Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Chris Norman und Band wurden im ausverkauften Kulturpalast heftig beklatscht
Nachrichten Kultur Regional Chris Norman und Band wurden im ausverkauften Kulturpalast heftig beklatscht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:51 14.03.2018
Chris Norman rockte mit seiner Band im eigentlich „unrockigen“ Konzertsaal im Kulturpalast und punktete vor allem mit Smokie-Oldies. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Der Mann mit der seit Jahrzehnten unverwüstlichen Frisur lehnt an einer Jukebox, er trägt neuerdings ein Bärtchen zur E-Gitarre. Man erkennt ihn trotzdem sofort – denn in den 70er- und 80er-Jahren hat er mit seiner Band Smokie einen Hit an den anderen gereiht. Entsprechend voll sind die Ränge am Dienstagabend im Kulturpalast, und entsprechend gesetzt ist das sitzende Publikum, das zunächst auf das oben beschriebene Cover des neuen Chris-Norman-Albums auf einer trapezförmigen Leinwand starrt.

Zehn nach acht hat dann scheinbar jemand eine Münze in die Jukebox gesteckt, denn Twang- und Surfgitarren preschen los, spielen ein paar Rock’n’Roll-Klassiker an. Darunter schleicht die vierköpfige Live-Band des Abends auf die Bühne, bevor der leibhaftige Chris Norman unter großem Applaus ans Mikrofon tritt. Mit „Sweet Virginia“ und „Good, Good Loving“ vom neuen Album geht es los – drei Gitarren und ein Bass in der ersten Reihe, Schlagzeug und Keyboard etwas dahinter.

Solider Mainstream-Rock ist das, irgendwo zwischen Joe Cocker und Bon Jovi, und damit nicht ganz das Richtige für den Saal des Kulturpalasts, in dem weiße, gestufte Wände die dunkle Bühne wie Gletscher umranden. Das Publikum ist sowieso nicht wegen neuer Rock-Songs gekommen (was Norman natürlich weiß und später auch charmant anspricht), sondern um den alten Helden live und in Farbe zu sehen. Das wird beim dritten Titel deutlich, dem Smokie-Klassiker „Lay Back In The Arms Of Someone“ von 1977: Die Ersten stehen von ihren Sitzen auf, denn rhythmisches Klatschen reicht ihnen nicht. Über der Band ist der Chris Norman der 70er auf der Leinwand zu sehen, der die Lippen zum Gesang des Chris Norman von 2018 bewegt – und tatsächlich: die Frisur ist unverändert nach all der Zeit!

Von hier an führt Norman durch über zwei Stunden „alte Songs, neue Songs, middle Songs“, wie er auf deutsch ankündigt. Apropos: Die Englisch-Kenntnisse sind im Saal natürlich begrenzt, weswegen Norman immer mal ins Deutsche wechselt. „Do you remember Suzi Quatro?“, fragt er zum Beispiel, was natürlich verstanden wird. Das „Jaaah!“ aus dem Saal übersetzt Norman mit „Jawohl, mein Kapitän!“ Suzi Quatro kommt für „Stumblin’ In“ dann zwar leider nicht auf die Bühne, aber Norman singt das 40 Jahre alte Duett mit Gitarristin Michelle – was für ein großartiger Song! Und wie herrlich es ist, so einen Klassiker live zu hören!

Mit „San Francisco Bay“ und „If You Think You Know How To Love Me“ beschwören sie weiter die heile (Oldieradio-) Welt, der ganze Saal freut sich und klatscht wie im schönsten Fernsehgarten – „You are a fantastisch Publikum!“ Das relativ neue (2013) Lied von der „Gypsy Queen“ gefällt mit Line-Dance-Video und Neh-Nah-Nanah-Reminiszenzen. In „Living Next Door To Alice“ erweisen sich der „unrockige“ Raum und das etwas ergraute Publikum schließlich doch noch als großer Vorteil, denn in diesem Umfeld sind es nur sehr wenige, die sich trauen, „Husefakk is Alice“ in den Refrain reinzubrüllen, wie es dank Ballermann- und Rummelplatzschlager ja leider Sitte geworden ist.

Wenig später kündigt Norman ein anderes älteres Lied an, eins, das er in den 80ern mit Dieter Bohlen aufgenommen hat. „What about Dieter Bohlen? Is he dead?“, fragt er die Leute. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass Bohlen wohl dasselbe über Norman sagen würde. Und wie konnte man eigentlich je überhören, dass „Midnight Lady“ von Bohlen geschrieben wurde? Hier im Kulturpalast klingt die erste Strophe so dermaßen nach Modern Talking, dass es einen nicht wundern würde, wenn Norman im Refrain aus der Midnight- eine Cheri-Cheri-Lady machen würde (was er glücklicherweise nicht tut).

Als zum Ende des Konzerts auch „I’ll Meet You At Midnight“, das leider etwas verrockte „Needles And Pins“ und das vom ganzen Saal gesungene „Don’t Play Your Rock’n’Roll For Me“ gespielt sind, fragt man sich, was in der Zugabe noch kommen soll und ob der 67-jährige Norman vielleicht nach knapp zwei Stunden genug hat. Denkste! Ganze fünf Songs spielt er noch mit seiner Band, neben neuem Rock auch noch „Oh Carol“ von 1978. Und er hangelt sich fehlerlos durch den Satz: „Vielen Dank, dass ihr euch alle die Mühe gemacht habt, heute hier vorbeizuschauen.“

„Wasn’t bad for a Tuesday, right?“, konstatiert Norman schließlich. Nein, das war es wirklich nicht. Da war schon viel Wochenende drin.

Von Benjamin Heine

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Show „The Bar at Buena Vista“, die im Dresdner Kulturpalast zu sehen war, beschwor die goldene Ära kubanischer Musik. Entscheidendes Markenzeichen ist nicht zuletzt das Alter vieler Akteure. Denn zumindest manchmal wird sich über die eigene Gebrechlichkeit lustig gemacht.

13.03.2018

2017 gingen Kunst- und Förderpreis Dresdens an zwei Frauen, 2018 folgen zwei Männer. Jürgen Schieferdecker, der mittlerweile 80 Jahre alte Grafiker, Maler und Architekt, wurde der Kunstpreis zugesprochen. Der aus Burkina Faso stammende Musiker Ezé Wendtoin, Jahrgang 1991, erhält den Förderpreis. Beide Künstler eint die politische Ausrichtung ihrer Arbeit.

13.03.2018

Wenn das Fernsehen vor Ort ist, dann gelten andere Gesetze als nur bei einer „schnöden Live-Show“. Kein Platz für spontanen Ulk, sondern straffes Programm nach Zeitplan steht auf dem Menü. Schließlich muss am Ende ein telegenes Produkt herauskommen. So kurz wie kurzweilig lief folglich auch die Abschlussgala der Humorzone 2018 ab

13.03.2018