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Bundesweites Theaterprojekt: "Augen-Blicke" im Dresdner Tjg aufgeführt

Bundesweites Theaterprojekt: "Augen-Blicke" im Dresdner Tjg aufgeführt

Sie spielen sich selbst, ihre Schulerfahrungen, ihr Zuhause. Manchmal scheint ihnen das Schlüpfen in eine Rolle Sicherheit zu geben in der turbulenten Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenwerden.

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Wenn es zu den typischen Reizthemen Heranwachsender kommt, sitzen alle im selben Boot. Egal ob bei Mobbing, Liebeskummer oder Schulstress.

Quelle: PR

Auffallend viele junge Frauen sind unter den Akteuren, das adoleszente Problemgeschlecht tut sich sichtlich schwerer mit der Bühnenpräsenz. Sie stammen aus sechs Dresdner Schulen und dem Gymnasium Nossen und haben im laufenden Schuljahr am dritten Theaterprojekt "Augen-Blicke" des Theaterpädagogischen Zentrums Sachsen teilgenommen. Jetzt stellten sie die erarbeiteten Szenen im voll besetzten Theater Junge Generation vor.

"Es geht um Spannung, Konflikt, Ärger", kündigten die beiden Moderatoren gleich zu Beginn an. Diese Konflikte gelte es zu lösen, aber gewaltfrei! Das Besondere an diesem Schultheaterprojekt ist das vom brasilianischen Theaterpädagogen Augusto Boal in den Sechzigerjahren entwickelte Prinzip des Forum-Theaters. Eine interaktive Stehgreif-Methode, bei der das Publikum zum Mitspieler wird. Einzelne Figuren der jeweils agierenden Theatergruppe werden bewusst austauschbar angelegt und können durch einen Freiwilligen aus dem Publikum ersetzt werden. Damit nimmt das Geschehen in der zweiten Variante der Szene einen anderen und oft überraschenden Verlauf.

Was rät und was unternimmt zum Beispiel ein Herr Schulz vom Jugendamt, wenn er in eine ziemlich kaputte Familie mit drei völlig verschiedenen Töchtern kommt? Die eine brave Streberin, die zweite schwanger, die dritte drogensüchtig? Dazu noch das Klischee vom Papa in der Kneipe? Hier wie bei der nachfolgenden Szene mit rotzigen Schülern und einem völlig überforderten neuen Geografielehrer fiel auf, dass zumindest die "Ersatzschauspieler" aus dem Publikum zu Law and Order, zu drastischen repressiven Lösungen neigten. Entziehungskur hier, Rausschmiss dort, jedenfalls kaum klärende oder vertiefende Dialoge. Insofern offenbaren solche ganz authentischen Stückentwicklungen etwas über Trends in der nachwachsenden Generation.

Und sie zeigen eine Ventilwirkung, etwa wenn es um Schulstress geht. Mobbing spielt eine Rolle, die Reibungen in einer Patchwork-Familie, Sehnsüchte. Was macht mein Freund mit meiner Freundin? Die Ménage à trois misslingt auch hier. Das alles schwankt zwischen Komik und ernsthaftem Bemühen, ja teilweise erkennbarer Betroffenheit.

Walter Henckel, der das vom Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt betreut, würdigte noch einmal das Engagement der Schüler. Jede Woche setzten sie nach den üblichen sechs Schulstunden eineinhalb Stunden für das Theater ein, eine selbst gewählte Aufgabe im Ganztagsprogramm. Es hat sich nicht nur für die Zuschauer gelohnt. Jeder lernt bei dieser Theaterarbeit auch etwas über sich selbst.

Michael Bartsch

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.07.2012

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