Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Carlos Matos gibt seinen Einstand als neuer Chefchoreograf der Landesbühnen

Carlos Matos gibt seinen Einstand als neuer Chefchoreograf der Landesbühnen

Für eine komplett neue Produktion wäre die Zeitspanne gewiss nicht ausreichend gewesen, denn der neuengagierte Chefchoreograf und Künstlerische Leiter der Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen weilt erst seit wenigen Wochen vor Ort.

Voriger Artikel
Shakespeare als Hiphop-Theater in Bratislava
Nächster Artikel
Modellstraßenbahnclub zeigt Modell vom Straßenbahnhof Mickten

Shakespeares Liebesklassiker als eine Geschichte von Suchen, Finden, Verfehlen.

Quelle: Andreas Hartmann

Doch der gebürtige Portugiese Carlos Matos hat sich dem Publikum als sympathischer Neuankömmling auch so schon bestens vorstellen können, sowohl als Mitwirkender der ersten "Vollmond-Wanderung" im Stammhaus wie auch gemeinsam mit seinem Ensemble zur rundum inspirierenden Eröffnungsgala der Landesbühnen für die Spielzeit 2013/2014.

Am Sonntag hat sich der Tänzer und Choreograf auch noch mit einer ganz besonderen "Visitenkarte" den Zuschauern im Studiotheater zeigen können. Zusammen mit Wencke Kriemer de Matos, die ihre erste Tanzausbildung übrigens in Leipzig absolvierte und an den Landesbühnen Sachsen auch als Assistentin des Ballettchefs arbeitet, stellte er sein bereits 2008 in Liechtenstein uraufgeführtes Stück "Romeos Julia" vor, eine szenische Collage aus Tanz, Film, Wort, Gesang und Bild, die das Shakespeare-Thema in freier Variation aufnimmt und auf eigene Weise erzählt. Beginnend mit dem, was das Auge zu "fassen" vermag, wie viel Licht und Schärfe es braucht, dass man sich tatsächlich erkennen und mit allen Sinnen auch begreifen kann, findet ein Paar zueinander. Doch beim Vorstellen der Familiennamen zerreißen die ersten Bande und es beginnt ein Suchen, Finden, Verfehlen. Da kreuzen sich Sog und Fluch, Aufleben und Dahinsterben, ist Widersprüchliches, wie es sich nach wie vor im Alltäglichen ereignet, assoziiert auch mit den Worten von Julia: "So einzge Lieb aus großem Haß entbrannt. Ich sah zu früh, den ich zu spät erkannt." Dieses szenische Geschehen hätte absolut spannend sein können, obwohl die Enge der Studiobühne einmal mehr auch hier den Aktionsraum der Tänzer wie ebenso die Wirkung der visuellen Mittel einschränkt. Doch Matos findet zunächst in der Bewegung keinen, fast möchte man sagen, "Notenschlüssel", um das zu beliebig gehandhabte choreografische Material wahrhaft beredt einzusetzen. Der Tanz bleibt quasi fast in der gleichen "Tonlage", zieht den Betrachter kaum mit hinein in den Strudel der Gefühle.

Aber es gibt eine Szene, wo sich dieses Unbeteiligtsein wandelt. Und zwar dann, wenn Carlos Matos, der erkennbar auch ein recht akzeptabler Sänger ist, auf dem Rücken liegend und eher behutsam dieses wunderbare Liebeslied "Bésame mucho" singt und dabei sparsam auch Körpersprache einsetzt. Da gibt es nichts Überflüssiges, sind Gesang und Bewegung stimmig beieinander, erzählen von der Liebe, der Sehnsucht, der Angst, den anderen zu verlieren. Ein sehr berührender Moment, der sich auch auf das weitere Geschehen auswirkt. Danach ist man näher dran, nimmt wacher auf, was sich ereignet. Und begreift auch manches, was zu Beginn nur angedeutet war.

Das Publikum hat diesen Abend, hat Carlos Matos und Wencke Kriemer de Matos mit viel Beifall bedacht. Und es ist unverkennbar die Sympathie zu spüren, mit der die Zuschauer auf den neuen Ballettchef reagieren. Der sich allerhand vorgenommen hat. Und dazu beont: "Ich möchte das Vorhandene weiterdenken, manches jedoch in eine andere Richtung lenken. Dabei ist es mir wichtig, dass sich die Tänzer am kreativen Prozess beteiligen." Was offenbar kein leeres Versprechen bleiben wird. Denn schon für den 9. November ist als mehrteiliger Tanzabend die Premiere von "Visitenkarten" angekündigt, ein Projekt mit dem gesamten Ensemble, das nun aus bereits bekannten wie auch neuen Tänzern besteht. Darunter als Absolvent der Palucca Hochschule für Tanz Dresden auch der junge Tänzer Marc Wandsleb.

Dieser Abend von Carlos Matos wird tänzerische Miniaturen in kleinen Besetzungen zeigen. Und damit dem Ballettchef die Möglichkeit bieten, sowohl die "Neuen" im Ensemble vorstellen zu können wie sich auch in der Zusammenarbeit mit allen Tänzern auszuprobieren. Als nächste Premiere ist für den 7. Februar 2014 "Der Tod und das Mädchen" geplant, ein zweiteiliger Tanzabend speziell auch zu Musik von Franz Schubert. Und es folgt am 3. Mai 2014 die Premiere "Brel" als Tanzabend von Carlos Matos zu Chansons von Jaques Brel. "Ich, Medea" heißt das Solo für eine Frau, das am 7. Juni 2014 zur Premiere kommt. Nach Idee und Konzept von Wencke Kriemer de Matos und in der Choreografie von Carlos Matos.

weitere Aufführungen: 29.9. (Freilichtbühne Meißen), 11. & 13.10. (Studiobühne)

www.dresden-theater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2013

Gabriele Gorgas

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr