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Cellist Yo-Yo Ma begeistert mit Bach-Suiten in der Dresdner Frauenkirche

Weltberühmter Musiker Cellist Yo-Yo Ma begeistert mit Bach-Suiten in der Dresdner Frauenkirche

Kein Cellist, der sich nicht daran versucht hätte, alle Cello-Suiten Johann Sebastian Bachs zu lernen, zu spielen, aufzunehmen. Mit diesem Meilenstein hat nun Yo-Yo Ma die Reihe „Cellomania“ der Dresdner Musikfestspiele 2018 mit einem Sonderkonzert in der Frauenkirche eröffnet.

Der Cellist Yo-Yo Ma bei seinem Konzert in der Dresdner Frauenkirche.

Quelle: Oliver Killig

Dresden. Cellist Jan Vogler lädt gern Kollegen ein, nicht nur der vor einem Jahr verstorbene Heinrich Schiff gehörte zu diesem Kreis, auch Yo-Yo Ma zählt dazu, von dem der Intendant der Dresdner Musikfestspiele sagt, er hielte ihn für den derzeit besten Cellisten. Lange hat Vogler versucht, Yo-Yo Ma nach Dresden zu locken, nun gab es als Vorgeschmack auf die Musikfestspiele (10. Mai bis 10. Juni), die das Instrument des Jahres mit einem Schwerpunkt „Cellomania“ würdigen, den amerikanischen Musiker mit allen sechs Suiten für Violoncello solo Johann Sebastian Bachs in der Frauenkirche.

Kein Cellist, der sich nicht daran versucht hätte, alle Suiten zu lernen, zu spielen, aufzunehmen – ein Meilenstein. Yo-Yo Ma entfaltete im Kirchenschiff ein musikalisches Bekenntnis, das die ersten Klänge sanft und leise aus dem Raum zu holen und erst dann in diesen zurückzustrahlen schien. Grundlage der Suiten sind Sätze, die sich an überlieferte Kunsttänze anlehnen. Für Yo-Yo Ma standen aber weder Schemata noch technische Perfektion im Mittelpunkt, sondern Rhythmik, Spannung und innerer Puls.

Prélude und Allemande gaben den Verlauf vor, in den Yo-Yo Ma einen Spannungsanstieg legte. So „erwachten“ die leise begonnenen Suiten G-Dur oder d-Moll regelrecht zu Leben. Der dramatische Impuls wurde von den nachfolgenden Couranten flink gebrochen, bevor die Sarabanden andächtige Ruhepunkte setzten. Erst im fünften Teil unterscheidet sich die Satzfolge der Suiten (Menuette, Bouréen oder Gavotten). Hier fand Yo-Yo Ma erneut einen Spannungsanstieg, den er in der abschließenden Gigue zu einem Höhepunkt führte (Suite Es-Dur) oder in jener harmonischen Auflösung verklingen ließ (D-Dur), in der die erste Suite begonnen hatte.

Es waren nicht die Kontraste zwischen den Sätzen, welche die Spannung hervorbrachten, sondern gerade die innere Bildung der Stimmen und die Überleitung der Teile. Gleich am Beginn schärft die Bassstimme das Prélude aus BWV 1007, um dann in der Sarabande eine beruhigende Wirkung zu entfalten. Die Belebung der Couranten wiederum entsprang nicht einzig dem Tempo, sondern der federnden Leichtigkeit, die Yo-Yo Ma hervorzauberte.

Die „Vorprägung“ der ersten Sätze gestaltete der Cellist differenziert aus. Während die erste Suite einen betont gesanglichen Charakter hatte, schien die zweite, als sei das Instrument in ein Gespräch vertieft. Und auch nach über zwei Stunden war Yo-Yo Ma mit seiner Kraft und dem Gestaltungsvermögen noch nicht zu Ende: Die Allemande der sechsten Suite ließ er im Kirchenraum schimmern, als wäre sie ein Widerhall, die folgende Courante war an Feinheit kaum zu überbieten, die leichtfüßige Gavotte der fünften Suite wiederum war ein kaum versteckter Choral.

Die im Zentrum stehenden Suiten gerieten am impulsivsten, energiegeladensten, zeugten von der größten Vehemenz – man fragte sich, weshalb ausgerechnet Tanzsätze wie Menuett oder Bourrée heute mit der diskreditierenden Vokabel „verzopft“ in Verbindung gebracht werden.

Nach solcher „Pilgerreise“ (Yo-Yo Ma) schien eigentlich das letzte Wort gesprochen, aber auf den großen Jubel und Applaus bat der Cellist mit einer Geste (er zeigt eine „Kleinigkeit“ an) noch einmal um Ruhe und sandte Bachs „Prayer“ als Zugabe nach.

Tipp: Zur „Cellomania“ während der Dresdner Musikfestspiele sind in elf Konzerten der Reihe innerhalb der Festspiele zahlreiche Weltklassecellisten wie Mischa Maisky (15. Mai), Alban Gerhardt (18. und 21. Mai) und Steven Isserlis (13. Mai) zu erleben, aber auch „Junge Wilde“ (19. Mai) und eine Lange Nacht (21. Mai) sowie Dresdens neue Cello-Professorin Marie Elisabeth Hecker und natürlich Jan Vogler zu erleben.

Von Wolfram Quellmalz

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