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Regional Bülent Ceylan gastierte in der Messe Dresden
Nachrichten Kultur Regional Bülent Ceylan gastierte in der Messe Dresden
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17:41 09.09.2015
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Garniert durch das Wortspiel "Ganz schön türbülent!", das die Brücke zum einzigen Akteur des Abends schlug: Bülent Ceylan, geboren am 4. Januar 1976 in Mannheim, gab sich nun auch in Dresden die Ehre - in der bestens gefüllten Messehalle.

Er ist der Spross der Verbindung zwischen einer Deutschen und einem Türken. Warum und wie und wann er sich - nach dem Studium von Politikwissenschaft und der Philosophie - von dort aus auf den Weg auf die Kabarettbühne begab, mag wohl sein Geheimnis sein. Ebenso, ob dafür allein die Einnahmenmaximierung der springende Punkt war. Gegenwärtig zählt für ihn wie auch für sein Publikum nur, dass er Erfolg hat.

Der wandelte sich 1998 erstmals in klingende Münze um, als er mit "Produzier misch net" sein erstes abendfüllendes Programm auflegte. Dem folgten 1999 "Nou Mässitsch", 2002 "Döner for One" und nun - ganz aktuell - "Haardrock". Mit und in diesen Jahren wuchsen auch seine Auftrittsorte, bis sie schließlich die Dimension einer Dresdner Messehalle erreichten. Wachsende Dimensionen sind allerdings längst noch keine Garantie für steigende Qualität, sondern allenfalls für ein sich schneller füllendes Bankkonto.

Schon im Vorfeld wurde auch das Dresdner Publikum mit all den Seligkeiten berieselt, die später zu Hause dann stolz davon künden werden, dass man mal in einer Show von Bülent Ceylan gewesen ist. Lässt man als Zuschauer aber nun alle beiläufigen Dinge beiseite und konzentriert sich allein auf das, was der Kabarettist (?) dem Volk da unten von seiner erhöhten Position aus verkündet, dann löst sich der Zauber relativ schnell auf. Bülent Ceylan beherrscht grandios das Vokabular wahrer Anmache. In Dresden versuchte er das natürlich im heimischen Sächs'sch, was ihm allerdings nur ansatzweise gelang.

Ansonsten verstand er sich bestens auf die Kunst des Dialogs und war daher permanent mit dem Publikum im Gespräch. Das ist durchaus legitim und zeichnet eigentlich einen guten Kabarettisten aus. Wenn denn die Fragen wie auch die Antworten zum Genre Kabarett passen. Die Beifügung "politisch" war allerdings schon nach der ersten Viertelstunde überflüssig. Bülent Ceylan ist kein politischer Kabarettist, er ist nicht mal ein politischer Comedian. Doch das sah sein Publikum auch gar nicht in ihm. Man wollte vor allem den Alltagswitz, der sich bei ihm aber meist in kleinen anzüglichen Ferkeleien erschöpfte.

Mitunter schoss Ceylan dabei auch arg über sein Ziel hinaus. Zum Beispiel dann, als er sich eine Frau in der zweiten Reihe ausguckte und sie nach dem Alter ihrer neben ihr sitzenden Tochter fragte. Bereitwillig verriet sie, dass ihre Tochter neun Jahre jung sei. Ceylan rechnete an seinen Fingern nach und überraschte dann Frau und Tochter mit dem Ergebnis. "Kurz gesagt, ich bin Dein Vater!". Und dann erklärte er der Neunjährigen noch, was ein "Puffgänger" ist. "Das ist ein Mann, der lustig geht!"

Es blieb nicht bei diesem einen Mal an diesem zweieinhalbstündigen Abend, dass sich Bülent Ceylan unter die Gürtellinie verirrte. So thematisierte er beispielsweise die Unterschiede von Blähungen bei Frauen und Männern. Gleichzeitig tönte Ceylan: "Charakter ist wichtig, alles andere kann man reparieren!"

Das Fazit des Abends ist daher schnell gefasst: Tolle Musik, tolle Gestik, ein Sprach- und Dialektetalent - aber kein Kabarettist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.09.2014

Wolfgang Zimmermann

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