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Regional Christiane Mennicke will mit Kunsthaus in Robotron-Kantine ziehen
Nachrichten Kultur Regional Christiane Mennicke will mit Kunsthaus in Robotron-Kantine ziehen
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13:05 23.03.2018
Christiane Mennicke-Schwarz (3.v.r.) mit Unterstützern der Idee, das Kunsthaus von der Rähnitzgasse in die ehemalige Robotron-Kantine umzusiedeln,  vor dem Objekt der Begierde: Architekt Ulf Zimmermann, Torsten Birne (Freundeskreis Kunsthaus), Marion Ackermann (Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden), Friederike Warkus (Kunstverein Dresden), Benjamin Grill (Architektenkammer Sachsen), Justus Ulbricht (Dresdner Geschichtsverein), Gisbert Porstmann (Direktor der Museen der Stadt Dresden), Matthias Flügge (HfBK-Rektor), Ralf Lehmann (Galerie Gebr. Lehmann), Marco Dziallas (ostmodern.org), v.l.n.r.. Der aus Anlass der Vorstellung performte „Geist" entstand auf Vorschlag von Marion Ackermann aus Buchstaben, die von der Künstlerin Ina Weise am einstigen Dienstleistungskombinat in Johannstadt geborgen worden waren.  Quelle: Foto: Tomas Petzold
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Dresden

 Die Entscheidung über die Zukunft der ehemaligen Robotron-Kantine zwischen dem Deutschen Hygiene-Museum und der künftigen Lingner-Stadt rückt näher. Gestern stellte Christiane Mennicke-Schwarz als eine Vision oder Variante das von ihr erarbeitete Konzept einer Nutzung als Kunsthaus in der Nachfolge des jetzigen Domizils auf der Rähnitzgasse vor.

Bei dem Pressetermin vor dem Gebäude bzw. in der benachbarten Cityherberge, die ebenfalls zum bestandsbedrohten früheren Robotron-Komplex gehört, hatte sie eine ganze Schar von Unterstützern an ihrer Seite. Sie alle gehen davon aus, dass es für den einmal verfügten Abrissstopp keine vernünftige Alternative geben wird. Mit der Ansiedlung des Kunsthauses an diesem Ort ließen sich, wie sie vielfach bekräftigten, gleich mehrere dringliche oder unterstützenswerte Anliegen verfolgen.

Zunächst ist festzustellen, dass die Galerie auf der Rähnitzgasse, einst hervorgegangen aus dem Zentrum für Kunstausstellungen DDR, rein ausstellungstechnisch stets einen Kompromiss, um nicht zu sagen eine Notlösung darstellte. Die barocken ehemaligen Wohnräume kommen als solche kaum zur Geltung, schaffen aber auch keinen idealen Rahmen für die Kunstpräsentation. Dennoch hat die Verortung des Zeitgenössischen im Historischen, wie sich in den zurückliegenden Jahrzehnten erwies, auch hier ihren Reiz. Und daran könnte und möchte man am neuen Standort durchaus anknüpfen bei einer unvergleichlich größeren Freiheit der Gestaltung. Bisher fehlt dem Kunsthaus ein eigener Veranstaltungsraum ebenso wie die gerade für Gegenwartskunst so wichtige Möglichkeit, größere, raumgreifende Formate zu zeigen. Ein großer Teil der (zumal Bildungs-) Aktivitäten findet bislang außer Haus statt. Auf einer etwa dreimal so großen Fläche, die u.a. zwei große Säle umfasst, käme man gleich mehrere Schritte voran. Neben temporären könnte man parallel permanente Ausstellungen zeigen und der „Stadtgesellschaft“ eine Diskussionsplattform bieten, die ihre Anstöße nicht zuletzt von provozierenden Konstellationen am Veranstaltungsort bezieht, wenn die in der DDR gepflegte (und z.B. von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht auf hohen Stand gebrachte) Kunst am Bau als „PLATINE“ ständig museal präsent wäre. Es ist insgesamt ein anspruchsvolles, angesichts der derzeit im unmittelbaren Umfeld erlebbaren Stadtwüste utopisch wirkendes, aber auf noch weiteren sehr realen Bedürfnissen und Erfordernissen gründendes Konzept.

Hier böte sich, in Ergänzung und in Nähe zum Kulturpalast, eine weitere Chance, einen wertvollen, noch relativ gut erhaltenen Zeugen der Architektur der 60er/70er Jahre durch Wandel und Weiterentwicklung zu erhalten. Nicht zuletzt wäre ein Kunstort, den Mennicke-Schwarz als Treff aller Sparten und Genres denkt, an dieser Stelle essentielles Bindeglied auf einer zu Fuß oder per Fahrrad erlebbaren Museumsmeile vom Japanischen Palais bis zum Deutschen Hygiene-Museum. Mit letzterem bildet das 1969-72 nach Plänen des Architektenkollektivs Herbert Zimmer, Peter Schramm und Siegfried Thiel errichtete Gebäude sogar und nicht zufällig ein schlüssiges Ensemble. Es steht auch zeit- wie bauhistorisch so ziemlich in der Mitte zwischen der Moderne von Wilhelm Kreis und dem Heute. Unter städtebaulichem Aspekt sieht der Architekt Ulf Zimmermann hier einen notwendigen Übergang zwischen „Öffnung und Verengung“, wie sie mit dem Bau der neuen Lingnerstadt eintreten wird. Rektor Matthias Flügge erhofft sich Ausstellungs- und Kontaktmöglichkeiten für seine Meisterschüler und Studenten der Hochschule für Bildende Künste. Friederike Warkus, Vorsitzende des vergangenen Herbst neu gegründeten Kunstvereins Dresden sähe die Möglichkeit, hier Ausstellungen internationaler zeitgenössischer Kunst zu präsentieren. Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, verspricht jede denkbare Unterstützung, insbesondere durch Leihgaben, und sieht auch in der original großflächigen Verglasung keine Erschwernis.

Über die anstehenden Kosten für die Sanierung des Gebäudes – kolportiert wurden bereits Summen zwischen 10 und 15 Millionen Euro – mochte man nicht spekulieren. Abgesehen davon, dass ein Teil der Summe mit dem Verkauf des Gebäudes auf der Rähnitzgasse erbracht werden könnte, schwebt nicht nur Mennicke-Schwarz viel mehr eine möglichst einfache, gegebenenfalls schrittweise Ertüchtigung des Gebäudes vor, bei der Spuren der Vergangenheit und der Nutzung sichtbar bleiben, die bei einer Nobelsanierung sonst verschwinden würden. Alexander Pötzsch vom Bund Deutscher Architekten sprach sogar von der Chance, die Architektur des Museums neu zu sehen, prozesshaft für das 21. Jahrhundert zu entwickeln. Man solle daher lieber „mit kleinem Budget ins Rennen gehen, in Abschnitten entwickeln, ein eigenes Format entwickeln.“

Allerdings, bei dem 53-seitigen Konzept, das bis in die Details einer möglichen Raumnutzung geht, handelt es sich erst einmal um eine Informationsvorlage für den Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, nicht um eine Entscheidungsvorlage für den Stadtrat, der wohl auch noch andere Vorschläge in Betracht ziehen dürfte. So hat der Branchenverband der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft „Wir gestalten Dresden“ bereits mehrfach die Gründung eines „Open Future Lab“ ins Gespräch gebracht. Mennicke-Schwarz hat diesen Ball aufgefangen und wartet ihrerseits mit einem Futur Memory Lab als Komponente einer weiter dimensionierten Idee auf.

Von Tomas Petzold

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