutschen Komponisten des 18. Jahrhunderts? Spezialisten werden da sicher ja rufen, andere nicht. So richtig bekannt ist der 1718 in Zehren bei Meißen geborene Fehre gewiss nicht – was aber angesichts seiner jetzt erlebten Johannes-Passion wirklich schade ist. Man kann es der programmatischen Arbeit Ekkehard Klemms und der Singakademie Dresden nicht hoch genug anrechnen, dass sie den Hörern beharrlich immer wieder die Begegnung mit musikalischen Extras bescheren. Diesmal verfielen sie zudem auf die Idee, Fehres Johannes-Passion an seinem Geburtsort Zehren und einen Tag später in der Dresdner Annenkirche aufzuführen. Hier war Christoph Ludwig Fehre viele Jahre als Organist tätig. Auch diese Entscheidung passt in das wohl überlegte Gesamtkonzept der Singakademie.

Musikalisch ist Fehres Johannes-Passion ganz ein Kind des Barock. Immer wieder meint man, Dinge wiederzuerkennen. Doch wer genauer hinhörte und sich in die Details versenkte, wurde von deutlichen Unterschieden überrascht. Fehres Tonsprache ist äußerst farben- und bildreich, vielschichtig. Man erlebt eine reiche Auswahl an Chorälen verschiedensten Ursprungs. Dazu kommen zehn, oft kunstvoll verzierte Arien und Arioso, in sich voller Kontraste. Beispielhaft sei die Jesus-Arie „Halt ein mit deines Schwertes Schärfe“ genannt, die hoch virtuos beginnt und sich über einen meditativen Mittelteil fortsetzt. Dass in der Christus-Partie nicht allein die Worte des Evangeliums zu interpretieren, sondern an entscheidenden Stellen Arien vorgesehen sind, ist ungewöhnlich. Der junge Bariton Nikolaus Nitzsche bewies dabei auf eindrucksvolle Weise stimmliche wie gestalterische Flexibilität. Eine tolle Leistung!

Generell hatte sich Ekkehard Klemm für ein noch ganz junges Solistenensemble entschieden und damit eine ausgesprochen gute Wahl getroffen. Neben dem schon erwähnten Bariton faszinierte vor allem Samir Bouadjadja mit seinem schlanken, schön timbrierten Tenor, der dem umfangreichen Part des Evangelisten ein sehr persönliches Ausdrucksprofil verlieh und auch mit den Arien keine Mühe hatte. Der Bassist Timo Hannig brachte klug und intensiv gestaltete Rezitative ein. Die Altistin kommt bei Christoph Ludwig Fehre kompositorisch arg knapp weg. Leonie Nowak zeichnete sich dabei durch eine zarte, warme Stimme aus. Den silbrigen, federleichten Sopran von Annina Battaglia und ihre sensiblen Ausdrucksnuancen zu hören, erwies sich schnell als große Freude.

Die Singakademie Dresden, in kleiner Besetzung, war mit Lust und Liebe sowie dem von diesem Chor immer wieder zu erwartenden großen Engagement bei der Sache. Musikalisch präsentierte sich das Ensemble bestens vorbereitet, klanglich absolut ausgewogen, feingliedrig und zu schönster Differenzierung in den Chorälen fähig. Natürlich fehlten auch in dieser Version des Passionsberichtes die turbulenten Volkschöre, etwa der Juden und Hohepriester, nicht. Häufig in komplexe Fugenstrukturen verpackt, stellten sie an den ausführenden Chor diffizile Anforderungen. Auch wenn man um die außergewöhnliche Qualität der Singakademie Dresden seit vielen Jahren weiß und dabei gelegentlich vergisst, dass diese ja ein Laienchor ist, verblüffte deren Leistungsstärke hier einmal mehr. So präzise, so treffsicher im Ausdruck kamen gerade diese Chöre zu Gehör, wobei auch drastische Textauslegungen nicht ausgespart wurden. Das war keinesfalls selbstverständlich.

Schließlich verstand sich die Batzdorfer Hofkapelle an den Orchesterpulten auf eine sehr feinsinnige, natürliche Klangrede. Der biegsame Streicherklang, die klugen Akzente des Continuos und die herrlichen Bläserleistungen, u.a. mit Naturhörnern und Flöten, konnten mehr als überzeugen. Eine wohlgelungene Aufführung, eine echte Bereicherung des Spektrums der Passionsmusik!

Von Mareile Hanns

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