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Chemnitzer Schauspiel belebt Küchwaldbühne

Chemnitzer Schauspiel belebt Küchwaldbühne

das lockt auch Theatermacher in die Ungewissheit mitteleuropäischer Sommerspiele. Erstmalig greift nun auch das Chemnitzer Schauspiel in den Reigen ein und belebt die Bühne im Küchwaldpark neu.

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Lustiger Tanz zu trivialer Musik: Magda Decker als Pippi Langstrumpf im Chemnitzer Küchwald.

Quelle: Dieter Wuschanski

Sie liegt just genau zwischen dem Naturtheater Greifensteine - genau 26 Kilometer südlich auf dem Erzgebirgskamm gelegen und seit 80 Jahren als Landschaftstheater bespielt - und der noch recht jungen Seebühne Kriebstein, seit 2007 vom Mittelsächsischen Theater Freiberg genutzt. 28 Kilometer liegt letztere nordöstlich, dank schicker Autobahn nur 30 Minuten von Chemnitz (und 45 von Dresden) entfernt.

Die Küchwaldbühne atmet noch mehr Natur als alle anderen Freiluftbühnen Sachsens, denn sie ist ringsherum zugewuchert, nur ein hoher Turm mit kantigem Reichscharme und wuchtiger Riesentreppe verweist auf den Eingang. Ein Verein entriss der Lichtung rings um das steinerne Bühnenrondell bislang mühsam 500 der einstigen 3000 Plätze. Nun belebt das Schauspiel Chemnitz den verwunschen wirkenden Ort passenderweise mit "Pippi Langstrumpf" von Astrid Lindgren in einer Musicalfassung von Georg Riedel.

Sachsens meistgebuchter Freiluftregisseur Stefan Wolfram, der seit Januar schon Radebeul "Bezahlt wird nicht", dem Zittauer Klosterhof "Das Spiel von Liebe und Zufall" und zwischendurch Chemnitz die wunderbare Uraufführung eines eigenen "Kafka" bescherte, stemmt auch diese Doppelpremiere in beachtlicher Souveränität mit zehn Schauspielern, elf Statisten, einem Musiker und einer Hospitantin zur Animation der spaghettikochenden Affenpuppe. Dabei wirkt die drehbare Kulisse der Villa Kunterbunt ebenso faszinierend wie die Piratenfregatte "Hoppe Tosse", die vor der Bühne hinter einem bunten Zaun (Ausstattung: Barbara Blaschke) herumsegelt. Magda Decker hat als Pippi Langstrumpf eine dankbare Hauptrolle und darf Heimleiterin Prysselius (Ulrike Euen) und Lehrerin (Muriel Wenger) gehörig nerven und die beiden Schwalbe-fahrenden dicken Polizisten (Philipp von Schön-Angerer und Martin Valdeig) vorführen.

Auch in Kriebstein begeistert die Kulisse: Peter Sommerer baute für die Anderson-Adaption "Undine" in Regie von Arnim Beutel eine bewegliche Welle auf die Seebühne, die drei Spielebenen und eine Rutsche beherbergt. Ganz oben thront das weiße Segelboot des Prinzen, unten herrschen die Meeresgeister in phantasievollen Kostümen. Der Kampf um Prinz Hans (Oliver Niemeier), der beim Tennisspielen ausrutscht und nun durchs Tiefwasser treibt, kann beginnen: Die Andere (Nancy Spiller) hat gewisse Vorteile, doch die Meerjungfrau Undine (Farina-Liza Tollewski) verliebt sich sofort in den infantilen Prinz und hat natürliche Reize. Wobei sie zuvor - und hier lauert die Moralkeule - ihre Flosse gegen Beine eintauscht und dafür mit ihrem Lachen bezahlt. In der Fassung von Franziska Steinof ist die Halbplayback-Musik (Sebastian Kemper) nicht wirklich förderlich, gesanglich überzeugen Undine selbst und Andreas Pannach als ihr wütender Vater Kühleborn.

Dass die Premiere am regnerischen Donnerstagmorgen, für die der Regen geflissentlich zwei Stunden aussetzte, richtig voll war, lag auch an einer Kooperation mit der regionalen Sparkassenstiftung in Mittelsachsen, die es rund 2000 Schülern aus dem Landkreis ermöglichen wird, das Stück preiswert zu sehen, indem sie den Bustransfer und sponsert und die Eintrittskarten für die Schüler auf zwei bis drei Euro Eigenanteil ermäßigt. So fielen ganz plötzlich mindestens zwölf Busladungen voller regenfester Schüler an der trüben Talsperre ein und harrten tapfer raschelnd aus, während die Lehrerinnen das Geschehen elektronisch dokumentierten. Insgesamt 15 000 Schüler konnten seit 2009 den Service schon nutzen, auch für 2014 schon alle Plätze ausgebucht.

Zum Schluss - was viele Theater heutzutage gerne vergessen - eine unverbindliche Altersempfehlung, wobei sich bei beiden der pädagogische Mehrwert in Grenzen hält: Die Freiberger "Undine" taugt sicher für Nachwuchs von sechs bis zwölf, während die Chemnitzer "Pippi" wohl auch Schulkinder bis zur Jugendweihe anspricht - hier stört eigentlich nur die durch den Verlag vorgegebene Dudelmusik, die auf die elektronisch-unterbelichteten Siebziger verweist. Hätte Theatermusikchef Steffan Claußner, mit Akkordeon auch live auf der Bühne mitspielend, freie Hand gehabt, wäre daraus garantiert ein fetzig-wildes Waldmusical geworden. Erwachsenere Freunde des Klamauks oder der dynamischen Bewegung fin-den bei beiden Inszenierungen ihre Freude, wofür in Chemnitz mit einigen Massenszenen samt Akteuren Choreografin Sabrina Sadowska sorgt, während dies in der Freiberger Inszenierung Arnim Beutel für seine acht Darsteller mitbesorgt.

nächste Vorstellungen: Küchwaldbühne Chemnitz ("Pippi") am 13., 19. , 20. & 27. Juli (je 17 Uhr) sowie 15. bis 17. & 23./24. Juli (je 10 Uhr); Seebühne Kriebstein ("Undine") am 12. & 13. Juli je 16 Uhr) sowie 14. & 15. Juli (je 10 Uhr)

www.theater-chemnitz.de www.mittelsaechsisches-theater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.07.2014

Andreas Herrmann

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