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11:00 26.12.2016
Brigitte Schubert-Oustry: Ein Paar wie kein anderes. Novellen Quelle: Cover
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Dresden

Solange Legenden weitererzählt werden, gibt es auch Menschen, die daran glauben. Wird etwas nur oft genug kolportiert, verdichtet es sich irgendwann zum Mythos. Dass solche Stoffe und deren Inhalte durch mündliche Überlieferungen und diverse Abschriften um- und neugedeutet, aus vielen Zeitschichten und Handlungsebenen zu exemplarischen Idealen komprimiert worden sind, liegt auf der Hand. In diversen Heldensagen werden ganze Chöre davon gesungen. Wie viele reale Vorbilder und Quellen mögen Figuren wie Achill, Herakles, Jesus, Parsifal oder Odysseus gehabt haben? Um all solche Gestalten ranken sich Geschichten ohne Ende, aus Narrativen werden heroische Quasi-Realitäten geformt.

Derlei Geschichten fortzuschreiben, kann durchaus sehr reizvoll sein. Siehe James Joyce, siehe Gustav Schwab, siehe auch Richard Wagner. Mit dem äußerst schmalen Novellenbändchen „Ein Paar wie kein anderes“ will die 1936 in Dresden geborene Autorin Brigitte Schubert-Oustry ganz gewiss nicht an derartige Beispiele anknüpfen. Mit einleitenden Anmerkungen bezieht sie sich auf „Geschichten aus der christlichen Tradition“.

Die ersten beiden Kurztexte widmen sich Maria und jener mit ihrem Namen verbundenen Mär von der unbefleckten Empfängnis. Eine junge Frau, die mit dem wesentlich älteren Zimmermann Joseph zwar zusammenlebt, aber weder verheiratet noch je von ihm berührt worden sein soll. Es ist gewiss keine Intention der Autorin, den alten Mann vorzuführen oder gar zu desavouieren, dennoch erscheint er in der Lektüre als Depp derartigen Ausmaßes, dass er in die Geschichte eingehen musste. Wohlweislich hat Schubert-Oustry ihrem Bändchen das Kirkegaard-Zitat „Der Glaube ist die bewusste Entscheidung für das Absurde“ vorangestellt.

Im zweiten Beitrag ist ebenjene Maria eine gealterte Frau und schleppt sich durch die Straßen von Ephesos, wo sie zurückblickt auf ihr wundersames Leben. Von seltsamen Zeichen ist die Rede, von gläubiger Hingabe und gefürchteten Sinnbildern. Besondere Formen von Unterwürfigkeit, Keimzellen fremdbestimmten Lebens. Mit eingestreuten Episoden des legendären Knaben namens Jesus wird dessen mythische Heldensaga sehr bildhaft fortgeschrieben.

Erst im dritten Text, für den Brigitte Schubert-Oustry von der Künstlergilde Esslingen mit einem Preis für Kurzprosa ausgezeichnet worden ist, berichtet sie von realen Personen und deren Drang, ihrer Spiritualität künstlerische Denkmäler zu setzen. Ins Florenz des frühen 15. Jahrhunderts geht es da, hin zu Brunelleschi und Donatello, die beide recht gut im Geschäft der katholischen Kirche standen und ergreifende Denkmäler der Renaissance hinterlassen haben. Die beiden sowohl befreundeten als auch rivalisierenden Künstler schufen Abbilder sowohl von Zeitgenossen als auch von Allegorien und bezogen sich dabei stark auf die Kunst der Antike. Dass sie auch für architektonische und bautechnische Leistungen berühmt wurden, könnte Stoff für eine Fortsetzung sein.

Im vorliegenden Novellenbändchen von Brigitte Schubert-Oustry führt gerade dieser letzte Text in eine Epoche, die von Aufbruch und Rückbesinnung geprägt gewesen ist. Kein artifiziell Florentiner Kolorit, sondern eine sanfte Natürlichkeit in der Sprache, die legendäre Vergangenheit mit aufgeklärter Moderne verschmelzen lässt.

Brigitte Schubert-Oustry: Ein Paar wie kein anderes. Novellen, Druckerei und Verlag Hille, Dresden,

ISBN 978-3-939025-75-7, 66 Seiten, 9,80 Euro

Von Michael Ernst

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